Radikale Reform geplant
EU will Weinberge roden

Die EU droht wegen Überproduktion in einem „Weinsee“ zu ertrinken. Deshalb will Brüssel radikal gegensteuern und mehr auf Qualität setzen. Derzeit werden überschüssige Trauben zu Industrie-Alkohol vergoren und das mit rund einer halben Milliarde Euro EU-Subventionen.

HB BRÜSSEL. Zudem sollen Weinberge gerodet werden. „Wir bewegen uns in eine Krise“, sagte EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer Boel am Donnerstag in Brüssel. Der Verbrauch sinke: „Die Branche hat es versäumt, junge Konsumenten zu gewinnen.“

Die dänische Kommissarin macht der Branche und den EU-Staaten zunächst unverbindliche Vorschläge, um der Krise zu begegnen. Im Januar kommenden Jahres will sie dann einen konkreten Gesetzesvorschlag vorlegen. Es wird dann die Aufgabe von Agrarminister Horst Seehofer sein, in der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 die Verhandlungen unter den EU-Staaten zu führen. Es stehen schwierige Debatten an.

Fischer Boel will das jährliche europäische EU-Weinbudget von rund 1,2 Mrd. Euro nicht vermindern, sondern besser verteilen. Bisher fließt pro Jahr etwa eine halbe Milliarde Euro in die Destillierung von überschüssigem Wein zu Alkohol. „Das ist für den Steuerzahler nicht mehr hinnehmbar“, sagte die Kommissarin. Sie will - gestreckt über fünf Jahre - 2,4 Mrd. Euro für eine freiwillige Rodung von 400 000 Hektar Weinbergen ausgeben; dies soll auch ein Anreiz für nicht wettbewerbsfähige Winzer zur Aufgabe ihres Berufes sein.

Die zunehmenden Einfuhren von Wein aus Übersee machen Brüssel erhebliche Sorgen. Schon in wenigen Jahren droht ein Überschuss in der EU-Produktion von 15 Prozent. Fischer Boel setzt auch auf eine einfachere und damit besser verständliche Etikettierung von europäischen Weinen. Dazu würde es gehören, bei preiswertem Wein ohne besondere geografische Angabe die Rebsorte wie beispielsweise Riesling zu nennen, was bisher verboten ist.

Die EU ist weltweit der größte Weinproduzent. Mit einem Anteil von knapp einem Drittel des Wertes ist Frankreich der wichtigste Erzeuger, gefolgt von Italien. Deutschland kommt laut EU-Statistik mit einer Produktion von 1,1 Mrd. Euro fast an den Branchendritten Spanien heran, der für 1,2 Mrd. Euro im Jahr produziert. Spanien keltert allerdings vier Mal soviel Wein wie Deutschland.

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