Putin-Freunde in Athen: Experten warnen vor Russland-Nähe Griechenlands

Putin-Freunde in Athen
Experten warnen vor Russland-Nähe Griechenlands

Athens neuer Regierungschef ist auf Werbetour in Europa für seinen Kurswechsel. Findet Tsipras kein Gehör bei den EU-Partnern, könnte Russland ins Spiel kommen. Experten warnen schon vor den Folgen.
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BerlinNach Einschätzung von Außenpolitik-Experten kann die Russland-Nähe der neuen griechischen Regierung unter Syriza-Chef Alexis Tsipras zu einem ernsten Problem für die EU werden. „Griechenland könnte sein Veto im Europäischen Rat dazu benutzen, die Russland-Politik der EU zu obstruieren“, sagte Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Zudem könne Russland seinerseits über wirtschaftliche Hilfen an Athen eine Alternative zur Troika darstellen. „Und eine zunehmende ökonomische Abhängigkeit Griechenlands von Russland kann Athen zu einem trojanischen Pferd Moskaus in der EU werden lassen.“

Der EU wären in einem solchen Fall die Hände gebunden, betonte Masala, da Staaten zwar aus der Union austreten, aus dieser jedoch nicht „rausgeschmissen“ werden könnten. Überdies wäre im schlechtesten Fall die über Monate verhandelte Einigkeit der EU hinsichtlich ihrer Haltung gegenüber dem russischen Verhalten in der Ukraine „Makulatur“. Um ein solches Verhalten verhindern zu können, wären die EU-Staaten wohl gezwungen, den Forderungen der neuen griechischen Regierung nach einem Schuldenschnitt und einem Aussetzen der seitens der Geldgeber-Troika diktierten Reformen entgegenzukommen.

Der Historiker Michael Wolffsohn fürchtet, dass infolge eines Schulterschlusses zwischen Athen und Moskau nicht nur die EU, sondern auch die Nato und damit das sicherheitspolitische Fundament des Westens geschwächt würden. „Russlands Marinebasis in Syrien ist durch den Bürgerkrieg praktisch lahmgelegt. Ein Ersatz in Griechenland wäre ideal für Putin“, sagte Wolffsohn dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Durch einen etwaigen Nato-Austritt oder Rausschmiss Griechenlands wäre das möglich.“ Käme es so weit, würde die Nato aus Sicht Wolffsohns als „ewiger Schlichter“ zwischen Griechenland und der Türkei ausscheiden. „Die Folgen – bis zu einem Krieg, wie 1974 um Zypern - wären nicht auszudenken.“

Aus Wolffsohns Sicht könnte die Russen-Taktik der Griechen sogar weitere Nachahmer finden. „In Spanien, Portugal und Italien - ebenfalls EU- und Nato-Mitglieder - stehen die Möchtegern-Tsipras in den Startlöchern“, sagte er. Das Schrumpfen der Nato könne daher Schule machen. „Wohl auch deshalb ermutigt die deutsche Links-Partei die neue griechische Regierung“, ist Wolffsohn überzeugt.

Hinter der Warnung der Experten steht der Umstand, dass ein klarer Kurs gegenüber dem Kreml-Chef Wladimir Putin eigentlich der große Stolz der EU im Ukrainekonflikt ist. Bis jetzt jedenfalls. Mit lautstarker Kritik der neuen griechischen Regierung an einer EU-Erklärung zu einer möglichen Ausweitung der Sanktionen gegen Russland scheint das aber nun nicht mehr sicher zu sein.

Mit Entsetzen habe man gesehen, dass Griechenland die gemeinsame Position der EU gegenüber Russland aufgegeben habe, kommentierten führende Europapolitiker wie EU-Parlamentspräsident Martin Schulz Äußerungen aus Athen. In manchen Kommentaren wurde Putin sogar schon als der eigentliche Gewinner der Griechenland-Wahl bezeichnet. Der Kreml-Chef werde seine Unterstützung für die Separatisten in der Ost-Ukraine nun noch unbesorgter fortsetzen können, hieß es.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Links-radikal, rechts-radikal, ganz großzügig wird hier wieder das Schubladendenken gepflegt und gepflegt ausgegrenzt. Freier Handel - unbedingt -, aber nur mit wem ICH will und schon gar nicht mit Russen. Dazu ein Experte, der aus der Verfolgung seiner eigenen Familie nichts gelernt hat, er gehört ja jetzt zu den Privilegierten. Herr Wolffsohn fordert öffentlich die Einführung der Folter, klagt über Ostdeutsche in der Bundeswehr, will das Eiserne Kreuz zurück und zieht eifrig mit schrägen historischen Vergleichen über Nazis und Inquisitoren durch das Land.
    Mit verbaler Aufrüstung und Festungsmentalität, Ausgrenzung und Verteufelung werden wir Frieden und Wohlstand bestimmt dienlich sein. Doch was soll`s, an Krisen und Kriegen lässt sich doch prima verdienen. Soll jemand anderes halt die Schäden beseitigen.

  • GRIECHENLANDs Neue Regierung muss sich jetzt im Eiltempo...

    sich darum kümmern im Land NEUE ARBEITSPLÄTZE ZU BESCHAFFEN.

    Hierbei ist unbedingt nennenswert daran zu Erinnern....

    dass die Absichten der FIRMA NAMCO mit der neue Aufnahme von einem

    Griechischen PKW sehr schnell umgesetzt werden sollten.

    Dadurch könnte man sich auf die Herstellung von Fahrzeugen für den Afrikanischen Kontinent konzentrieren und entsprechend konzipieren.

    Europas Autohersteller sind zu satt und kümmern sich zu wenig darum was auch andere Kontinente benötigen würden...

    hierdurch hätte Griechenland mit einem eigenen PKW Gute Export-Möglichkeiten...und sogar durch CKW einen Aufbau in Afrika in eigene Regie neu entstehen zu lassen.

    Es gibt genügende Fachkräfte in Griechenland und in Europa die eine solche Neue Griechische Initiative unterstützen könnten.

    UND DIE AKTIENMÄRKTE DIESER WELT...

    WARTEN AUF NEUE ANLAGE-PROJEKTE...

    die Hand und verstand nachweislich beweisen.

    Griechenland leg los !!!



  • Alexis Tsipras - das trojanischen Pferd Moskaus
    -------------
    Er ist ein "Putin-Versteher"! Er reiste schon mehrfach nach Moskau um ihn seine Solidarität zuzusichern.
    Jetzt ist die linksradikale Syriza eine Koalition mit der rechtsradikalen Anel eingegangen, und Europas Linke feiert das als großen Sieg über Merkel.
    Auch der rechtsradikale FN (Front National) in Frankreich und UKIP in Groß-Britannien.
    Tsipras hat sein Veto eingelegt, als es um eine Verschärfung der Sanktionen gegen Russland ging.
    Warlord Putin ist ihm dafür dankbar! Er hat auch angekündigt, Griechenland finanziell zu unterstützen.
    Manus manum lavat!

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