Putin-Nachfolge
Russisches Rätsel

Drei Vertraute des russischen Präsidenten Wladimir Putin streiten um die Nachfolge des Kremlherrn, der laut Verfassung 2008 abtreten muss. Nur eines scheint ein Jahr vor den Präsidentschaftswahlen sicher: Die Macht bleibt in den Händen des Spionagekraken aus Sowjetzeiten - des KGB.

MOSKAU. Der Weg in den Kreml ist recht einfach: Auf die Frage „Willst du Präsident der Russischen Föderation werden?“ muss man nur „da“ anklicken, also auf Russisch „ja“. Unter » www.uznay-prezidenta.ru, der Internet-Schule des russischen Präsidenten, bekommen alle, die an dem Job interessiert sind, auch gleich per Mausklick einige „Lehrstunden in Sachen Demokratie“ dazu. So wird der Bewerber gefragt: „Alle äußern im Fernsehen die gleiche Meinung, loben laut den Präsidenten, die Regierung und den Staat. Aber zu Hause schmähen sie sie leidenschaftlich. Ist das Demokratie?“ Wer hier mit „Ja“ antwortet, handelt sich gleich eine Rüge des virtuellen Lehrers ein.

Der amtierende Kremlherr Wladimir Putin persönlich begrüßt alle Besucher seiner Internet-Schule: „Die Informationen auf diesen Seiten sind für den künftigen Präsidenten Russlands bestimmt“, schreibt er dort. Und weiter: „Ich rate zur aufmerksamen Lektüre.“

Für alle, die der Kremlherr wirklich als würdige Erbfolger ansieht, hat er natürlich deutlich mehr als einen guten Ratschlag parat – ein neues Amt beispielsweise. So ernannte Putin seinen Verteidigungsminister Sergej Iwanow Ende vergangener Woche zum Ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten – eine gute Ausgangslage für die Präsidentenwahlen im nächsten Jahr.

Insgesamt laufen sich drei prominente Bewerber aus dem engsten Putin-Umfeld warm für den Posten: Neben Iwanow gehört auch Dmitrij Medwedjew dazu. Beide haben den gleichen Rang. Hinzu kommt Wladimir Jakunin, Chef der russischen Eisenbahn.

Sie sind wie Putin selbst Männer des Geheimdienstes. Sie haben zudem enge Bindungen zu St. Petersburg. Und auch wirtschaftspolitisch sind sie ganz auf der Linie des Amtsinhabers. Putin hat Dmitrij Medwedjew bereits im vergangenen Jahr große Aufgaben übertragen, an denen sich der Politiker beweisen soll. Er ist für „nationale Projekte“ wie billigen Wohnungsbau und bessere Gesundheitsversorgung zuständig, in die ein Teil der Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen investiert werden soll.

Seitdem reist der Erste Vizepremier durch entlegene Dörfer, die bisher weder Strom noch fließendes Wasser haben, nun aber mit Hilfe des Manns aus Moskau einen Gasanschluss bekommen sollen. Dabei gibt sich der Politiker ungewohnt hemdsärmelig. Statt feiner Hemden und teurer Uhren wie in der russischen Hauptstadt trägt Medwedjew jetzt eine sportliche Kluft – meist in Gazpromblau. Denn der Politiker reist auch als Aufsichtsratschef des größten Gaskonzerns durch die Welt.

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