Putin und Erdogan
Das Treffen der bösen Buben

Weder auf Putin noch auf Erdogan ist der Westen gerade gut zu sprechen. Nun besucht der russische Präsident die Türkei. Es geht um Energieprojekte, den Ausbau des bilateralen Handels – und eine echte Männerfreundschaft.
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AthenErdogan und Putin: Diese beiden Präsidenten können miteinander, das wusste man schon vor der herzlichen Begrüßung in Ankara. Gewiss, es gibt Meinungsverschiedenheiten zwischen der Türkei und Russland. In der Syrienpolitik gehen die Ansichten beispielsweise diametral auseinander.

Während Recep Tayyip Erdogan seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs auf den Sturz des Assad-Regimes hinarbeitet, ist Wladimir Putin der engste Verbündete des Despoten von Damaskus. Ein weiterer Streitpunkt ist Russlands Annektierung der Krim – die Türkei sieht sich als Schutzmacht der türkischstämmigen Krimtataren und ist besorgt um deren Wohlergehen.

Aber Erdogan und Putin sind entschlossen, diese Differenzen auszuklammern. Nichts soll die Männerfreundschaft stören. Schon im Vorfeld wurden die Weichen für einen Erfolg dieses Treffens gestellt: Die Türkei wertete die eintägige Visite, zu der Putin zehn Minister nach Ankara mitbrachte, vom einfachen Arbeitsbesuch zum pompösen Staatsbesuch auf. Das gab Erdogan Gelegenheit, alle Register des Protokolls zu ziehen.

Es ist aber nicht nur eine politische Wesensverwandtschaft, die diese beiden Machtpolitiker miteinander verbindet. Es geht um handfeste Interessen. Russland ist der größte Energielieferant der Türkei. Rund 65 Prozent ihres importierten Erdgases beziehen die Türken aus Russland, womit die Türkei für den Staatskonzern Gazprom der zweitwichtigste Abnehmer im Westen nach Deutschland ist.

Vor allem wegen der Gaslieferungen ist Russland der zweitgrößte Handelspartner der Türkei nach Deutschland. Ankara will zwar unabhängiger von Energieimporten werden, aber auch da hat Russland den Fuß in der Tür: Der Staatskonzern Rosatom baut gegenwärtig für rund 20 Milliarden Dollar das erste türkische Atomkraftwerk bei Akkuyu an der Mittelmeerküste. Rosatom wird den Atommeiler, der sechs Prozent des türkischen Strombedarfs decken soll, auch betreiben.

Kommentare zu " Putin und Erdogan: Das Treffen der bösen Buben"

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  • Die 70000 Soldaten sind zu unserem eigenen Schutz hier, schliesslich bezahlen wir auch dafür. Ebenfalls zu unserem eigenen Schutz wird unser Gold in USA gelagert falls wir eines Tages keinen Schutz mehr brauchen.

  • Wer nicht USA konform handelt ist automatisch böse oder ein Terrorist.

  • Beide Buben sind gewählt, können Sie das von Murksel auch sagen. Schon frech die Überschrift.

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