Putin-Doku über die Krim
„Unsere Atomwaffen waren bereit“

Die Dokumentation „Krim. Rückkehr in die Heimat“ wartete mit allem auf, was Wladimir Putins Propaganda-Maschinerie zu bieten hat. Ein Heldenepos – und zugleich eine unverhohlene Warnung an die Ukraine und die USA.
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KiewAlexej Grebnew kann einiges über die Ereignisse auf der Krim vor einem Jahr erzählen. Er habe Ende Februar 2014 im Bus nach Simferopol gesessen, sagt der Mann, als das Fahrzeug plötzlich von einer Gruppe Bewaffneter angehalten wurde. „Den Fahrer haben sie sofort erschossen und uns gezwungen, ukrainisch zu sprechen, dabei beherrsche ich die Sprache gar nicht“, erzählt Grebnew.

Männer wie er sind Figuren in der Dokumentation „Krim. Rückkehr in die Heimat“, die das russische Staatsfernsehen am Sonntagabend gezeigt hat. Es ist ein Film darüber, wie Russlands Präsident Wladimir Putin die Geschehnisse rund um die Annexion der Krim dargestellt wissen will.

Zu finden waren Augenzeugenberichte, die gestellt wirken. So wie die Aussage eines gewissen Alexander Belji. „Die Vandalen haben mich gezwungen, meine Sim-Karte aus dem Handy zu entfernen, ansonsten würden sie mich bei lebendigen Leib verbrennen“, sagt er. Auf dem Handy befanden sich jedoch auch Fotos seiner Familie, „doch das alles wollten diese Bandera-Leute für immer auslöschen“. Als „Bandera-Leute“ werden in Russland Menschen aus der West-Ukraine bezeichnet, die sich aktiv an den Maidan-Protesten teilgenommen haben. Der Begriff leitet sich von Stefan Bandera ab, er hat in den 1940er-Jahren sowohl mit den Nazis als auch mit der Roten Armee zusammengearbeitet.

Diese Szene kommentiert Russlands Präsident Wladimir Putin sodann mit den Worten: „Als uns bewusst wurde, dass wir es mit Nationalisten vom äußersten rechten Rand zu tun haben, war uns klar, wir dürfen die Menschen auf der Krim nicht im Stich lassen.“

Die TV-Doku war deshalb vor allem eines: eine zweieinhalb Stunden dauernde Propagandashow. Nicht nur ein Heldenepos für das russische Publikum, sondern  auch eine unverhohlene Warnung an die Ukraine und die USA.

Putin interpretiert darin die Vorgänge, die sich in den vier Wochen von Ende Februar bis Ende März 2014 auf der Halbinsel zugetragen hatten, im Interview. Das Gespräch wurde durch Filmeinspielungen aufgelockert, allerdings waren die meisten Szenen nachgestellt. In der gesamten Doku wurden nur sehr wenige Originalaufnahmen der Ereignisse auf der Krim im Frühjahr vergangenen Jahres gezeigt. Damit erhielt die Dokumentation einen künstlichen Charakter.

Der Kremlchef weiter: Nicht nur Menschen seien durch „Faschisten und Bandera-Leuten aus Kiew“ mit dem Tod bedroht gewesen, auch staatliche Gebäude und die Versorgung mit Trinkwasser seien „größter Gefahr ausgesetzt gewesen“. Der von Moskau eingesetzte Ministerpräsident der Krim, der umstrittene Sergej Aksjonow, kam zu Wort und erzählte, wie er zusammen mit Freiwilligen jeden Tag Kampfübungen trainiert habe, um das Lenin-Denkmal in der Inselhauptstadt Simferopol zu schützen und um „Giftanschläge auf Brunnen zu verhindern“.

Putin gab zudem vor, er habe Aksjonow bis zu dem Zeitpunkt nicht gekannt. „Doch als man mir sagte, er sei ein Mensch wie Che Guevara, da dachte ich, so einen brauchen wir jetzt“.

Die Doku stellte die so genannten Säulen der „Krim-Rettung“ der Reihe nach vor. Neben dem „Anführer Aksjonow“ waren das vor allem die Soldaten der aus Kiew geflohenen Berkut-Einheiten, der früheren Leibgarde von Präsident Viktor Janukowitsch, die Generalstaatsanwältin der Krim, Natalia Poklonska, ebenfalls aus Kiew geflohen, und die Rocker der „Nachtwölfe“. Nur weil diese Gruppen sich der „Koordination Putins zur Rettung der Krim“ untergeordnet hätten, sei die „Wiedervereinigung der Krim Russland“ in vergleichsweise kurzer Zeit erfolgt.

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„Ich habe alle Befehle erteilt“

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  • Vorsicht Herr Guire,
    Ihr Beitrag ist wie ein Bumerang.

    Die WARNUNG sollte sich besser Deutschland und EU in das restliche Hirn einhämmern
    lassen.
    Die Amis ziehen sich ganz schnell auf Ihr Kontinent zurück. Wochin wollen Sie Herr
    Guire hin?? Oder sind Sie gar kein Deutscher?

  • Demnächst werden die Abiturienten verpflichtet zum Krim-Thema eine Prüfung abzulegen. Wie damals, bei Breschnew, "Malaja Semlja" usw. Die Putin-Paranoia zieht weitere Kreise.

  • >> „Unsere Atomwaffen waren bereit“ >>


    Falschmeldung !

    Putin sagte : Unsere Atomwaffen SIND IMMER bereit !

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