Putin: "Noch viel Arbeit in Tschetschenien"
Tschetschenischer Rebellenführer Maschadow getötet

Der von Moskau gesuchte tschetschenische Ex-Präsident und Rebellenführer Aslan Maschadow ist nach russischen Angaben in seiner Heimat getötet worden.

HB MOSKAU. Der Inlandsgeheimdienst FSB unterrichte den russischen Präsidenten Wladimir Putin am Dienstagabend über den Tod Maschadows. Es bleibe „noch viel Arbeit“ in Tschetschenien, sagte Putin in einer ersten Reaktion. Der Kreml hatte Maschadow sowie den Terroristenführer Schamil Bassajew beschuldigt, hinter den brutalen Terroranschlägen und Geiselnahmen mit Hunderten von Toten in den vergangenen Jahren zu stecken. Menschenrechtler sagten dagegen, Maschadow sei der letzte einflussreiche Mann im tschetschenischen Widerstand gewesen, mit dem man Verhandlungen hätte führen können.

Der im Jahr 1951 geborene Maschadow kam nach Angaben der russischen Kaukasus-Truppen in der Siedlung Tolstoj-Jurt, etwa 20 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Grosny, ums Leben. Maschadows Kämpfer hätten sich mit Männern der Moskau-treuen Präsidentengarde ein Gefecht geliefert. „Maschadow versteckte sich in einem Bunker unter einem der Häuser“, sagte der Truppensprecher Ilja Schabalkin nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Die russische Seite machte keine genauen Angaben über den Zeitpunkt des Todes. Maschadow sei nicht bei den unmittelbaren Kampfhandlungen ums Leben gekommen. Nach Angaben des Vizeregierungschefs von Tschetschenien und Anführers der Präsidentengarde, Ramsan Kadirow, wurde Maschadow angeblich von der Kugel eines Wachmannes tödlich getroffen, der unvorsichtig mit seiner Waffe hantiert habe. „Niemand hatte vor, ihn zu beseitigen“, beteuerte Kadirow. Der Kreml hatte bereits vor Jahren ein Kopfgeld in Höhe von 300 Millionen Rubel (8,3 Millionen Euro) ausgesetzt. Maschadow stand neben Bassajew an der Spitze der russischen Fahndungsliste.

In Moskau äußerte sich Präsident Putin zunächst zurückhaltend zur Nachricht aus Tschetschenien. „Dort muss noch viel Arbeit erledigt werden. Man muss die Kräfte sammeln, um die Bürger Tschetscheniens und ganz Russlands vor den Banditen zu schützen“, sagte der Kremlchef in Moskau.

Duma-Politiker warnten davor, den Einfluss Maschadows zu überschätzen. „Maschadow hatte nach unseren Erkenntnissen nicht einen solch großen Einfluss wie Bassajew“, sagte der Vorsitzende der Fraktion Rodina (Heimat), Dmitri Rogosin.

Nach russischen Angaben hatte die Gruppe um Maschadow am Morgen einen schweren Anschlag auf die Verwaltung von Tolstoi-Jurt geplant. Vor dem Rathaus ware wegen Feierlichkeiten zum Internationalen Frauentag viele Menschen erwartet worden. Festgenommene Rebellen hätten die Sicherheitskräfte auf die Spur Maschadows gebracht, hieß es.

Der Kreml beschuldigte Maschadow, gemeinsam mit Bassajew in den vergangenen Jahren schwere Terroranschläge wie die Geiselnahme im Musicaltheater Nordost sowie in der Schule von Beslan verwirklicht zu haben. In den vergangenen Jahren war auch mehrfach der Tod Bassajews gemeldet worden, der aber jedes Mal von den Rebellen dementiert wurde.

Russische Menschenrechtsorganisationen sprachen von einer „schlechten Nachricht“ aus Tschetschenien. „Das war ein Mensch, mit dem man Verhandlungen hätte aufnehmen können“, sagte die Vorsitzende der Moskauer Helsinki-Gruppe, Ljudmila Alexejewa. Maschadow sei nicht der Anführer des terroristischen Flügels im Widerstand gewesen, betonte Alexander Tscherkassow von „Memorial“ in Moskau. „Bassajew wird jetzt wohl kaum seine Terroraktivitäten in Tschetschenien und anderswo im Nordkaukasus einstellen“, sagte Tscherkassow.

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