Racheakte befürchtet
CIA vernichtet aus Angst Verhör-Mitschnitte

Bristante Berichte aus den USA: Der US-Geheimdienst CIA hat nach US-Medienberichten Videomitschnitte von Verhören mutmaßlicher El-Kaida-Terroristen vernichtet. Die Familien der Agenten sollen vor eventuellen Racheakten geschützt werden. Denn die Verhörmethoden der Amerikaner schockieren.

HB WASHINGTON. Auf den Mitschnitten sind den Berichten zufolge Verhöre von mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen zu sehen, bei denen auch harte Methoden angewandt wurden. Die Aufnahmen seien 2005 vernichtet worden, teilte Geheimdienstchef Michael Hayden den CIA-Mitarbeitern in einem Schreiben mit, berichteten CNN und die „New York Times“. Die Aufzeichnungen stammten den Berichten zufolge aus dem Jahr 2002.

Laut "New York Times" erklärte Hayden seinen Mitarbeitern in einer Stellungnahme zudem, die Entscheidung zur Zerstörung der Tapes sei "innerhalb der CIA" getroffen worden, um die Undercover-Agenten zu schützen. Die Aufnahmen stellten ein "Sicherheitsrisiko" für die Kollegen dar, da sie und ihre Familien bei einer Veröffentlichung der Bilder Racheakte von El Kaida und ihrer Sympathisanten hätten befürchten müsssen.

Die Berichte über die zerstörten Aufnahmen dürften die Debatte um die Methoden der CIA erneut anheizen. Der Geheimdienst-Ausschuss im Senat kündigte umgehend eine Untersuchung an. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nannte die Vernichtung der Bänder illegal.

Hayden erklärte, die Vorsitzenden der Geheimdienst-Ausschüsse sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus seien über die Existenz der Aufnahmen und die Pläne, sie zu vernichten, informiert gewesen. Ein interner CIA-Ausschuss habe 2003 erklärt, dass die Verhörmethoden gesetzeskonform gewesen seien. Der Geheimdienst hat seit den Anschlägen vom 11. September 2001 beim Verhör von drei Häftlingen sogenanntes Waterboarding eingesetzt, bei dem die Betroffenen das Gefühl haben, zu ertrinken.

Jane Harman, die 2003 dem Geheimdienstausschuss im Repräsentantenhaus angehörte, war eine von insgesamt vier Kongressmitgliedern, die von den Aufnahmen und ihrer geplanten Zerstörung wussten. Sie habe die CIA schriftlich aufgefordert, die Bänder nicht zu vernichten, erklärte Harman. Dass sie dann tatsächlich beseitigt wurden, wurde den Abgeordneten nicht mitgeteilt. Der Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses im Senat, Jay Rockefeller, erklärte, das Gremium habe erst im November 2006 davon erfahren.

Nach Angaben von US-Präsident George W. Bush zeichnete die CIA die Verhöre von zwei Terrorverdächtigen auf, darunter Abu Zubaydah, der auf heftigen Druck hin von dem als 9/11-Terrorhelfer betrachteten Ramzi Binalshibh berichtete. Binalshibh wurde festgenommen und ebenfalls verhört. Informationen von Zubaydah führten außerdem zur Festnahme von Khalid Sheikh Mohammed, der als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September gilt.

Ein Bezirksgericht hatte die US-Regierung im Mai 2005 aufgefordert, klarzustellen, ob Verhöre von Terrorverdächtigen aufgezeichnet wurden. Als sich Washington weigerte, forderte Richterin Leonie Brinkema im November 2005 gezielt eine Aussage dazu, ob es Video- oder Audioaufnahmen von den Verhören bestimmter namentlich genannter Verdächtiger gebe. Die Regierung erklärte elf Tage später, solche Aufzeichnungen gebe es nicht.

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