Putins Besuch in Deutschland
Die Belastungsprobe

Als Gerhard Schröder noch Kanzler war, blühte die deutsch-russische Männerfreundschaft. Doch jetzt ist alles anders. Denn unter Merkel ist die Stimmung abgekühlt. Ob ein gemeinsamer Messebesuch mit Putin das ändern kann?
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MoskauDas waren noch Zeiten: Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder klettern während der Hannover Messe auf Traktoren und Mähdrescher, sie recken am Stand von Gazprom und BASF einen Bohrkopf in die Höhe, sie scherzen und tuscheln. Acht deutsch-russische Verträge mit Milliardenwert werden unterzeichnet, Pläne für die Ostsee-Pipeline Nord-Stream voran getrieben. Putin lobt die „neue Qualität der Beziehungen“. Kanzler Schröder nennt das Verhältnis „erstklassig“.

Acht Jahre ist das her. Heute ist Russland erneut das Partnerland der weltgrößten Industrieschau. Russland will für mehr Investitionen werben, die seit der Krise in Europa nicht mehr so wie früher ins Land fließen. Ein großes Schaulaufen soll es werden, der größte Auftritt der russischen Wirtschaft bei einer ausländischen Messe. 160 russische Unternehmen sind in Hannover vertreten, darunter Schwergewichte wie Gazprom, Rosneft und die Staatsbahn RSchD. Mit Putin reisen auch Handelsminister Denis Manturow, Wirtschaftsminister Andrej Belousow, Energieminister Alexander Nowak sowie Gouverneure diverser Regionen an.

Am Montagmorgen werden Präsident Putin und Kanzlerin Angela Merkel über die Messe spazieren. So fröhlich wie 2005 mit Gerhard Schröder wird es diesmal nicht zugehen in Hannover. Auch die Vertragsabschlüsse sollen eine Nummer kleiner ausfallen.

Das politische Verhältnis zwischen beiden Partnern ist seit geraumer Zeit angespannt. Daran hat auch das letzte Zusammentreffen während der Regierungskonsultationen im Herbst wenig ändern können. Ausgerechnet kurz vor Beginn der Hannover Messe gab es eine zusätzliche Belastungsprobe: In den vergangenen Wochen erhielten Nichtregierungsorganisationen in Russland Besuch vom Staat, der sich neuerdings sehr genau für die Arbeit der Organisationen interessiert.

Kommentare zu " Putins Besuch in Deutschland: Die Belastungsprobe"

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  • Entschuldigung zu spät geantwortet (bin ich emotional komprimitiert) ? | ManManMan da sagen Sie wat...das ist bei Leibe NICHT (allein) auf meinem Mist gewachsen!! Jedenfalls schmecken auch Kängurus, was aber keinen Unterschied mehr für mich macht :) Ihnen ziehe jedenfalls nicht das Fell über die Ohren (wer bin ich den?) | Andererseits bin ich für Transparenz (nicht verwechseln mit Demokratie) nicht nur in Fragen der allgemeinen Sicherheit (Bargeldlos-Schwarzmarkt/Steuerhinterziehung). Privat klingt für mich nach Porno, wieso auch sollte die bürgerliche Lüge dem ungezwungenen Umgang mit Menschen vorausgehen ? Ich denke aber auch, dass das Verfassungsurteil zum Nicht-Abschuss von entführten Flugzeugen rechtens ist (knapp gewichtet). Was also darf sich der Elefant Merkel im Klashaus Europa alles rausnehmen ? In Russland werden alle kriminellen Minderjährigen (relativ) gleich behandelt, der Taschendieb wie der Mörder kriegen 3-5 Jahre "Erziehungsknast". Finden Sie das nicht auch eher erfrischend menschlich ? Ich meine nur, Sie haben völlig recht mit Ihrem Kommentar. Warum "Putin" gerade Ausländer durchsuchen lässt ? Warum konnte Sarkozy die Roma "deportieren" (Problem gelöst - bravo) ?

  • Das Angela Merkel vor kurzen Putin vorgeworfen hat,Festplatten zu durchsuchen bei Ausländischen Organisationen in Russland ist ja ein Eigentor und sie sollte
    endlich aufhören damit. In Deutschland werden E-;ail Konten,
    Bankkonten durchsucht und durchschnüffelt. Auch von Nicht-Deutschen Organisationen. Das Putin sich das gefallen lässt liegt wohl daran, dass er wohl Angela Merkel mag.
    Einer der sonst Tiger zum Frückstück verspeist.?

  • Russland ist noch ein Elfenbeinturm der Zaren und Oligarchen, selbst nach dem Kommunismus. Die gesellschaftlichen Entwicklungen sind nicht überall auf der Welt gleichschnell, Putin wird sich mit seinem Kremel nach und nach die Rosinen der verpassten kapitalistischen Entwicklungen herauspicken und Russland kann danach auch nach einem Sozialsystem greifen, wie es der europäische Nachbar der weilst installiert hat(te). Russland ist nach wie vor der gescheiterte Rest eines kommunistischen Systems darüber hinaus mit atomarer Verantwortung belastet, und aus dieser Position verstehe ich menschen-rechtliche Unzulänglichkeiten aus einem stark relativierenden Blickwinkel. Russland braucht Europa nicht um wirtschaftlich zu wachsen, aber Putin sehnt sich nach Verantwortungsübertragung, unabhängige Gerichte und freie Meinungsäußerung so wie ein hungriger misstrauischer Kojote der Beute eines Tigers nachstellt. Aber als cleverer KGB Politiker lässt er sich das natürlich nicht anmerken. Ich sehe in Putin-san eher einen Tropfen auf den heißen Stein im Sinne der kommunistisch-kapitalistischen Wunde Russlands. Das Putin keine Kontrolle über den KGB hat zeigt sich daran, das dieser mit Plutonium mordet. Putin weiß was Tschernobyl bedeutet und würde sich zu dieser Ignoranz selbst bei 2 Flaschen Wodka nicht herablassen.

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