Radikale Lösung
Briten planen Strafsteuer für Banker-Boni

Nach Wochen harter Auseinandersetzungen um milliardenschwere Banker-Boni denkt Großbritanniens Labour-Regierung über eine radikale Lösung nach: Die Zusatzzahlungen an Finanzmanager sollen in diesem Jahr einfach wegbesteuert werden. Käme Finanzminister Alistair Darling damit durch, wäre das die bislang radikalste Maßnahme gegen die Bonuskultur der Banken in einem großen Industrieland.
  • 0

LONDON. Noch sei keine endgültige Entscheidung getroffen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach werde Darling am Mittwoch bei der Vorstellung seines Haushaltsentwurfes für das kommende Jahr eine entsprechende Regelung präsentieren, heißt es aus Regierungskreisen.

Aus der Londoner City kommen denn auch bereits wütende Proteste gegen Darlings Pläne. Die British Bankers Association warnt, dass der Finanzminister die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes London grob fahrlässig aufs Spiel setze.

Sechs Milliarden Pfund Boni

Viele in London ansässige Banken und Vermögensverwalter haben sich nach dem Beinahekollaps des Finanzsystems im vergangenen Jahr rasant erholt und verdienen wieder gutes Geld. Der Londoner Think Tank Centre for Economics and Business Research geht davon aus, dass die Geldhäuser für die vergangenen zwölf Monate sechs Mrd. Pfund an Boni an ihre Mitarbeiter ausschütten werden; das wären 50 Prozent mehr als im Krisenjahr 2008.

Diese Prognosen lösten einen heftigen politischen Streit aus, der noch an Heftigkeit gewann, als der britische Rechnungshof eine erste Hochrechnung für die Kosten der Rettung des Finanzsystems hat. Demnach mussten die Steuerzahler bislang 850 Mrd. Pfund für Eigenkapitalhilfen, Garantien und Bürgschaften für den Finanzsektor ausgeben.

Darling argumentiert, dass selbst die Institute, die ohne direkte Kapitalspritzen des Staates ausgekommen sind, von Garantien und Liquiditätshilfen profitiert hätten. Es könne nicht angehen, dass der Steuerzahler die Kosten für die Rettung des Finanzsystems übernehme, die Banker aber die Belohnung einstreichen.

Seite 1:

Briten planen Strafsteuer für Banker-Boni

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Kommentare zu " Radikale Lösung: Briten planen Strafsteuer für Banker-Boni"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%