„Radikalisierte Einzeltäter“
Bin-Laden-Tod schürt Angst vor neuen Terrorattacken

Osama bin Laden ist tot. Doch der Terror ist damit nach Einschätzung von Politikern und Experten noch lange nicht besiegt. Im Gegenteil: Sie rechnen mit Vergeltungsschlägen des Terrornetzwerks Al Kaida.
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Berlin

Nach dem Tod Osama bin Ladens wächst die Angst vor Vergeltungsschlägen des Terrornetzwerks Al Kaida. "Radikalisierte Einzeltäter und auch Untergliederungen der Al Kaida könnten gerade dadurch motiviert werden, Anschläge zu verüben", sagte der Innenministers von Niedersachsen, Uwe Schünemann (CDU), Handelsblatt Online. "Wir werden weiterhin wachsam bleiben." Wie Schünemann sagte, sei mit dem Tod bin Ladens als Symbolfigur des Terrors ein bedeutender Schlag gegen Al Kaida gelungen. "Die erfolgreiche Militäroperation des gestrigen Tages schwächt dieses Terror-Netzwerk deutlich. Dazu gratuliere ich den Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten."

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erklärte, es gebe bisher keine Hinweise, dass sich nach dem Tod bin Ladens die Sicherheitslage in Deutschland verschärft hat. Er gehe zudem davon aus, dass mit dem Ende dieser terroristischen Symbolfigur mittel- und langfristig der internationale Terrorismus eine Schwächung erfahre, sagte Friedrich in München unmittelbar vor der Abreise in die USA. Dort wolle er mit seinen Gesprächspartnern auch über den internationalen Terrorismus reden. Er könne gleichwohl keine Entwarnung geben, sagte Friedrich. Vielmehr seien die internationale Zusammenarbeit sowie internationale Netzwerke gegen den Terrorismus weiterhin notwendig. Auch die Wachsamkeit der Bürger sei gefordert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) riefen am Montag zu fortgesetzter Wachsamkeit auf. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, schloss nicht aus, "dass die verschiedenen Terrornetzwerke den Tod bin Ladens rächen wollen". Damit erhält die Diskussion um eine mögliche Verlängerung der Anti-Terror-Gesetze in Deutschland neue Nahrung.

Merkel warnte vor Nachlässigkeit. Die "Kräfte des Friedens" hätten einen Erfolg errungen, besiegt sei der internationale Terrorismus damit allerdings noch nicht. "Wir alle werden wachsam bleiben müssen", sagte sie. Zugleich äußerte sie sich erleichtert über den Tod bin Ladens. Dieser sei verantwortlich gewesen für den Tod tausender unschuldiger Menschen.

Westerwelle schloss nicht aus, dass Vergeltungsschläge der Terroristen drohen könnten. Eine wehrhafte Demokratie sei deshalb umso wichtiger. "Wir müssen weiter wachsam sein", sagte er. Auch am Afghanistaneinsatz der Bundeswehr hält Westerwelle fest. Ziel sei es, zu verhindern, dass dort wieder ein Rückzugsgebiet für Terrorismus entstehe. Das diene auch direkt dem Schutz der Bürger in Deutschland.

Ein Ideologe der Al Kaida und die Taliban kündigten inzwischen Vergeltung für die Tötung bin Ladens an. Führende pakistanische Politiker, an ihrer Spitze Präsident Asif Ali Zardari, und das Militär würden als erste angegriffen, sagte ein Sprecher der pakistanischen Taliban der Nachrichtenagentur Reuters am Montag am Telefon. An zweiter Stelle stünden die USA. Der Al-Kaida-Kommentator, der sich im Netz "Assad al-Jihad2" nennt, veröffentlichte auf extremistischen Webseiten einen langen Nachruf auf bin Laden und versprach, "die Tötung des Scheichs des Islams zu rächen". Jeder, der glaube, dass der Dschihad beendet sei, müsse nur "ein bisschen warten". Militante Webseiten veröffentlichen regelmäßig lange Interviews mit al-Jihad2 über den sogenannten "Heiligen Krieg", oft äußert er sich auch zu Streitfragen der Glaubenslehre. Die Stellungnahme von al-Jihad2 war die erste vonseiten der Al Kaida, in der das Terrornetzwerk den Tod bin Ladens einräumt.

Nach fast zehnjähriger Jagd hatten US-Spezialkräfte bin Laden getötet. "Der Gerechtigkeit wurde Genüge getan", gab US-Präsident Barack Obama in der Nacht zum Montag den Tod des Drahtziehers der Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York und das Pentagon bei Washington bekannt. Bei den Anschlägen starben an die 3000 Menschen. Die Kommandoeinheit habe den Gründer des islamischen Extremistengruppe in einem Versteck 60 Kilometer nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad aufgespürt und getötet. US-Bürger seien bei dem Einsatz nicht getötet worden. In Washington und New York bejubelten Tausende den Tod bin Ladens.

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  • Es gibt hierzulande keine andere akzeptierte Zeitung, wo man so herzerfrischend aufgeklärte Kommentare lesen darf.

    Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Das Handelsblatt ist und bleibt die letzte Bastion der Aufklärug in Deutschand. Bravo!

  • So eine Schmierenkomödie um Bin Laden.
    Die ganzen damit verbundenen Lügen kann man garnicht aufzählen.......
    Und trotzden glauben immer noch sehr viele Menschen diesen ganzen Schwachsinn welchen ihnen die Politikaffen und die Medienhuren vorsetzen.......
    Armselig geht die Welt zugrunde......

  • Allen gängigen "Apparaten" und Hilfestellung auch bei der "Bundeswehrreform". Leider steht man ganz oben noch vor der Frage, "wie sage ich es meinem Kinde", was die Ausweitung des diktatorischen Instrumentariums anlangt... Der "Mann mit den bösen Augen" ist ganz schnell zurückgerudert, als er sich hinsichtlich der "unumkerbaren" Vorhaben geäußert hatte...

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