Rätselraten über den künftigen politischen Kurs des russischen Päsidenten
Putin sitzt zwischen den Stühlen

„Putin ist eine Frage des Vertrauens – und ich vertraue ihm.“ So einfach bringt Russlands junger Stahlbaron Alexej Mordaschow sein Verhältnis zum russischen Präsidenten auf den Punkt. „Unser Land braucht einen starken Staat, eine harte Hand, die Regulierungsmechanismen etabliert“, sagt der Unternehmer, der laut „Forbes“ mit einem Vermögen von 3,5 Mrd. $ an siebter Stelle der reichsten Russen rangiert

MOSKAU. Nach der Ära des Niedergangs unter Boris Jelzin jetzt also der Aufstieg unter Wladimir Putin. Nach seinen ersten vier Jahren im Präsidentenamt ist der Staat wieder so stark wie zu Sowjetzeiten. Heute wird Putin mit allem Pomp, den der Kreml zu bieten hat – roter Teppich, blau gewandete Ehrengarde, die goldenen Zwiebeltürmchen, Kristalllüster und pastellfarbene Prunksäle –, für seine zweite und letzte Amtszeit vereidigt. Von Putins vier weiteren Jahren im Zentrum der Macht erwarten sich viele durchgreifende Reformen. Andere rätseln noch, wohin Putins Russland-Reise gehen wird.

Die Wirtschaftselite des Landes jedenfalls setzt viele Hoffnungen auf ein Treffen mit dem alten und neuen Präsidenten kurz nach seiner Vereidigung. Man habe lange auf diese Gelegenheit gewartet, sagt ein Vertreter des Unternehmerverbandes RSPP: „Wir erhoffen uns, dass Putin uns konkret erklärt, was er unter seiner Forderung von mehr sozialer Verantwortung der Wirtschaft versteht. Was er von uns will und wohin wir uns orientieren sollen: Richtung Westen oder Richtung China?“

In Grundzügen zeichnet sich Putins Politik bereits ab: Die Oligarchen genannten Großunternehmer wissen – nach dem erzwungenen Exil der beiden Medienmogule Boris Beresowskij und Wladimir Gussinskij sowie durch die Inhaftierung des Chefs des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowskij – nun Bescheid: Sie sollen sich aus der Politik heraushalten und höhere Steuern zahlen. So wird ab diesem Sommer die Exportsteuer auf Erdöl drastisch angehoben. Ab 2004 kommt eine noch höhere Besteuerung der Ölgewinne hinzu. Damit sprudeln weitere 3,3 Mrd. $ zu den ohnehin erwarteten 20 bis 25 Mrd. $ an Steuern aus dem Erdölgeschäft in die Staatskasse.

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