Putsch gegen Regierung
Militär ergreift die Macht in Thailand

Die Versöhnungsgespräche zwischen den zerstrittenen politischen Lagern in Thailand sind gescheitert. Jetzt hat das Militär die Kontrolle über die Regierung übernommen. Die Reformen seien nun Sache der Streitkräfte.
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BangkokNach einer monatelangen Dauerkrise hat das Militär in Thailand am Donnerstag mit einem Putsch die Macht an sich gerissen. Dieser Schritt sei nötig, damit das Land „rasch zur Normalität zurückfindet“, sagte Armeechef Prayut Chan-o-Cha in einer Fernsehansprache. Zuvor waren Verhandlungen mit Vertretern von Regierung, Opposition und Protestgruppen unter militärischer Vermittlung gescheitert. Die Armee verhängte eine landesweite nächtliche Ausgangssperre.

Die Macht werde vom Nationalen Friedenskomitee übernommen, bestehend aus den „bewaffneten thailändischen Streitkräften, der Königlichen Luftwaffe und der Polizei“, sagte der Armeechef in seiner kurzen Ansprache, umringt von vier ranghohen Militärs. Er selbst werde das Komitee leiten. Die Machtübernahme sei angesichts der „Gewalt in Bangkok und vielen anderen Teilen des Landes“ nötig, durch die unschuldige Menschen gestorben und Eigentum zerstört worden seien.

Prayut rief die Thailänder zur Zurückhaltung auf und sagte, auch sämtliche Regierungsbeamte sollten ihre Arbeit „normal fortsetzen“. Wie lange das Militär nun die Geschicke des Landes bestimmen will, dazu äußerte sich der General nicht, er kündigte aber „politische Reformen“ an. Die Bürger des Landes wurden mit einer nächtlichen Ausgangssperre belegt, die landesweit zwischen 22.00 Uhr und 05.00 Uhr morgens gelten soll.

Die Armee wies außerdem alle Radio- und Fernsehanstalten des Landes an, ihr normales Programm zu unterbrechen und nur noch Sendungen des Militärs zu auszustrahlen. Das Volk müsse fortlaufend mit den wichtigen Neuigkeiten versorgt werden, sagte ein Militärsprecher zur Begründung. Die Demonstranten wurden angewiesen, nach Hause zu gehen.

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Status der Militärherrschaft

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  • Das dürfen Sie aber so nicht sagen. Schliesslich sind nach hiesiger gleichgeschalteter Mediendoktrin die (westlichen) Demokraten immer die Guten, und die Anderen die Bösen. Komplexeren Sachverhalten kann der Einheitsmedienabgestumpfte Michel nicht mehr folgen

  • Als seit vielen Jahren regelmäßiger Besucher Thailands und unzähligen Gesprächen mit allen politischen Lagern in Thailand, glaube ich auch, dass dieser Schritt (leider) notwendig war.
    .
    Auch denke ich, dass es schon sehr bald wieder zu einer Neuwahl des Parlaments kommen wird, denn das Militär sowie das Königshaus kennen die Risiken, wenn für lange Zeit unklare demokratische Verhältnisse herrschen.

  • Apropos Panik!

    Gerade bin ich auf einen Blog-Beitrag gestoßen, daß Reaktor4 in Fukushima explodiert sei. Vielleicht könnte die HB-Redaktion ja mal recherchieren, ob an dieser Sache etwas dran ist. Könnte ja möglicherweise zu Eurem Aufgabenfeld gehören. Ich meine doch, einige Leser könnten solche Nebensächlichkeiten ganz interessant finden.

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