Putschversuch
Erdogan reizt Washington

Der türkische Präsident Erdogan macht Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich und fordert von den USA dessen Auslieferung. Damit sorgt er für Irritationen in Washington.

WashingtonNach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei wachsen die Spannungen in den Beziehungen zu den USA. Der amerikanische Präsident Barack Obama rief den Nato-Partner zur Zurückhaltung und Befolgung der Gesetze auf im Kampf gegen die Umstürzler. Außenminister John Kerry warnte seinen türkischen Amtskollegen Mevlut Cavosoglu vor einem Schaden für das Verhältnis zwischen beiden Ländern.

Kerry wandte sich am Samstag gegen angebliche Unterstellungen in der Türkei, die USA seien in den fehlgeschlagenen Staatsstreich involviert. "Er machte deutlich, dass die Vereinigten Staaten bereit seien, die türkischen Behörden bei der Untersuchung zu unterstützen, aber dass öffentliche Andeutungen oder Behauptungen über jedwede Beteiligung der Vereinigten Staaten an dem gescheiterten Putschversuch völlig falsch und schädlich für unsere bilateralen Beziehungen sind", erklärte das US-Außenministerium. Zur Belastungsprobe wird insbesondere der in Amerika lebende Geistliche Fethullah Gülen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft seinem Erzfeind vor, dieser stehe hinter dem Umsturzversuch von Teilen des Militärs, bei dem nach offiziellen Angaben 265 Menschen ums Leben kamen, darunter 161 Zivilisten und Polizisten. Gülen hat dies zurückgewiesen und das Putschvorhaben verurteilt.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, jedes Land, das Gülen unterstütze, werde als im Kriegszustand mit der Türkei betrachtet. Erdogan forderte die Regierung in Washington zur Auslieferung Gülens auf. Kerry erklärte, die USA seien bereit, der Türkei dabei zu helfen, die Verantwortlichen für den Putschversuch ausfindig zu machen. Die Vereinigten Staaten würden aber nur dann Maßnahmen ergreifen, wenn es Beweise gegen Gülen gebe.

Der gescheiterte Staatsstreich erschwert die von den USA angeführten Angriffe gegen die Extremistenmiliz IS in Syrien. Die Türkei schloss ihren Luftraum für Militärflugzeuge. Daher konnte die US-Luftwaffe von der türkischen Basis Incirlik aus keine Maschinen starten. In Incirlik sind auch rund 250 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr startet von dort zu Aufklärungs- und Tankflügen im Kampf gegen den IS.

Die Beziehungen der Türkei zu den USA haben sich in letzter Zeit verschlechtert. Hintergrund sind unter anderem Erdogans zunehmend autoritärer Herrschaftsstil sowie die türkische Unterstützung für islamistische Oppositionsgruppen in Syrien.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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