Putin kann auf Händedruck hoffen
Bush hat es mit Versöhnung nicht so eilig

Den Russen vergeben, die Deutschen ignorieren und die Franzosen bestrafen - so fasste ein Kolumnist der „Washington Post“ die Devise der US-Regierung nach dem diplomatischen Debakel um den Irak-Krieg zusammen.

HB/dpa WASHINGTON. Danach dürfte sich beim bevorstehenden Stelldichein der G-8- Regierungsspitzen allenfalls der russische Präsident Wladimir Putin Hoffnung auf einen freundlichen Händedruck von US-Präsident George W. Bush machen. Tatsächlich deuten in Washington alle Anzeichen darauf hin, dass Bush sich mit Annäherung, die die in Ungnade gefallenen Europäer so ersehnen, noch Zeit lassen will.

Die Konservativen um Bush wägen sich nach dem Irak-Krieg auf der Moral-Skala ganz oben: der Diktator ist weg, der Krieg war kurz, die Opferzahl gering, das Schreckensszenario der Destabilisierung des Nahen Ostens ist bislang ausgeblieben. Die Amerikaner sehen darin einen gelungenen Beitrag zur Befriedung der Welt, für den sie eigentlich Beifall verdient haben.

„Warum versteht Ihr nicht, dass wir einen Diktator ausgeschaltet haben? Warum anerkennt Ihr nicht, dass es uns gelungen ist, die Zivilbevölkerung sehr weitgehend zu schonen?“ so fasste Hessens Ministerpräsident Roland Koch die Worte Bushs nach seiner überraschenden Begegnung mit dem Präsidenten im Weißen Haus zusammen. An der Oberfläche geben die Amerikaner sich jetzt versöhnlich.

„Wir sind durch eine schwierige Periode gegangen. Aber das liegt jetzt alles hinter uns. Jetzt sollten wir ganz darauf konzentrieren, dem irakischen Volk zu helfen“, sagt Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice. Doch dies ist keineswegs als Wille zu mehr Rücksicht auf die Meinung der anderen Staaten zu verstehen. Die USA lassen keinen Zweifel an ihrem Führungsanspruch. „Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns“, gab Bush als Zukunftsparole aus.

Haltung Frankreichs hat Konsequenzen

Was das bedeuten kann, hat Außenminister Colin Powell in Bezug auf Frankreich klargemacht: die Haltung der Franzosen als Hauptwidersacher in der Irak-Kontroverse müsse Konsequenzen haben, kündigte er unmissverständlich an. „Wir werden unsere Beziehungen und Handelsverträge mit Frankreich überprüfen um zu sehen, ob sie unter diesen Umständen noch angemessen sind.“

Deshalb ist der nach außen versöhnliche Ton auch keineswegs ein Brückenschlag zur Garde der traditionellen Verbündeten. Mit seiner abfälligen Bemerkung über das „alte Europa“ der traditionellen Verbündeten hat Verteidigungsminister Donald Rumsfeld den Ton gesetzt: im „neuen Europa“ jenseits von Deutschland sehen die Amerikaner die Chance auf künftige Bündnisse.

Erst kürzlich zählte Rumsfeld lobend auf, wer den Amerikanern im Irak zur Seite steht: Tschechien habe ein Feldhospital in Basra spendiert, Griechenland 20 Tonnen Lebensmittel und Kleidung, Litauen schicke Orthopäden nach Um Kasr und Spanien helfe bei der Reparatur der Strom- und Wassernetze.

Wechselnde Koalitionen

Washington will seine Politik von nun an mit wechselnden Koalitionen durchsetzen. 65 Länder hätten den Irak-Feldzug unterstützt, sagt Rumsfeld. Auf die Gewogenheit der alten Verbündeten sieht Washington sich nicht mehr unbedingt angewiesen. Insofern hat Bush ein Treffen wie den G-8-Gipfel schon im Vorfeld abgewertet. Denn an diesem Tisch sitzen die neuen Freunde nicht.

Und einer großen Versöhnung zwischen den USA und Deutschland räumen Beobachter in der Besetzung Bush-Schröder kaum noch Chancen ein. Für ein Einzelgespräch Beider bleibe in St. Petersburg oder Evian wohl kaum Zeit, meinte Powell schon.

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