International

_

Rating: Moody’s entzieht den Briten das Vertrauen

Mit ihrer Herabstufung Großbritanniens hat die Ratingagentur der konservativen Regierung einen herben Schlag versetzt. Der wirtschaftliche Schaden dürfte sich indes in Grenzen halten.

Dunkle Wolken über London: Die Ratingagentur Moody’s straft die Haushaltspolitik der konservativen Regierung ab. Quelle: dpa
Dunkle Wolken über London: Die Ratingagentur Moody’s straft die Haushaltspolitik der konservativen Regierung ab. Quelle: dpa

LondonDie Ratingagenturen haben wieder einmal zugeschlagen. Gestern nach Börsenschluss an der Wall Street hat Moody’s als erster der großen internationalen Bonitätswächter den Briten ihre prestigeträchtige Bestnote „AAA“ entzogen. Die Herabstufung selbst kommt nicht überraschend, der Zeitpunkt schon. Die meisten Volkswirte waren davon ausgegangen, dass die Agenturen der Regierung zumindest noch bis zum 20. März Zeit geben würden. An diesem Tag stellt der konservative Finanzminister George Osborne seinen neuen Staatshaushalt vor. Aber offenbar glauben die Experten von Moody’s nicht mehr, dass Osborne ein Kaninchen aus dem Hut zaubert, das das Vertrauen in die Top-Bonität der Briten wieder herstellt.

Anzeige

„Eindeutige Mahnung“ Moody's entzieht Großbritannien Top-Rating

Hohe Verschuldung und schleppendes Wachstum als Grund für Herabstufung angegeben.

Der politische Schaden für Osborne und seinen Premierminister David Cameron wird erheblich sein. Zwar verkündete Osborne bereits kurz nach der Entscheidung von Moody’s, dass die Herabstufung nichts am Austeritätskurs der Regierung ändern werde, im Gegenteil, er wolle seine Anstrengungen sogar „verdoppeln“. Aber tatsächlich haben Cameron und Osborne ihre politische Glaubwürdigkeit auch und vor allem an die Verteidigung des Top-Ratings geknüpft. Immer wieder begründeten die Konservativen ihren Sparkurs mit der Gefahr, ansonsten das Vertrauen der Bond-Märkte zu verlieren. In ihrem Grundsatzprogramm aus dem Jahr 2010 versprach Camerons Partei: „Wir werden das Kredit-Rating von Großbritannien verteidigen, mit einem glaubhaften Plan innerhalb von einer Legislaturperiode das strukturelle Defizit zu eliminieren.“

Ratingsystem

  • Die gängigen Ratings

    Die Ratingagenturen verwenden für die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken und Staaten Buchstabencodes. Die Skala beginnt bei Standard & Poor's und Fitch mit der Bestnote AAA (englisch: „Triple A“). Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Auch Moody's nutzt diese Buchstabencodes, schreibt sie aber anders (Aaa, Aa, A, Baa, Ba, B usw.)

  • Die Verfeinerung der Stufen

    Die Stufen können auch noch feiner unterteilt werden. Moody's verwendet dafür Ziffern, Fitch nutzt Plus- und Minuszeichen. Eine mögliche Änderung des Ratings kündigen die Agenturen in aller Regel über den Ausblick „positiv“, „stabil“ und „negativ“ an.

  • Unterschiede zwischen Fitch und Moody's

    Ab BB+ (Fitch und Standard & Poor's) oder Ba (Moody's) beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: Junk) genannt wird. Diese Marke gilt für Investoren als deutliches Warnsignal, dass sie Gefahr laufen, ihr Geld zu verlieren. Am Ende der Skala steht mit D der Ausfall, also die Pleite eines Schuldners.

  • „Ramsch-Niveau“

    Wenn ein Land oder ein Unternehmen in den spekulativen Bereich abrutscht, wird es für den Schuldner oft teurer, sich neues Geld am Kapitalmarkt zu besorgen. Investmentfonds sind nämlich häufig verpflichtet, nur Papiere von Schuldnern oberhalb des Ramsch-Niveaus („Investmentgrade“) im Depot zu halten, und müssen dann solche Titel verkaufen, was die Kurse unter Druck setzt. Auch generell können Abwertungen negative Folgen für die Refinanzierung haben - dies ist aber kein Automatismus.

Doch genau an dieses Versprechen glaubt Moody’s nicht mehr. Nach Einschätzung der Agentur gefährdet das schwache Wirtschaftswachstum die Fähigkeit der Briten, ihre ausufernden Staatsschulden wie geplant abzubauen. Dazu trage auch der umstrittene Sparkurs der Regierung bei, der die Konjunktur in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts weiter belasten werde. Außerdem fehle dem Königreich die finanzielle Flexibilität, um auf einen neuen Schock wie die Finanzkrise 2008 zu reagieren. Moody’s geht nun davon aus, dass das Verhältnis von Staatsschulden zu Wirtschaftsleistung bis 2016 auf einen Spitzenwert von 96 Prozent steigen wird.

  • 24.02.2013, 14:03 UhrEva1811

    Nun Grossbritainnien und Frankreich bekommen jetzt die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise zu spüren, das ist bedenklich, da Frankreich unserer wichtigester "Pfeiler" in der EU darstellt und wankt Frankreich, hat Deutschland ein großes Problem... Dann wird unsere boomende Wirtschaft auf Eis gelegt.

    Englands und Frankreichs "Mittelstand" wo ist er geblieben, in Frankreich die Landwirtschaft und Automobilbranche, in England Gesundheitsbranche und ebenfalls wohl Landwirtschaft, von den Autos ganz zu schweigen....

    England ist in der EU herzlich willkommen und Gauck hat das in seiner europäischen Rede hervorgehoben.... und Frankreich - Hollande, Cameron und Merkel - evtl die Landwirtschaftsminister aller 3 Länder wie wäre es mit einem "Meeting und Brainstorming" samt einer kleinen Delegation der zugehörigen Wirtschaftsbranche??

  • 24.02.2013, 09:43 Uhrsieg-fried

    Wenn die Ratingagenturen auch nur etwas von Wirtschaft verstehen würden, hätten sie sich nicht so häufig und so fatal geirrt.

    Skandale gibts überall, bei den Ratingheinis aber dermaßen gehäuft, daß man dort nicht mal mehr von Ansätzen der Seriosität sprechen kann.

    Allerdings hat sich deren mafiöses Netz so weit gespannt, daß man als gelisteter Konzern nicht mehr umhin kommt. Das muß man als Privatperson für sich nicht hinnehmen. Ich empfehle gerne, auch mal das Gegenteil dessen zu tun, was diese Unseriösen empfehlen - und fahre extrem gut damit.

    GB war längst dran, die haben nicht mal die zweithöchste Note verdient sondern sind bereits in die B-Liga abgestiegen. Der Volksmund würde das sogar Ramsch nennen, siehe Verschuldungsgrad.

  • 24.02.2013, 08:49 UhrNordmann

    Dass die Bonität GB's herabgestuft wurde, wundert mich nicht. Dass es erst jetzt passierte, dagegen sehr! Hier wird gnadenlos Politik gemacht, mit dem Ziel, das breite Publikum tierisch zu verladen.

    Es geht hier ganz offensichtlich nicht um eine faire und nachvollziehbare Bewertung. Das ist ein zutiefst schmutziges Gewerbe und verabscheuungswürdig!

  • Die aktuellen Top-Themen
EU-Sondergipfel: Nord contra Ost

Nord contra Ost

Wer wird EU-Ratspräsident? Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk und die dänische Premierministerin Helle Thorning-Schmidt sind in der engeren Auswahl. Norden oder Osten? Konservativ oder sozialdemokratisch?

Medienbericht: Schäuble will Alternative zur Maut

Schäuble will Alternative zur Maut

Laut einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ will Wolfgang Schäuble eine Alternative zur Maut erarbeiten lassen. Der Finanzminister erwägt demnach ein stärkeres Engagement privater Investoren im Straßenbau.

„Russland ist praktisch im Krieg mit Europa“: Donezk kämpft, Brüssel verhandelt

Donezk kämpft, Brüssel verhandelt

Während beim EU-Gipfel erneut politische Lösungen beraten werden, gehen die Kämpfe in der Ost-Ukraine weiter. Großbritannien will zur militärischen Abschreckung eine internationale Eingreiftruppe für Osteuropa aufbauen.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International