Raketenabwehrsystem
Russland fordert Verhandlungsstopp

Nach dem Angebot einer Zusammenarbeit bei der Abwehr iranischer Raketen hat Russland die USA am Samstag aufgefordert, weitere Verhandlungen für einen eigenen Abwehrschirm einzufrieren. Der russische Außenminister Lawrow kritisierte scharf, dass Bush trotz der angebotenen Zusammenarbeit weiter mit Polen über einen Abwehrschirm verhandle.

HB ST. PETERSBURG/MOSKAU. Im Streit um das geplante US- Raketenabwehrsystem hat Russland die USA aufgefordert, die Verhandlungen über eine Stationierung von US-Raketentechnik in Europa einzufrieren. Wenn die USA nach Stabilität strebten, müssten sie alle Handlungen vermeiden, die die Sicherheit ihrer Partner beeinträchtigten, sagte Außenminister Lawrow am Samstag in Moskau. Zunächst müsse über den russischen Vorschlag einer gemeinsamen Raketenabwehr in Aserbaidschan verhandelt werden.

Der russische Vorschlag mache eine Stationierung von US- Raketentechnik in Polen und Tschechien verzichtbar, sagte Lawrow. In St. Petersburg sagte der Vizeregierungschef Sergej Iwanow, sollten die USA das Angebot annehmen, bekämen sie äußerst zuverlässige Informationen über Raketentests und Angriffe aus der Region. Russland sieht nach Lawrows Worten weiterhin keine reale Bedrohung Europas durch iranische Raketen. Die Einschätzung des Westens, Russland habe mit seinem Vorschlag einer gemeinsamen Raketenabwehr eine solche Gefahr anerkannt, überrasche ihn, sagte der Außenminister.

Bei seinem Kurzbesuch in Polen hatten US-Präsident George W. Bush und sein Kollege Lech Kaczynski am Freitagabend die amerikanischen Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Mitteleuropa erörtert. Es gelte, durch den Bau des Systems in Polen und Tschechien den Schutz für Polen und Europa auszuweiten, damit die freien Nationen nicht erpressbar würden, sagte Bush am Ende des knapp vierstündigen Aufenthaltes vor Journalisten in Danzig (Gdansk). Die Vorschläge des russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr bezeichnete er als Gelegenheit für eine interessante Diskussion.

Kaczynski sagte: „Wesentlich ist, dass Russland anerkennt, dass die Welt sich geändert hat, darunter auch das östliche Europa und unser Land.“ Anders als die tschechische Führung ließ Kaczynski eine Zustimmung Polens zu dem Raketenabwehrsystem offen. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm den USA vorgeschlagen, die Radarstation in Aserbaidschan in eine gemeinsame Raketenabwehr gegen den Iran einzubinden. Aserbaidschan ist der nördliche Nachbar des Irans.

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