Raketen-Test
Kim Jong Un provoziert Trump

Während Donald Trump das Wochenende mit dem japanischen Premier verbringt, richtet Nordkorea die erste Provokation an den neuen US-Präsidenten. Der reagiert auffällig zurückhaltend.
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SeoulDen Zeitpunkt dürfte Nordkorea nicht zufällig gewählt haben. Als die Nachricht über den neuen Raketentest des kommunistischen Regimes die Küste Floridas erreicht, will Donald Trump gerade mit dem japanischen Premier Shinzo Abe zu Abend essen. Der US-Präsident verbringt das Wochenende in seinem Ressort in Palm Beach, Abe ist sein Gast. Seit Freitag führen die beiden Gespräche, am Samstagmorgen haben sie Golf gespielt.

Dann meldet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap, dass der Norden erneut eine ballistische Rakete getestet hat. Es ist eine Machtdemonstration: die erste Provokation des isolierten Landes, seit der neue US-Präsident im Amt ist. Kim Jong Un testet Trump. Es dürfte wohl auch eine Antwort auf den Start einer Interkontinentalrakete der amerikanischen Luftwaffe vor einigen Tagen gewesen sein.

Trump bleibt erst einmal auffallend still. Kein Poltern, kein Zetern, kein Wort auf Twitter. Mit Abe schreitet er zum Dinner. Die beiden stellen sich kurz vor die Kameras, die Reporter rufen Trump Fragen zu Nordkorea zu. Er sagt nichts.

Später treten die beiden dann noch einmal vor die Presse. Trump lässt Abe den Vortritt, er überlässt es dem Japaner, den Test scharf zu verurteilen. Trump sagt anschließend nur, die USA stünden zu „100 Prozent“ hinter Japan. Südkorea, den zweiten wichtigen Verbündeten in der Region, erwähnt er nicht.

Und so bleibt erst einmal völlig unklar, wie die neue US-Regierung mit den Drohgebärden aus Pjöngjang umgehen will. Das Außenministerium ist verstummt, die neue UN-Botschafterin Nikki Haley sagt auch nichts.

Trumps Vorgänger Barack Obama hatte gegenüber Pjöngjang eine Politik der „strategischen Geduld“ verfolgt. Der Demokrat verurteilte die Raketentests stets auf das Schärfste und verhängte neue Sanktionen gegen das Land, setzte aber ansonsten darauf, dass die USA das Regime einfach aussitzen könnten.

Es ist möglich, dass die neue Regierung diese Linie fortsetzt. Vor einigen Tagen war Trumps Verteidigungsminister James Mattis in Südkorea und Japan. Er versicherte seinen Amtskollegen, man stehe eisern an ihrer Seite.

Die USA wollen noch in diesem Jahr ein Raketenabwehrsystem auf südkoreanischem Boden stationieren. Es ist eine Abschreckungsmaßnahme, an einer echten Eskalation der Provokationen dürfte niemandem in Washington gelegen sein - trotz Trumps harscher Worte.

Als Nordkoreas Machthaber in seiner Neujahrsansprache ankündigte, in naher Zukunft eine atomar bestückbare Interkontinentalrakete testen zu lassen, schrieb Trump: „Das wird nicht passieren.“

Dass er nun so zurückhaltend reagiert, dürfte auch mit seinen chaotischen ersten Amtstagen zu tun haben. Der Präsident ist noch nicht einmal einen Monat im Amt, aber es läuft alles andere als reibungslos für den Republikaner. Richter wiesen ihn wegen seines umstrittenen Einreiseverbotes für Menschen aus mehrheitlich islamisch geprägten Ländern in die Schranken. Aus dem Weißen Haus drangen heikle Details zu personellen Grabenkämpfen an die Öffentlichkeit.

Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn steht im Kreuzfeuer, weil er mit dem russischen Botschafter im Dezember über Sanktionen gesprochen haben soll, bevor der scheidende Präsident Barack Obama diese verhängte. Flynn hat dazu unterschiedliche Angaben gemacht, der Vorwurf der Lüge steht im Raum.

Als der Iran vor einigen Tagen mehrere Raketen testete, war es Flynn, der Teheran warnte. Einen Tag später verschärften die USA die Gangart gegen das Land, verhängten neue Sanktionen. Nordkoreas Vorgehen ist nun gleich die zweite große internationale Herausforderung für Trump.

Südkorea geht nach ersten Analysen davon aus, dass es sich bei der getesteten Rakete um eine „verbesserte Version“ der Mittelstreckenrakete des Typs Musudan gehandelt haben könnte. Das Strategische Kommando der USA, das für die Atomstreitkräfte verantwortlich ist, erklärt, die Rakete habe keine Gefahr für Nordamerika dargestellt.

Ein Berater Trumps war am Sonntagmorgen bemüht, den Auftritt des Präsidenten als Demonstration der Stärke darzustellen. Trump habe gegenüber Nordkorea Macht demonstriert, indem er sich an die Seite Japans gestellt habe, sagt Stephen Miller im Interview des Senders ABC. Der Präsident schwieg weiter.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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