Putin und sein Comeback
Paria, Partner, Putin

Die russische Wirtschaft ist im freien Fall. Trotzdem gilt Putin in Russland als „Garant der Stabilität“, seine Popularität ist auf einem Allzeithoch. Und auch der Westen findet neuerdings wieder Gefallen am Kreml-Chef.
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MoskauEr gilt zwar als „Garant der Stabilität“ in Russland, doch stabil war dieses Jahr für Präsident Wladimir Putin mitnichten. Der Kremlchef selbst machte dies auf seiner Jahrespressekonferenz mit dem Rückgriff auf einen alten Witz deutlich: Das Leben verlaufe in Strähnen, mal schwarz mal weiß, ließ Putin seinen Protagonisten sagen und fügte hinzu: Immerhin wisse er jetzt, dass die schwarze Strähne aus dem Vorjahr eigentlich eine weiße gewesen sei.

Wirtschaftlich und sozial gesehen ist es für Russland tatsächlich ein schwarzes Jahr – bei tiefroten Zahlen: Erstmals seit Jahren sind die Reallöhne gefallen, die galoppierende Inflation und steigende Arbeitslosigkeit drücken auf das Lebensniveau der Russen.

Der Rückgang von schätzungsweise 3,8 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist die schwerste Krise seit 2009, als das BIP um 7,9 Prozent einbrach. Damals war die globale Finanzkrise der Auslöser, doch diesmal spielen äußere Faktoren nur eine untergeordnete Rolle. Die Weltwirtschaft wächst, das „schwächelnde“ China um immerhin noch 6,9 Prozent.

Der Ölpreis ist drastisch gefallen – der Hauptgrund für das Minus beim BIP und beim Etat, wo das Wirtschaftsministerium mit einem Defizit von drei Prozent rechnet. Doch als Entschuldigung kann das nicht gelten: Seit Jahren predigt die russische Führung die Diversifizierung der eigenen Wirtschaft, um die Abhängigkeit vom Ölpreis zu minimieren.

„Die Rohstofforientierung der Wirtschaft hält an. Die Budgeteinnahmen hängen stark von der Dynamik der Weltmarktpreise für Energieträger ab. Wir verlieren den Wettbewerb auf dem Weltmarkt, der sich mehr und mehr auf innovative Sektoren fokussiert, auf die neue Ökonomie – eine Ökonomie des Wissens und der Technologien“, klagte Putin bereits bei seiner ersten Rede zur Lage der Nation im Juli 2000. Doch noch immer machen fossile Rohstoffe rund 70 Prozent des Exports aus und tragen zur Hälfte des Haushalts bei.

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  • Anmerkung zu Ihrem letzen Absatz.

    Hierbei handelt es sich um eine Vermutung.
    Das in Höcke noch ganz andere Attribute stecken, stellt er ja immer wieder unter Beweis. Diese Attribute sind keineswegs ehrenwert und er ist weit davon entfernt, als Rechtskonservativer auf einer Stufe mit Stauffenberg zu stehen.

    Nochmal, Themen, Wortwahl und seine öffentliche Entwicklung verorten ihn ganz weit rechts. So weit rechts, beginnt nun mal der braune Sumpf. Und das hat überhaupt nichts mit Diffamierungen zu tun. Ich behaupte, Höcke sieht sich genau dort, wo er von vielen (auch den Medien) verortet wird. Wie Sie sagen, der Mann ist ja nicht dumm und weiß wie er verstanden werden will. Diese Mittel hat er ja auch als Lehrer so gelernt. Der Unterschied ist hier allerdings kein Rollentausch, sondern vielmehr scheint der wahre Höcke, seine Maske abzulegen. Im pädagogischen Unterricht ist ihm dies so nicht erlaubt!

  • Kein einziger Zaun auf der Balkanroute löst die Fluchtursachen.

  • Herr Falk,

    ich halte Höcke auch für einen möglicherweise auch überdurchschnittlich intelligenten Menschen.

    Seine Reden und Äußerungen sind in den meisten Fällen gut durchdacht. Er orientiert sich an seinen Manuskripten, wenn er vor größeren Menschenmengen auftritt. Er will polarisieren. Dazu bedient er sich in Wortwahl, Stil, Intonation, Gestik und inhaltlichen Themen einer Epoche, die Deutschland und der Welt viel Leid gebracht hat. Gerade weil er dies wissen sollte und weiß, ist es um so verwunderlicher, dass er alle diese Klischees bedient.
    Das er dabei, was ich nicht beurteilen kann, auch seriöse Themen anspricht, entlastet ihn nicht im Geringsten. Aus meiner Sicht ist er nicht rechtskonservativ. Wenn er dies wäre, würde er eine gewisse Rote Linie nicht überschreiten. Damit ist er für eine wirtschaftsliberale Partei, wie es die AFD vorzugeben versucht, eine Belastung. Petry muss im Grunde genommen im neuen Jahr sofort handeln und die Causa Höcke ein für allemal vom Tisch bringen...

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