Putsch
Ägyptens Militär erobert die Macht zurück

Die ägyptische Armee hat Präsident Mursi gestürzt. Hochrangige Mitglieder der Muslimbrüderschaft wurden festgenommen. Nun hält der Ex-Chef des Militärgeheimdienst, Abdel Fattah al-Sisi, alle Fäden in der Hand.
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Istanbul/KairoNach der Absetzung des bisherigen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi versucht die Armee, den Widerstand der islamistischen Muslimbrüder gegen ihre Entmachtung im Keim zu ersticken. Nach übereinstimmenden Angaben aus Sicherheitskreisen und der Partei der Muslimbruderschaft "Freiheit und Gerechtigkeit" wurden Parteichef Saad el-Katatni sowie einer der Vize-Chefs der Bruderschaft, Raschad al-Bajumi, in der Nacht zum Donnerstag verhaftet.

Der Zeitung al-Ahram zufolge wurden Haftbefehle gegen insgesamt 300 Mitglieder Bruderschaft ausgestellt. Auch die staatliche Nachrichtenagentur Mena meldete, die Sicherheitskräfte seien dabei, eine Reihe von Funktionären der islamistischen Partei zu verhaften, die zu Gewalt aufgerufen hätten und die "öffentliche Sicherheit und Frieden" gefährdeten.

Auch der entmachtete Staatsschef selbst befindet sich in Gewahrsam der Armee. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wird er in einem Gebäude des Militärgeheimdienstes festgehalten. Ein Sprecher der Mursi nahestehenden Muslimbruderschaft erklärte, mit dem gestürzten Präsidenten sei auch einer seiner wichtigsten Berater, Essam al-Haddad, festgesetzt worden.

Soldaten drangen auch in das Kairoer Studio des Senders al-Dschasira ein und nahmen nach Angaben von Journalisten des Senders fünf Mitarbeiter fest. Die Berichterstattung des von Kritikern als islamisten-nah beschriebenen Senders über eine Pro-Mursi-Demonstration sei unterbunden und die Berichterstatter vor Ort ebenfalls verhaftet worden.
Die Armee hob auch die von den Islamisten ausgearbeitete Verfassung auf. Der neue starke Mann in Ägypten ist Militärchef Abdel Fattah al-Sisi. Er kündigte die Bildung eines Gremiums an, das Verfassung überarbeiten soll. Auch ein Gesetz über die Abhaltung von Parlamentswahlen werde erarbeitet. Mit seiner Entscheidung setzte das Militär nach nur einem Jahr die gewählte Regierung Ägyptens ab. „Die Armee will nicht an der Macht bleiben“, versicherte indes Al-Sisi.

Oppositionsführer und Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei erklärte, die Ankündigung des Armeechefs entspreche den Forderungen des Volkes nach Neuwahlen. ElBaradei sowie der koptische Patriarch Tawadros II. und der Imam der Kairoer Al-Azhar-Universität saßen neben al-Sissi, als dieser im Fernsehen die Entmachtung Mursis verkündete. Dies sollte eine breite Unterstützung für die Entscheidungen der Armee signalisieren.

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Al-Sisi steht für alte Militärgarde

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  • Ein guter Tag für Ägypten. Es wurde so viel Blutvergießen und eine Spaltung der Gesellschaft auf Jahrzehnte verhindert . Siehe Syrien. Das Militär war auf der Seite des Volkes. So kann Ägypten nochmals einen demokratischen Anfang schaffen. Herr Mursi war doch schon lange kein Demokrat mehr. Was soll denn der ständige Hinweis auf "ursprünglich demokratisch" gewählt. Er hat doch den Pfad der Tugend verlassen und das war die logische und einzig "alternativlose" Lösung. Ich wünsche dem Ägyptischen Volk nun eine hohe Sensibilität im Umgang mit dem politisch jeweils anders Denkenkenden, um einen erfolgreichen demokratischen Weg bestreiten zu können.

  • wow, endlich wird der Ami-Wahn im Mittelmeer Raum gestoppt.

    Zuerst waren die frechen Türken an der Reihe, denn immer nur gegen Assad zu stänkern und dort einen Krieg gegen Syrien anzetteln zu wollen, war echt ekelhaft.

    Nun also auch Ägypten, wo endlich wieder Ordnung zurück kommt.

    Ich freue mich, denn der Ami wollte ja Chaos im arabischen Lager, damit die sich dort selbst zerfleischen und er dann das Öl zum Nulltarif bekommt.

    Ich sage nur : Guatanamo, Vientnam, Afganistan

  • @ Vandale

    haben Sie nicht den 4. Machtblock, der eigentlich der erste ist, nämlich die USA, vergessen?

    Was wäre denn das Militär ohne die ständige Blutzufuhr aus den Vereinigten Staaten?

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