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Slowakischer Fiskus schont Topverdiener in der EU am stärksten

Die Slowakei ist das Steuerparadies für gut verdienende Arbeitnehmer in der EU. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Forschungsinstituts Basel Economics (BAK). Ein Arbeitnehmer, der 100 000 Euro netto verdient, müsse in der Slowakei lediglich 25,8 Prozent Steuern und Abgaben zahlen.

HB DÜSSELDORF. Am anderen Ende der Tabelle rangiere Finnland, wo 56,5 Steuern fällig würden. Deutschland lande mit 41,8 Prozent im Mittelfeld der EU-Liga, schreiben die Ökonomen Martin Eichler, Christina Elschner und Michael Overesch.

In der Studie wird die Belastung eines ledigen Arbeitnehmers verglichen, dessen Jahres-Nettoeinkommen von 100 000 Euro sich zu 75 Prozent aus Barvergütung, zu 20 Prozent aus Altersvorsorgebeiträgen und zu fünf Prozent aus Nebenleistungen zusammensetzt. Dabei wurden alle Besonderheiten der nationalen Steuergesetze berücksichtigt.

Nach Ansicht der Autoren konkurrieren Arbeitgeber untereinander um hoch qualifiziertes Personal. Um im Wettbewerb bestehen zu können, müssten sie Steuern und Abgaben kompensieren, denen die Arbeitskräfte unterliegen. Daher wird in der Studie das Nettoeinkommen des Arbeitnehmers als Maßstab gewählt und berechnet, wie hoch die Kosten eines Arbeitgebers sind, um dieses Nettoeinkommen zu realisieren. Dabei wurden Lohnzusatzkosten wie die Arbeitslosen- und die gesetzliche Unfallversicherung den Arbeitskosten hinzugerechnet; ebenso jener Teil der Rentenbeiträge, denen kein Leistungsanspruch gegenübersteht. Krankenversicherungsbeiträge bleiben hingegen unberücksichtigt, da sie „weitgehend Versicherungscharakter“ hätten.

Im Schweizer Kanton Zug, in dem die Belastung noch gut 3 000 Euro geringer sei als in der Slowakei, müsse ein Arbeitgeber 132 802 Euro für einen solchen Arbeitnehmer aufwenden; in Finnland beliefen sich die Kosten dagegen auf 229 885 Euro. In Deutschland seien es dank der Steuersenkungen zu Beginn dieses Jahres 171 821 Euro. Insgesamt zeigt die Studie, dass die Steuerbelastung von gut verdienenden Arbeitnehmern in den meisten Schweizer Kantonen deutlich niedriger als in weiten Teilen der EU ist. Konkurrenzfähig sei neben der Slowakei unter den EU-Staaten allenfalls noch Österreich. Weltweit gesehen sei die Belastung auch in den US-Bundesstaaten Texas, Massachusetts und New York relativ gering.

Die neuen EU-Mitglieder aus Osteuropa, die vielfach mit niedrigen Unternehmensteuern versuchen, Investoren anzulocken, langen bei gut bezahlten Arbeitnehmern dagegen recht kräftig zu. Das teuerste Land für den Einsatz hoch qualifizierter Arbeitskräfte in Osteuropa ist Slowenien. Erwartungsgemäß ist die Steuerbelastung in den skandinavischen Staaten durchweg recht hoch. Am günstigsten schneidet noch Dänemark mit einer Belastung von 48 Prozent ab.

Die Ökonomen betonen, dass im internationalen Standortwettbewerb die Besteuerung hoch Qualifizierter zunehmend Bedeutung gewinne. „Mit der zunehmenden Mobilität hoch qualifizierter Arbeitnehmer und der steigenden Bedeutung von Humankapital in einer wissensbasierten Wirtschaft ist auch die Steuerbelastung auf Einkommen ein Faktor im internationalen Standortwettbewerb“, heißt es in der Studie.

Nach Ansicht der Autoren hat die Höhe der Steuerbelastung einen starken Einfluss auf Produktivitätssteigerungen: Höhere Steuern senken das Produktivitätswachstum. Dabei sei der Einfluss der Einkommensteuer größer als der der Unternehmensteuern.

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