Rapanos tritt nicht an

Griechenland sucht neuen Finanzminister

Griechenlands Ministerpräsident Samaras muss wenige Tage nach seiner Vereidigung bereits ein zweites Mal einen Finanzminister suchen. Kandidat Vasilios Rapanos kann aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten.
Update: 25.06.2012 - 19:06 Uhr 14 Kommentare
Vassilis Rapanos verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf das Amt des griechischen Finanzministers. Quelle: AFP

Vassilis Rapanos verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf das Amt des griechischen Finanzministers.

(Foto: AFP)

AthenNicht einmal eine Woche nach seiner Ernennung ist der griechische Finanzminister Vassilis Rapanos zurückgetreten. Das teilte das Amt von Ministerpräsident Antonis Samaras am Montag mit. Der 64-jährige Rapanos war am Freitag kurz vor seiner Vereidigung zusammengebrochen und ins Krankenhaus gebracht worden. Der frühere Bankier klagte über Übelkeit, Magenbeschwerden und Schwindelgefühle.

In seinem Rücktrittsgesuch schrieb Rapanos, sein Gesundheitsproblem sei nicht überwunden. Sein Zustand erlaube ihm nicht, seine Aufgaben zu erfüllen. Er bedaure sehr, dass er das Angebot, Finanzminister zu werden ablehnen müsse, hieß es in dem Rücktrittsschreiben.

Griechischen Medienberichten zufolge hat Rapanos eine lange Krankengeschichte. Seit Tagen gab es aber auch Gerüchte, wonach er auch unzufrieden mit der Zusammensetzung des Teams sei, das ihm bei seinen Aufgaben helfen sollte. Rapanos wollte demnach lieber ihm vertraute Technokraten im Finanzministerium sehen, als Politiker. Dies sei ihm jedoch verweigert worden.

Rapanos und der am Auge operierte Samaras hatten wegen ihrer Erkrankungen die Teilnahme am EU-Gipfel diese Woche in Brüssel abgesagt. Samaras war am Montag aus dem Krankenhaus entlassen worden und darf auf Anweisung seiner Ärzte vorerst weder fliegen noch längere Autofahrten unternehmen.

Deshalb wird Staatspräsident Karolos Papoulias die griechische Delegation aus Außenminister Dimitris Avramopoulos sowie dem scheidenden Finanzminister Giorgos Zanias anführen. Die beiden Minister berieten am Montag über das Ziel der neuen Regierung, den Geldgebern Zugeständnisse abzutrotzen.

Besonders die Bundesregierung sperrt sich gegen Lockerungen der Auflagen. Das Programm der griechischen Koalition aus Konservativen, Sozialdemokraten und gemäßigten Linken sieht Steuererleichterungen, stärkere Hilfen für Arme und Arbeitslose, eine Begrenzung der Stellenkürzungen im öffentlichen Dienst sowie mehr Zeit beim Erreichen der Sparziele vor.

„Wir haben die Daten und Fakten zusammen - die Medizin funktioniert einfach nicht“, sagte ein Regierungsvertreter mit Blick auf den bisherigen Reformkurs. Die Rezession sei sehr tief, zudem liege den Arbeitslosenquote bei fast 23 Prozent.

  • dpa
  • rtr
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14 Kommentare zu "Rapanos tritt nicht an: Griechenland sucht neuen Finanzminister"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Die Medizin wirkt nicht." Die Dreistigkeit griechischer Politiker ist unbeschreiblich. Der ueberwiegende Teil der Reformen wurde nicht umgesetzt. Steuern wurden nicht eingetrieben, im Gegenteil - griechischer Minister weisst seine Direktoren in den Finanzaemtern an "die mit der Troika vereinbarten Massnahmen nicht umzusetzen." Unzaehlige weitere beispiele sind bereits publiziert. Und dann hat man tatsaechlich die Dreistigkeit seine Solidarpartner mit weteren Erpressungsversuchen zu duepieren?! Dieses Land gehoert aus allen westlichen Buendnissen entfernt. Umgehend!

  • Das will er sich wohl nicht antun!
    Den Kopf hinhalten für die Vorstellungen eines neuen griechischen Parlaments. Er kennt jetzt diese Vorstellungen und kennt die Ziele, die er bei der EU-Führung erreichen soll. Oder sollte.

  • Betrifft den Kommentar "Ausbeuter" .Besser hätte ich es auch nicht sagen können ! ! Es trifft den Nagel auf den Kopf .

  • Samt Übergangsgeldern und Versorgungsposten mit Dienstwagen (Mercedes?) , Assistentin und Büro.

    Nur kein Neid! Hättet ja selbst Minister werden können.

  • Wir haben es zusätzlich mit einem schleichenden Bankenrun zu tun. Die Leute heben ihre Gelder ab. Die Eigenkapitalquote schmilzt dahin. Übrigens auch schon bei französischen Banken. Die angelsächsische Dauerpropaganda tut ihr übriges. Europa wird sturmreif geschossen und Schäuble soll Deutschland sturmreif machen. Sobald das Kapital dann von den deutschen Banken abgezogen wird, ist Deutschland komplett am Ende. Man kann ein Insolvenzproblem eben nicht mit einem Mehr an Liquidität lösen.

  • Zunächst einmal denke ich, dass wir alle Herrn Rapanos persönlich nichts Böses wünschen!
    Dennoch sei festgestellt, dass unabhängig von der Person die Sache in Athen System hat. Solange es keine funktionsfähige Regierung gibt, kann die Mafia-Oligarchie weitermachen wie bisher, und das heißt vor allem keine Steuern zahlen und weiter EU-Hilfe auf ihre Konten leiten. Die EU "rettet" da gerade einen Verbrecherhaufen. Fragt sich, ob die neue griechische Regierung nicht auch direkt bedroht wird. Vielleicht ist der Job des Finanzministers nicht nur aus Gesundheitsgründen lebensgefährlich.
    Die Bevölkerung in Griechenland wird von ihrer eigenen, griechischen Kleptokratie unterdrückt. In diesem System helfen keine "Hilfsgelder". Da hilft nur ein Volksaufstand, aber nicht gegen EU oder Merkel (gegen die sollten wir einen Aufstand machen), sondern gegen die Räuber im eigenen Land.
    Die SPD bei uns ist so blöd, dass sie nicht einmal kapiert, was da unten läuft. Genossen, das was in Griechenland läuft, habt Ihr früher mal Ausbeutung durch die eigene griechische Herrscherkaste genannt, als Ihr noch ein Hirn zum Nachdenken im Kopf hattet!

  • heute BORGEN -> MORGEN SORGEN!

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  • "Der frühere Bankier klagte über Übelkeit, Magenbeschwerden und Schwindelgefühle."

    Verstaendlich. Vielleicht sollte man die Daten, die er konsumiert hat, zur deutschen Regierung schicken und schauen ob sie dort aehnliche Symptome ausloesen :-)

  • Chapeau!!!

  • Man sollte die ganze griechische Regierung einfach outsourcen...zum Beispiel an McKinsey. Die machen dann da zuverlässig wie gewohnt die gewünschte Personalbereinigung in der unproduktiven griechischen Verwaltung

    Ne andere Möglichkeit wäre auch Goldman Sachs, die kennen die griechischen Zahlen, da sie die ja selbst gefälscht haben.

    Aber egal, wer den Job kriegt, diesmal nur gegen Entlohnung in griechischen Staatsanleihen ....

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