Putin-Nachfolge
Dmitrij Medwedjew unter der Lupe

Er ist der aussichtsreichste Kandidat für das russische Präsidentenamt, ist erster Vizepräsident und seit fünf Jahren Aufsichtsratsvorsitzender von Gazprom. Dennoch ist Dmitrij Medwedjew im Ausland weitgehend unbekannt. Das Handelsblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Putin-Erben.

Ist Dmitrij Medwedjew ein fähiger Manager?

Sein Bilanz ist gemischt. Als Chef der Kremladministration und als Wahlkampfleiter für Wladimir Putin hat er Erfahrungen gesammelt, wie in Russland Politik auf höchster Ebene „gemanagt“ wird. Sein Spitzname damals war „der Wesir“. Er gilt als Teamspieler mit schneller Auffassungsgabe. Nicht wirklich geglänzt hat er bei der Umsetzung seiner „nationalen Projekte“ in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wohnungsbau und Landwirtschaft – den offenen Flanken des Landes. Mit viel Geld im Säckel und hohen Erwartungen in der Bevölkerung ist er gestartet. Gewisse Erfolge blieben zwar nicht aus, doch am zum Teil katastrophalen Status Quo des Landes änderte sich nichts – in den Umfragen sinkt er darauf schnell ab. Kritiker sagen, er habe irgendwann das Interesse an den Programmen verloren.

Welche Rolle spielt er als Aufsichtsratschef von Gazprom?

Seinen Posten bei Gazprom hat er souverän im Griff, heißt es aus Kreisen des Gremiums: Immer gut informiert und vorbereitet. Doch zeigte sich auch, dass er ein Mann ist, der den Konsens sucht und braucht. Die Übereinkunft aller Parteien hat Priorität, selbst wenn das bedeutet, dass eine wichtige Entscheidung vertagt werden muss. Klar ist auch: Nicht er hat das Sagen im Konzern, sondern „der Chef“ – Putin.

Hat er geschäftliche Interessen?

Darüber redet er nicht viel. Anfang der 90er Jahre waren viele russische Studienabgänger „Bisnismen“ – auch der junge Jurist Medwedjew versucht sich: in der Holzindustrie. Immer wieder taucht er im Zusammenhang der Firmen Ilim Pulp Enterprise und Finzell auf. An der geschlossenen AG Finzell hält Mewedjew nach Angaben der russischen Webseite Anticompromat.org 50 Prozent. Im Jahr 1996 wird Finzell Teilhaber von Ilim Pulp. Ein Jahr später trennt sich Medwedjew mit anderen Partnern aber von Finzell. Es bleibt eine Genfer Firma, von der nicht klar ist, wer hinter ihr steckt. Der Firma Ilim Pulp bleibt Medwedjew aber bis 1999 als Berater verbunden, schreibt die New York Times. Ob er heute noch Teilhaber ist, ist unklar. Im Vorstand sitzen nach eigenen Angaben immer noch die alten Geschäftspartner Medwedjews.

Ist Medwedjew eine Marionette von Wladimir Putin?

Beide haben ein sehr enges Verhältnis. Seit 17 Jahren arbeiten sie zusammen. Putin hat den jüngeren Medwedjew nach Moskau geholt und ist nun kurz davor, ihn auf den wichtigsten Posten des Staates zu hieven. Sicher auch, weil er nichts von ihm zu befürchten braucht. Doch Medwedjew zu unterschätzen wäre falsch. Er gilt trotz fehlender Kanten als ein Mann, der eigene Prinzipien und Ideen hat. So zum Beispiel zu Putins Staatsideologie von der „souveränen Demokratie“: „Ich mag diesen Terminus nicht“, hatte er der Zeitung Wedomosti bekannt.

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