Putin-Nachfolge
Minister meutert gegen russische Machtrochade

Geht alles nach Plan, soll Russlands Ministerpräsident Putin den amtierenden Präsidenten Medwedew im nächsten Jahr an der Staatsspitze beerben. Jetzt hat sich Finanzminister Alexej Kudrin zu Wort gemeldet, dem die Machtspiele der beiden Staatsmänner nicht passen.
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Der russische Finanzminister Alexej Kudrin will nicht unter einem Ministerpräsidenten Dimitri Medwedew arbeiten. Das kündigte der 50-Jährige bereits am Samstag am Rande der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington an. Kudrin ist ein Vertrauter des derzeitigen Regierungschefs Wladimir Putin, der nach der am Wochenende verkündeten Machtrochade im kommenden Jahr bei der Präsidentenwahl antreten wird. Sein Sieg gilt derzeit als sicher, Medwedew soll dann Ministerpräsident werden.

„Ich sehe mich nicht in der neuen Regierung, und das liegt nicht daran, dass man mir einfach nicht das Amt angeboten hat“, zitierten russische Nachrichtenagenturen Kudrin. Er habe Meinungsverschiedenheiten mit Medwedew über die Wirtschaftspolitik und sei besonders gegen dessen Pläne, die Militärausgaben zu erhöhen. „Ich denke, es sind jene Meinungsverschiedenheiten, die es mir nicht erlauben werden, der nächsten Regierung anzugehören“, sagte Kudrin.

Kudrin ist seit 2000 Finanzminister. Seiner konservativen Finanzpolitik wird zugeschrieben, dass Russland relativ gut die weltweite Rezession 2008/2009 überstand. Eine Sprecherin Medwedews, Natalja Timakowa, sagte, es sei zu früh, über die Zusammensetzung der nächsten Regierung zu sprechen.„Präsident Medwedew und Ministerpräsident Putin gehen davon aus, dass alle Bundesbeamten weiterhin ihre Pflichten an ihrem Platz erfüllen“, zitierten russische Nachrichtenagenturen Timakowa. „Wenn jemand andere Vorstellungen hat, sollte er bereit sein, seinen Arbeitsplatz zu wechseln.'“ Ein Sprecher Putins, Dimitri Peskow, sagte, die Differenzen zwischen Medwedew und Kudrin seien bekannt. „Er ist ein professioneller Ökonom“, sagte er. „Ein Ökonom durch und durch.“ Bislang galt Kudrin selbst als ein aussichtsreicher Kandidat für das Ministerpräsidentenamt, sollte Putin im kommenden Jahr zum Präsidenten gewählt werden.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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