Putin und die deutsche Wirtschaft
Ziemlich beste Freunde

  • 10

Streit um Sanktionen

Denn diese könnten auch Firmen in Drittstaaten unter Strafe stellen, die für russische Energiekonzerne tätig werden. „Wir unterstützen die negative Haltung der EU und der Bundesregierung gegen diese Sanktionen“, betonte OA-Vorsitzender Büchele im Gespräch mit Putin. Und er kritisierte die „Gefahr der exterritorialen Anwendung“ der Strafmaßnahmen, die etwa auch Firmen treffen könnten, die sich an Nord Stream 2 beteiligen. Die deutschen Versorger Uniper und Wintershall (Tochter der BASF) hatten sich zusammen mit der französischen Engie, der österreichischen OMV sowie dem niederländisch-britischen Konzern Shell an der Tochter des Gazprom-Konzerns Nord Stream 2 beteiligt. Sie stehen nun nicht nur unter dem Druck einzelner EU-Staaten, sondern auch unter Druck aus Washington.

Derweil machen die Senatoren John McCain (Republikaner) und Ben Cardin (Demokraten) Druck auf US-Präsident Donald Trump, die von ihm abgesegneten neuen amerikanischen Strafmaßnahmen gegen Russland auch praktisch zu verhängen. Dies fordern sie in einem jetzt veröffentlichten Brief an den Chef des Weißen Hauses. Der hätte bereits am 1. Oktober neue Sanktionen definieren müssen.

Putin indes wischt die Auswirkungen der Sanktionen bisher immer vom Tisch. Er behauptet sogar, die Sanktionen schadeten vor allem dem Westen selbst, sein Land gehe wegen seiner Strategie einer Import-Substituierung sogar gestärkt aus der Krise. Daran wird nun aus berufenem Mund Zweifel angemeldet: Putins langjähriger Finanzminister Alexej Kudrin, räumte gerade ein, dass die Sanktionen Russland weiter hart träfen – vor allem, was die Höhe der ausländischen Sanktionen angehe.

So hätten diese vor und nach der Wirtschaftskrise jeweils 70 Milliarden Dollar jährlich betragen, in diesem Jahr kämen „vielleicht noch zehn Milliarden“ hinzu, so Putins Wirtschaftsberater. Der Schaden für Russland durch die Strafmaßnahmen des Westens betrage 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts jährlich, 2014 und 2015 sei es jeweils ein Prozent gewesen.

Putin selbst hingegen ließ bei seinem Treffen mit der deutschen Wirtschaft derart negative Fakten weg und beschwor das Positive: Bei Investitionen in Russland sind deutsche Firmen wieder kräftig dabei. Nach 225 Millionen Dollar im gesamten vorigen Jahr sind sie laut Putin in den ersten sechs Monaten 2017 auf bereits 312 Millionen Dollar gestiegen.

Tatsächlich haben sich zuletzt der Gasspezialist Linde, der Handelsriese Metro, der Kfz-Zulieferer Schaeffler, der Autobauer Daimler, der Chemiegigant BASF, die Heizkesselfirma Viessmann, der Elektrokomponentenhersteller Phoenix Contact und der Saatguthersteller Petkus mit großen Investitionen in Russland engagiert. Zum Gespräch mit Putin waren Vertreter der Top-Liga der deutschen Wirtschaft erschienen.

 

Kommentare zu " Putin und die deutsche Wirtschaft: Ziemlich beste Freunde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Erst den Politclown Donald Trump unterstützen - und nun um "Herz und Hirn" der Deutschen "werben"... Putins Strategien sind ja wohl ein Witz!

    Trumps Anti-Deutschland-, Anti-EU- und ganz allgemein Anti-Hirn-Kurs löst weltweit Kopfschütteln aus - besonders auch in Deutschland.

    Das Internet wurde von Putins Trollen mit Big-Bullshit überschwemmt, um den russischen Favouriten Trump an die Macht zu bringen. Solche Desinformations-Künstler haben wir 1990 aus Dresden und ganz Deutschland aber längst rausgeworfen. Mit Putin kommt der kalte Krieg nun zurück. Schön blöde, wer auf Trump-Putin und ihren Krieg gegen die Medien und Krieg gegen die EU hereinfällt.

    Wenn Putin weiter versucht, rechtsradikale Parteien in Europa zu unterstützen, sollte man auch über einen Boykott seiner Fussball-WM nachdenken.

  • Frau Edelgard Kah - 13.10.2017, 11:57 Uhr
    USA und UDSSR - keiner besser!

    USA:
    Juli bis Oktober 1958: Libanon
    Mai 1964: Laos
    1964 bis 1975: Vietnam
    1964 bis 1982: Bolivien
    April bis September 1965: Dominikanische Republik
    März 1970: Kambodscha
    September 1970: Jordanien
    1977 bis 1992: El Salvador
    Ab 1981: Afghanistan
    April 1982: Argentinien
    25. Oktober 1983: Grenada
    14. April 1986: Libyen
    3. Juli 1988: Iran
    Ab 1990 Im Drogenkrieg in Kolumbien
    20. August 1998: Sudan
    November 2001, Operation Enduring Freedom: Afghanistan
    20. März 2003, Operation Iraqi Freedom: Irak
    Frühjahr 2011 – Militärische Luftschläge sowie Marineeinsätze mit Marschflugkörpern gegen Libyen
    UDSSR/Russland:
    1953: Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 in der DDR
    1956: Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands
    1956: Unterstützung arabischer sozialistischer Länder in der Sueskrise durch Waffenlieferungen und Militärberater
    1968: Niederschlagung des Prager Frühlings
    1969: Chinesisch-Sowjetischer Grenzkrieg
    1974–1991: Militärische Unterstützung des kommunistischen Regimes im äthiopischen Bürgerkrieg
    1975–2002: Unterstützung der MLPA im angolanischen Bürgerkrieg
    1977–1978: Unterstützung Äthiopiens im Ogadenkrieg gegen Somalia
    1979–1989: Militärintervention in den Afghanischen Bürgerkrieg
    1991–1992: Militärisches Eingreifen in den Georgisch-Südossetischen Krieg
    1992: Konflikt im Distrikt Ost-Prigorodny in Nordossetien
    1992: Militärintervention in den Transnistrien-Konflikt:
    1992–1997: Militäreingriff in den Bürgerkrieg in Tadschikistan
    1992–1993: Unterstützung abchasischer Freischärler im Georgisch-Abchasischen Krieg
    1994–1996: Erster Tschetschenienkrieg
    1999–2009: Zweiter Tschetschenienkrieg
    1999: Dagestankrieg
    1999–2003: Vorstoß nach Priština,
    2008: Militäreinsatz im Kaukasuskrieg auf der Seite südossetischer Rebellen
    2014: Invasion und nachfolgende Annexion der Krim
    Seit 2014: Militärische Unterstützung der prorussischen Kräfte im Krieg in der Ostukraine (von Russland abgestritten

  • Wenn man nicht nur Geschichtsbücher aus der ehemaligen DDR gelesen hätte, wüßte man, daß Deutschland (oder Preußen, oder die KUK-Monarchie, oder weitere deutsche Fürstentümer usw.) wirtschaftliche und politische Beziehungen zu Rußland hatte und pflegte. Übertrieben könnte ich behaupten, bevor überhaupt Amerika entdeckt wurde, hatte man wirtschaftliche Beziehungen.
    Die Fugger, Thurn + Taxis, die Hanse usw.
    Schlecht wurde es erst, als Frau Merkel b l i n d den Amerikanern hinterher lief
    und wieder alles b e s s e r wußte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%