Rahul Gandhi
Versuchung indischer Jungwähler

Er ist schüchtern, ein schwacher Redner. Seine Auftritte im Parlament erwecken regelmäßig die Häme der Opposition. Rahul Gandhi fehlt so ziemlich alles, was für eine Hauptrolle in Indiens theatralischem Politikbetrieb qualifiziert. Und doch ist er der Hoffnungsträger der regierenden Kongresspartei bei den morgen anlaufenden Parlamentswahlen.

Der 38-jährige Rahul – ledig, studiert in Großbritannien und den USA – entstammt der Familie, die Indiens Geschichte geprägt hat wie keine zweite: Vater Rajiv Gandhi war bis zu seiner Ermordung 1989 Premier. Davor bekleidete Großmutter Indira das Amt. Rahuls Urgroßvater ist Indiens Staatsgründer Jawaharlal Nehru. In nicht allzu ferner Zukunft, glauben viele Inder, wird auch Rahul das Land regieren. Für die im Niedergang befindliche Kongresspartei – bei der letzten Parlamentswahl errang sie nur ein Viertel der Sitze und muss mit 13 Koalitionspartnern regieren – ist der Gandhi-Spross deshalb ihr größter Trumpf. Zumal seine Ausstrahlung die Jugend anspricht; rund 40 Prozent der Wähler sind jünger als 35 Jahre.

Rahul freilich hat sich lange geziert, das politische Erbe der Dynastie anzutreten. Nach dem Studium arbeitete er in London als Finanzberater. 2002 kehrte er nach Indien zurück. Doch es dauerte weitere zwei Jahre, bevor er sich dem Drängen von Mutter Sonia, Präsidentin der Kongresspartei, fügte: Rahul wurde Abgeordneter des Wahlkreises der Gandhi-Familie im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh. 2007 stieg er zum Generalsekretär der Partei auf – und macht dort seither aus der Not eine Tugend. Die Partei müsse ihre dynastische Struktur ablegen und demokratischer werden, fordert Rahul bei jeder Gelegenheit.

Das kommt an beim Wahlvolk, das des feudalen Parteiensystems müde ist. Und es passt zu Rahul Gandhis Botschaft, dass er die Rolle des Spitzenkandidaten bei der Parlamentswahl abgelehnt hat. Die Kongresspartei muss deshalb noch einmal ihren Premier Manmohan Singh ins Rennen schicken. Doch der ist schon 76, leidet an Herzproblemen und hat deshalb den Ruf, eine Übergangslösung zu sein – bis Rahul Gandhi will. Indiens politische Auguren mutmaßen, Mutter Sonia plane den Stabwechsel für 2010. Vorausgesetzt, der Kongress gewinnt. Dafür immerhin legt sich Sohn Rahul mächtig ins Zeug: Bis zum 13. Mai wird er unzählige Wahlkampfauftritte absolviert haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%