Putin und die deutsche Wirtschaft
Ziemlich beste Freunde

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Diese Manager nahmen teil

Neben OA-Chef Büchele, der auch Vorstandsvorsitzender des Anlagenbauers M+W Group ist, sowie seinem Vize, Uniper-CEO Klaus Schäfer, waren dies: Der CEO von Linde, Aldo Belloni, Bilfinger-Boss Tom Blades, Metro-Chef Olaf Koch, Tui-Aufsichtsratschef Klaus Mangold, BASF-Finanzvorstand und Wintershall-Aufsichtsratsvorsitzender Hans-Ulrich Engel, SAP-Vorstand Michael Kleinemeier, der Vorstandsvorsitzende von Schaeffler, Klaus Rosenfeld, der Geschäftsführende Gesellschafter des weltgrößten Gipsproduzenten Knauf, Manfred Grundke, die Aufsichtsratschefin des Landmaschinenherstellers Claas, Cathrina Claas-Mühlhäuser, der Fleischunternehmer Clemens Tönnies, der Miteigentümer der Bauer Kompressoren Group, Philipp Bayat, der Vorstandschef des Maschinenbauers DMG Mori, Christian Thönes, der Vorstandschef des Pumpen- und Heizungsherstellers Wilo, Oliver Hermes, der CEO des Kranherstellers Wolffkran, Peter Schiefer, der Geschäftsführer des Kartoffelsortenproduzenten, Thorsten Spill, der Vorstand des Versorgers EWE, Michael Heidkamp, der deutsche Chef der Gazprom-Pipelinetochter Nord Stream, Matthias Warnig, sowie Siemens-Vorstand Klaus Helmrich.

Über Siemens und den Ärger um Turbinen-Lieferungen der Münchener auf die Krim wurde laut Kreml-Sprecher Dmitri Peskow auf dem Treffen mit Putin nicht gesprochen. Dabei gibt es erheblichen Zwist: Die USA sind verärgert, dass Turbinen des Siemens-Konzerns auf die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel Krim geliefert wurden. US-Geheimdienste hätten im Vorhinein intensiv gewarnt, der Dax-Konzern habe dies aber ignoriert, heißt es in diplomatischen Kreisen von EU-Staaten und den USA. Siemens, das ein Turbinen-Joint-Venture bei St. Petersburg betreibt, hatte seinem russischen Geschäftspartner vorgeworfen, die Anlagen hinter seinem Rücken auf die Krim geliefert zu haben.

Auch andere deutsche Firmen haben Sorgen, dass ihre in Russland produzierten Waren auf Umwegen – und sehr zum Missfallen in Übersee – auf der Krim landen könnten. Das sagten mehrere deutsche Firmenvertreter dem Handelsblatt. Offen thematisieren will dies indes niemand.

Vielmehr wurde über Fragen der Digitalisierung der russischen Wirtschaft, den Fachkräftemangel, die Behebung des Infrastrukturmangels im Riesenreich, die Erhöhung der Produktivität und die Schaffung eines Mittelstandes in Russland diskutiert. Hier lobte Putin die deutsche Wirtschaft überschwänglich, da kleine und mittlere Unternehmen hier das Rückgrat der Wirtschaft seien. Sein Ziel für Russland: 2030 sollten 40 Prozent der Wirtschaftsleistung aus mittelständischen Unternehmen kommen. Er werde alles tun, damit sich Investoren wohlfühlten und bürokratische Hürden abgebaut würden. Aber das haben die deutschen Firmenvertreter nicht zum ersten Mal auf ihren jährlichen Treffen mit dem Kremlchef gehört.

Im Report „Doing Business“, mit dem die Weltbank jährlich das Geschäftsklima in 190 Ländern misst, ist Russland in diesem Jahr nach zuvor deutlichem Aufholen wieder um vier Plätze auf Rang 40 abgerutscht. Bei Genehmigungen und Bürokratie rangiert Russland gar nur auf Rang 115 und in Sachen Außenhandel auf 140. 

Immerhin hat Putins Reich das Tal der Rezession durchschritten: Die von Moskaus renommierter Higher School of Economics berechnete Konsensprognose in- und ausländischer Ökonomen geht für das laufende Jahr von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent aus.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Erst den Politclown Donald Trump unterstützen - und nun um "Herz und Hirn" der Deutschen "werben"... Putins Strategien sind ja wohl ein Witz!

    Trumps Anti-Deutschland-, Anti-EU- und ganz allgemein Anti-Hirn-Kurs löst weltweit Kopfschütteln aus - besonders auch in Deutschland.

    Das Internet wurde von Putins Trollen mit Big-Bullshit überschwemmt, um den russischen Favouriten Trump an die Macht zu bringen. Solche Desinformations-Künstler haben wir 1990 aus Dresden und ganz Deutschland aber längst rausgeworfen. Mit Putin kommt der kalte Krieg nun zurück. Schön blöde, wer auf Trump-Putin und ihren Krieg gegen die Medien und Krieg gegen die EU hereinfällt.

    Wenn Putin weiter versucht, rechtsradikale Parteien in Europa zu unterstützen, sollte man auch über einen Boykott seiner Fussball-WM nachdenken.

  • Frau Edelgard Kah - 13.10.2017, 11:57 Uhr
    USA und UDSSR - keiner besser!

    USA:
    Juli bis Oktober 1958: Libanon
    Mai 1964: Laos
    1964 bis 1975: Vietnam
    1964 bis 1982: Bolivien
    April bis September 1965: Dominikanische Republik
    März 1970: Kambodscha
    September 1970: Jordanien
    1977 bis 1992: El Salvador
    Ab 1981: Afghanistan
    April 1982: Argentinien
    25. Oktober 1983: Grenada
    14. April 1986: Libyen
    3. Juli 1988: Iran
    Ab 1990 Im Drogenkrieg in Kolumbien
    20. August 1998: Sudan
    November 2001, Operation Enduring Freedom: Afghanistan
    20. März 2003, Operation Iraqi Freedom: Irak
    Frühjahr 2011 – Militärische Luftschläge sowie Marineeinsätze mit Marschflugkörpern gegen Libyen
    UDSSR/Russland:
    1953: Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR
    1956: Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands
    1956: Unterstützung arabischer sozialistischer Länder in der Sueskrise durch Waffenlieferungen und Militärberater
    1968: Niederschlagung des Prager Frühlings
    1969: Chinesisch-Sowjetischer Grenzkrieg
    1974–1991: Militärische Unterstützung des kommunistischen Regimes im äthiopischen Bürgerkrieg
    1975–2002: Unterstützung der MLPA im angolanischen Bürgerkrieg
    1977–1978: Unterstützung Äthiopiens im Ogadenkrieg gegen Somalia
    1979–1989: Militärintervention in den Afghanischen Bürgerkrieg
    1991–1992: Militärisches Eingreifen in den Georgisch-Südossetischen Krieg
    1992: Konflikt im Distrikt Ost-Prigorodny in Nordossetien
    1992: Militärintervention in den Transnistrien-Konflikt:
    1992–1997: Militäreingriff in den Bürgerkrieg in Tadschikistan
    1992–1993: Unterstützung abchasischer Freischärler im Georgisch-Abchasischen Krieg
    1994–1996: Erster Tschetschenienkrieg
    1999–2009: Zweiter Tschetschenienkrieg
    1999: Dagestankrieg
    1999–2003: Vorstoß nach Priština,
    2008: Militäreinsatz im Kaukasuskrieg auf der Seite südossetischer Rebellen
    2014: Invasion und nachfolgende Annexion der Krim
    Seit 2014: Militärische Unterstützung der prorussischen Kräfte im Krieg in der Ostukraine (von Russland abgestritten

  • Wenn man nicht nur Geschichtsbücher aus der ehemaligen DDR gelesen hätte, wüßte man, daß Deutschland (oder Preußen, oder die KUK-Monarchie, oder weitere deutsche Fürstentümer usw.) wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Rußland hatte und pflegte. Übertrieben könnte ich behaupten, bevor überhaupt Amerika entdeckt wurde, hatte man wirtschaftliche Beziehungen.
    Die Fugger, Thurn + Taxis, die Hanse usw.
    Schlecht wurde es erst, als Frau Merkel b l i n d den Amerikanern hinterher lief
    und wieder alles b e s s e r wußte.

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