Putsch in Simbabwe
Nach Mugabe ist vor der Zukunft

Das Militär hat Simbabwe nach dem Putsch fest im Griff. Doch die Generäle schweigen. Sie verhandeln heimlich über die Zukunft des Landes. Die Opposition scharrt mit den Hufen – es herrscht vorsichtiger Optimismus.
  • 0

HarareEs herrscht Euphorie in den Straßen von Harare. Demonstranten fordern den Rücktritt des greisen Präsidenten Robert Mugabe. Wohl selten hat ein Militärputsch so viel Jubel und Freude ausgelöst: Der Protestmarsch am Samstag hat sich in ein Volksfest verwandelt. Plakate mit der Aufschrift „Es reicht: Mugabe muss weg“ waren überall in den Straßen der Hauptstadt Harare zu sehen - wo die Menschen noch vor einer Woche aus Angst vor Festnahmen nie so offen gegen den seit 1980 amtierenden Mugabe zu protestieren gewagt hätten. Auch in Bulawayo und anderen Städten des Landes wurde protestiert, genauso vor simbabwischen Konsulaten im Ausland, etwa im südafrikanischen Johannesburg.

„Wir sind hier, weil wir feiern. Wir wollen einfach, dass Mugabe jetzt abtritt“, sagte ein arbeitsloser Demonstrant. „Wir danken den Generälen“, fügte der 35-Jährige hinzu, der in seinem Leben nie einen anderen Präsidenten als Mugabe kennengelernt hat. „Wir wollen ein neues Simbabwe“, sagte eine 50 Jahre alte weiße Demonstrantin. Wie zahllose andere hatte sie sich für den Protestmarsch in Simbabwes farbenfrohe Landesfahne gehüllt. „Wir wollen, dass nun alle Simbabwer zusammenkommen und das Land wieder auf Kurs bringen“, sagte sie. An der nach dem Präsidenten benannten Straße in Harare rissen Demonstranten mehrere Straßenschilder herunter.

„Bye, bye Mugabe“ hieß es auf einem Plakat, auf anderen stand „Mugabe: Zeit für den Ruhestand“ oder „Schluss mit der Korruption“. Weiß, schwarz, alt, jung, Akademiker, Arbeitslose und Obstverkäufer - die Straßen der Hauptstadt Harare hatten zuvor selten eine Demonstration gesehen, die so sehr einem repräsentativen Spiegel aller Gesellschaftsschichten und politischen Neigungen entsprach. Zu der Demonstration hatten sowohl Teile der Regierungspartei als auch die Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen.

Das Militär hatte die Demonstration ausdrücklich genehmigt. Zahlreiche Demonstranten hielten auch Plakate zur Unterstützung von Mnangagwa hoch, bekannt unter seinem Spitznamen das „Krokodil“. Er scheint der Favorit des Militärs zu sein. Der 75-Jährige gehört wie Mugabe seit Jahrzehnten zur politischen Elite des Landes. Manche Beobachter befürchten daher, dass sich die Hoffnung vieler Demonstranten auf einen kompletten Neustart in Simbabwe wohl kaum erfüllen wird.

Zur Zahl der Demonstranten gab es zunächst keine offiziellen Schätzungen, Fotos und Videos zeigten jedoch in verschiedenen Stadtteilen Harares Hunderte, teils Tausende Menschen. Drei Reporter der Deutschen Presse-Agentur schätzen die Zahl der Demonstranten auf mehrere Zehntausend Menschen.

Die Soldaten vor dem Parlament in der Hauptstadt sitzen entspannt auf ihren gepanzerten Fahrzeugen, manche winken sogar vorbeifahrenden Passanten. Einer lehnt sich bequem auf die Ecke des Fahrzeugs, seine Maschinenpistole liegt lässig auf der Karosserie vor ihm. Kaum etwas deutet am Donnerstag darauf hin, dass der Militärputsch vom Vortag den größten Umbruch in Simbabwe seit der Unabhängigkeit von Großbritannien eingeleitet hat.

Seite 1:

Nach Mugabe ist vor der Zukunft

Seite 2:

„Der Putsch war eine notwendige Maßnahme“

Kommentare zu " Putsch in Simbabwe: Nach Mugabe ist vor der Zukunft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%