Räumung der letzten Siedlung
Israel erklärt Gaza-Abzug für abgeschlossen

Israel hat den historischen Abzug aus dem Gazastreifen abgeschlossen. Auch die letzte der 21 jüdischen Siedlungen ist nach Angaben der Sicherheitskräfte geräumt worden. Nach der Zerstörung der Häuser wird das Gebiet dann erstmals unter palästinensischer Kontrolle stehen.

HB JERUSALEM. Nach 38 Jahren ist die Besatzung des Gaza-Streifens zu Ende: Die Evakuierung der jüdischen Siedlungen hatte am Montag vor einer Woche begonnen und sollte ursprünglich drei Wochen dauern. Anders als in vielen anderen der 21 Siedlungen im Gaza-Streifen wurden die israelischen Soldaten am letzten Tag der Räumungen in der Siedlung Nezarim nicht mit brennenden Barrikaden oder lautstarken Protesten empfangen. Es gab keinen Widerstand. Dort entfernten die Bewohner sogar noch vor dem Eingreifen der Soldaten den siebenarmigen Leuchter vom Dach der Synagoge.

"Ich wollte in Ehren Lebewohl sagen", sagte David Farasch. Die Bewohner der Siedlung hatten sich geeinigt, nach einem gemeinsamen Gebet mit den Soldaten in Ruhe zu gehen. Die Enklave liegt isoliert im Zentrum des Gaza-Streifens und war häufig Ziel palästinensischer Angriffe. Zuletzt war sie von Israel aus nur in gepanzerten Fahrzeugen über einen schwer geschützten Korridor zu erreichen.

Dagegen verwandelten Abzugsgegner die Enklave Sanur im Westjordanland in eine Festung. Polizei und Armee werden bei dem für Dienstag geplanten Beginn des Einsatzes in Sanur und der Exklave Homesch nur noch auf etwa 20 Familien, aber deutlich mehr als 1000 extremistische Gegner der Räumung treffen. Sanur und Homesch im Westjordanland sind die letzten Siedlungen, die Israel derzeit in einem einseitigen Schritt aufgibt. Zwei Enklaven im Westjordanland sind bereits leer.

In Sanur stemmten radikale Jugendliche am Montag Vorräte auf das Dach eines alten, steinernen Gebäudes, das die auf einem Hügel errichtete Siedlung überragt. Andere schweißten Metallstäbe zu einem Konstrukt zusammen, das die unbewaffneten Soldaten von dem Haus fernhalten soll. Auf dem Hof der Zitadelle trainierten Freiwillige, jedes Stückchen Boden gegen vorrückende Sicherheitskräfte zu verteidigen.

Trotz scharfer Bewachung des Geländes gelang es Ultranationalisten auch noch wenige Stunden vor der Zwangsräumung, sich nach Sanur einzuschleichen. Einer von ihnen kam am frühen Montagmorgen an - eine Pistole und ein großes Jagdmesser an seinem Gürtel. "Sie können uns nicht stoppen", sagte der 17-jährige Roni Martin, der sich seit einer Woche in Sanur aufhält. "Wir sind hier um zu kämpfen."

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