Rap-Battle zur griechischen Schulden-Krise „Schikaniert ihr wieder kleine Griechen?“

Merkel hart in der Sache, Varoufakis entspannt-arrogant, Dijsselbloem humorlos und Putin drohend: Das niederländische TV zeigt den griechischen Schuldenstreit als Rap-Battle. Eine kleine Prognose wagen die Macher auch.
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Sie steigen in den Ring und werfen sich einmal alles an den Kopf, was bislang ungesagt blieb – ganz ohne diplomatische Zurückhaltung und im Jargon der Straße: In einem Video aus dem holländischen Fernsehen tragen Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem und Kanzlerin Angela Merkel den Griechenland-Schuldenstreit gegen den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis und den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Ring aus – via Rap-Battle.

Varoufakis macht sich über den stets korrekten und etwas farblosen Djisselbleom lustig und droht mit dem Gang nach Russland. Djisselbloem ruft verzweifelt nach Angela Merkel, und Putin mit Sonnenbrille fährt verbal ganz großes Geschütz auf.

Im Netz und unter Comedians sind Rap-Battles als satirisches Instrument schon seit Jahren beliebt. So gibt es etwa auch Rap-Battles zwischen Merkel und US-Präsident Barack Obama. Das Vorbild allerdings sind die gerappten „Ring-Kämpfe“ zwischen den beiden Ikonen der Wirtschaftswissenschaft, John Maynard Keynes und Friedrich August von Hayek, über ihre gegensätzlichen Theorien. Der erste Teil 2010 („Fear the Boom and Bust“) hat mehr als fünf Millionen Klicks.

Der Clip des Griechenland-Raps auf Niederländisch (griechische und englische Untertitel sind möglich) hat bislang etwas mehr als 100.000 Aufrufe auf Youtube eingesammelt, ein weiterer Mittschnitt gut 22.000. Hier die deutsche Übersetzung zum Mitlesen:

Jeroen Dijsselbloem: Ich bin Jeroen Dijsselbloem, Minister der Finanzen und ein politisches Phänomen. An meinem Stirnrunzeln und Geizhals-Gesichtsausdruck erkennt man sofort, dass ich ein Experte bin. Ich bin der richtige Mann für diese Position. Lasst die Griechen nur kommen, weil ich sie in den Wahnsinn treiben werde. Ich werde das Geld zurückholen, wie es meine Pflicht ist – und du kannst mich nicht stoppen, Yanis Varoufakis!

Die Hauptfiguren der griechischen Euro-Tragödie
Alexis Tsipras
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Für die Griechen ist er der Heilsbringer, für den Rest Europas das Schreckgespenst. Mit Ausnahme aller Linken versteht sich, für die ist Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ebenfalls die lang erwartete Lichtgestalt. Hat seinen Griechen ein Ende der Sparpolitik und der Troika versprochen – bei gleichzeitigem Erhalt des Euros als Landeswährung. Dazu soll der viel besprochene Schuldenschnitt folgen, den aber so ziemlich jeder Euro-Finanzminister ablehnt. Wenig Spielraum also für Tsipras, der bisher noch nicht viel erreicht hat als seine europäischen Partner alle paar Tage zu brüskieren. „Wir sind an einem kritischen Punkt in den Verhandlungen“, sagte er zuletzt. Scheitern diese, könnte er seinen Volkshelden-Status sehr bald schon wieder los sein, denn ohne weitere Milliardenhilfen steht Griechenland vor der Pleite.

Yanis Varoufakis
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Yanis Varoufakis ist erst seit ein paar Wochen im Politikgeschäft, vorher war er Uni-Professor und Blogger. Gilt als Star der linken Ökonomen, Spezialgebiet: Spieltheorie. In der Praxis kennt er sich nach eigenen Angaben noch nicht so gut aus, überzeugte bei seinen Antrittsbesuchen in Europa jedoch dennoch mit sympathischen Auftritten. Das änderte sich etwas, als er die Gespräche mit der Eurogruppe ergebnislos abbrach. Varoufakis gab sich dennoch zuversichtlich, während die Börse in Athen absackte.

Varoufakis geht weiterhin von einer „ehrbaren“ Lösung der Krise aus. Spar- und Reformauflagen lehnt Athen aber weiterhin ab. Das Land habe alles getan, um eine Lösung zu finden, die zum Wohle aller Beteiligten sei, hieß es zuletzt aus Regierungskreisen. Auf der anderen Seite verspricht die Regierung ihrem Volk jedoch eine Milliardenentlastung, 50 Prozent der Steuer-Schulden sollen erlassen werden. So ein Steuer-Versprechen auf Kosten der europäischen Zahler könnte das Fass zum überlaufen gebracht haben.

Angela Merkel
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Angela Merkel hat derzeit mit der Ukraine-Krise alle Hände voll zu tun, das Hauptaugenmerk der Kanzlerin scheint auf dem dort tobenden Bürgerkrieg und den Verhandlungen mit Russland zu liegen. Wie gut, dass Merkel in Wolfgang Schäuble einen Finanzminister hat, dem sie bedingungslos vertraut. Die Linie, die beide an der Spitze der Bundesregierung vertreten, ist klar: Athen muss die bestehenden Verträge einhalten, ein Schuldenschnitt wird abgelehnt.

Wolfgang Schäuble
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Derzeit der Anführer der eisernen Sparkurs-Vertreter und insgesamt der Euro-Gruppe. Zuletzt pochte Bundesfinanzminister Wolfang Schäuble vehement auf eine Verlängerung des laufenden Kreditprogramms – trotz vorübergehend für gescheitert erklärter Verhandlungen womöglich mit Erfolg. Zudem hat Schäuble die Eurogruppe auf Linie gebracht, bei seinen sozialistischen Amtskollegen in Frankreich und Italien findet Syriza keine Verbündeten.

Mit Plänen für ein schon 2012 durchgespieltes „Grexit“-Szenario in der Schublade scheint Schäuble bereit, die Griechen notfalls auflaufen zu lassen. „In der Euro-Zone sind die Zweifel daran gewachsen, was Griechenland eigentlich will“, teilte der Bundesfinanzminister mit. Den griechischen Antrag auf eine Verlängerung der Finanzhilfen bezeichnete er als „heiße Luft“. Die Bitte sei ein „trojanisches Pferd“, mit dem Griechenland eine Brückenfinanzierung erreichen will und das aktuelle Hilfsprogramm samt Sparauflagen zu stoppen.

Jeroen Dijsselbloem
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Jeroen Dijsselbloem wäre derzeit wohl am liebsten einfach nur niederländischer Finanzminister. Als dieser ist seine Position klar: Er hält zu Schäuble und Merkel. Als Chef der Eurogruppe scheint es hingegen ein regelrechtes Anliegen der neuen griechischen Führung, namentlich vor allem Yanis Varoufakis und Alexis Tsipras, den eigentlich stets diplomatischen Dijsselbloem wiederholt vor den Kopf zu stoßen. Der stand daher bei seinem letzten Besuch in Athen kurz nach der Wahl vor einem großen Ausraster. Die Vermittlerrolle fällt dem Holländer dementsprechend schwer. Ihm kommt zu gute, dass die Euro-Gruppe im Schuldenstreit wenigstens größtenteils geeint auftritt - geeint gegen Griechenland, versteht sich.

Jean-Claude Juncker
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Auch Jean-Claude Juncker pocht wenig überraschend auf die Einhaltung der bestehenden Verträge durch Athen – zugleich kritisierte der EU-Kommissionspräsident aber überraschend deutlich die Arbeit der Troika: „Man hat wirklich gegen die Würde der Völker verstoßen, gerade in Griechenland“.

Juncker ist mittlerweile in eine Art Vermittlerrolle zwischen Athen und Brüssel, beziehungsweise Berlin geraten, in der ihm seine jahrzehntelange Erfahrung als Politiker auf internationaler Bühne gut zu Gesicht steht. So bewertete Juncker den von der Bundesregierung rundheraus abgelehnten Antrag auf weitere Finanzhilfen selbst als „positives Zeichen“. Er sieht Chancen für einen „vernünftigen Kompromiss im Interesse der finanziellen Stabilität in der Eurozone als Ganzes“. Dabei hat die EU-Kommission und damit Juncker mit den Verhandlungen nichts zu tun, das ist Sache der Finanzminister der 19 Euro-Staaten (Euro-Gruppe).

Mario Draghi
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Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat derzeit alle Hände voll zu tun: Zu seinem Kampf gegen die Deflation und für den Zusammenhalt der Euro-Zone kommt nun auch noch eine mögliche Gefährdung seines Anleihenkaufprogramms. Mit seiner kategorischen Ablehnung eines Schuldenschnitts hat er sich klar positioniert, mit der Weigerung griechische Staatsanleihen weiterhin als Sicherheit zu akzeptieren der Regierung Tsipras ihren härtesten Wirkungstreffer verpasst. Allerdings hat Draghi bereits deutlich gemacht, dass er bereit ist, den Griechen noch Zeit zu verschaffen, die weitere Gewährung von Notkrediten und deren nochmalige Erhöhung sprechen eine deutliche Sprache. Der Chef der Europäischen Zentralbank erwartet eine politische Lösung.

Yanis Varoufakis: Was ich tun oder nicht tun werde, entscheide ich selbst. Komm schon, gib mir ganz normal deine Hand. Ich habe kein Aids. Worauf schaust du so mit deinem Geizhals-Gesicht? Wir sind ein selbständiges Land, keine europäische Kolonie. Du denkst, du bist ein Experte. Wo hast du studiert? Wageningen? Schön, Glückwunsch. Ich habe in Cambridge Ökonomie unterrichtet. Aber hey, du kannst mir sagen, was wir falsch machen.

Dijsselbloem: Eure Wirtschaft ist ein Chaos. Wir haben diese Sch**** mit unseren Milliarden unterstützt. Nun erwartet ihr, dass wir diesen Kredit abschreiben. Ihr f**** uns auf die griechische Art.

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„Du hast es so gewollt: Angela, töte!“
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