Rätsel um den Gesundheitszustand des Präsidenten
Palästinenser planen ohne Arafat

Die palästinensischen Politiker in Ramallah stellen sich auf den Beginn einer neuen Ära ein – auch wenn der Gesundheitszustandes von Palästinenserführer Jassir Arafat angeblich nicht mehr lebensbedrohlich ist. Selbst wenn Arafat zurückkommen sollte, „wird er Geschichte sein“, sagte ein Beobachter in Gaza.

TEL AVIV/RAMALLAH. Während der Abwesenheit Arafats ist Mahmoud Abbas der wichtigste palästinensische Politiker, weil er Arafats Stellvertreter in der Palästinensischen Befreiungsbewegung PLO ist. Die PLO – und nicht die Autonomiebehörde – fällt alle politischen Entscheidungen. Die Autonomiebehörde, der Premier Ahmed Kureia vorsteht, ist der PLO unterstellt. Erstmals diskutieren jetzt palästinensische Institutionen offen die Nachfolgefrage. Auch wenn Arafats Stuhl leer bleibt, finden Sitzungen „wie geplant statt, um die Bevölkerung zu beruhigen“, sagt ein Beobachter in Ramallah. Gestern tagte unter dem Vorsitz von Kureia der Nationale Sicherheitsrat.

Inzwischen zirkulieren widersprüchliche Meldungen über den Gesundheitszustand Arafats. Er sei geistig nicht mehr in der Lage, Entscheidungen zu treffen, sagten gestern palästinensische Quellen. Dagegen hält der israelische Geheimdienstchef Ahron Zeevi Farkasch dank der Behandlung durch die französischen Ärzte eine „völlige Genesung“ Arafats nicht für völlig ausgeschlossen. „Die letzten Tests ergaben, dass er nicht an einer lebensbedrohenden Krankheit leidet und dass er heilbar ist“, sagte am Sonntag Arafats engster Berater, Nabil Abu Rudeina. Er dementierte insbesondere das Gerücht, wonach Arafat an Leukämie leide. In Palästinenserkreisen interpretiert man die Beruhigungen des Arafat-Vertrauten auch als Mahnung, „Arafat nicht zu beerben, bevor er tot ist.“ Das Gesundheitsbulletin der französischen Ärzte wird für Mittwoch erwartet.

Der 75-Jährige war am Freitag über Jordanien nach Frankreich zur Behandlung ausgeflogen worden. Arafat hatte seiner Ausreise erst zugestimmt, nachdem Israels Ministerpräsident Ariel Scharon sich einverstanden erklärt hatte, Arafat wieder einreisen zu lassen. Er werde es aber nicht zulassen, dass Arafat auf dem Tempelberg beigesetzt werde, sagte Scharon.

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