
LondonAuch eine Rettung nach dem Modell der „Wiener Initiative“ bedeutet aus Sicht der Ratingagenturen eine Insolvenz Griechenlands. Sollte eine solche Vereinbarung mit privaten Geldgebern des Euro-Staates zustande kommen, werde dies als Beleg für eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands gewertet, erklärte die Ratingagentur Fitch am Mittwoch. Ob die Gläubiger daran freiwillig oder gezwungenermaßen teilnähmen, spiele eine geringe Rolle. Die Beweggründe der Anleihe-Halter seien schwierig zu beurteilen. Fitch halte sich deswegen bei der Bewertung des Ereignisses an seine üblichen Kriterien.
Im Gespräch sind zwei Varianten: Entweder lassen die Banken ihre griechischen Staatsanleihen einfach bis zur Fälligkeit auslaufen und zeichnen dann neue im gleichen Volumen. Das wäre die von der EZB beschworene absolut freiwillige Vereinbarung mit der Finanzbranche. Die Politik traut den Geldhäusern aber nicht so recht. Oder aber die ausstehenden Griechenland-Anleihen werden sofort in neue Papiere mit siebenjähriger Laufzeit getauscht, um dem Land eine verlässliche Atempause bei der Rückzahlung seiner Schulden zu geben. Letztere Variante wird von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble befürwortet. Ratingagenturen bezweifeln aber, dass hier wirklich auf Freiwilligkeit gesetzt wird.
Etliche europäische Großbanken haben zuletzt betont, dass sie sich einer Laufzeitenverlängerung auf freiwilliger Basis als „Ultima Ratio“ nicht verweigern würden. Sie wollen aber Sicherheiten, wenn sie weiter in griechische Anleihen investieren sollen, denn Griechenland alleine ist ihnen nicht mehr kreditwürdig genug. Für eine Absicherung gibt es mehrere Möglichkeiten: Der derzeitige Euro-Rettungsfonds EFSF könnte Garantien geben für die neuen griechischen Anleihen - zumindest für einen Großteil davon. Das findet auch Gerhard Hofmann, Mitglied des Vorstandes beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR): „Auf freiwilliger Basis wäre eine Laufzeitverlängerung wohl nur vorstellbar, wenn gleichzeitig die Rückzahlung griechischer Anleihen sicherer als heute würde, das heißt zum Beispiel eine Garantie vom EFSF gewährt würde.“ Oder die Privatisierungserlöse aus dem Schuldenstaat werden zur Absicherung der neuen Anleihen verwendet, möglicherweise über eine eigens eingerichtete Treuhandanstalt. In jedem Fall muss ein solventer Gläubiger als Rettungsanker her.
Über die Höhe der Zinsen für eventuelle neue griechische Bonds ist öffentlich bislang kaum diskutiert worden. Aus gutem Grund: Für die Banken steht die Sicherheit ganz oben auf der Agenda. Wenn die Garantien stimmen, könnten sie sich wohl auch mit einer sofortigen Verlängerung der Laufzeiten anfreunden. Umgekehrt bedeutet das, dass man die Banken nicht mit besonders hohen Renditen locken muss, sondern sich die Institute auch mit vergleichsweise geringen Risikoaufschlägen zufrieden geben würden. Für neue zehnjährige griechische Staatsanleihen wären dann Experten zufolge vier bis fünf Prozent Zinsen vorstellbar - also etwas mehr als die drei Prozent, die derzeit für zehnjährige Bundesanleihen fällig sind. Aktuell müsste Griechenland 17 Prozent Zinsen zahlen.
Mitten in der Diskussion über einen europäischen Kompromiss für die Rettung Griechenlands bekräftigte die Ratingagentur damit eine harte Beurteilung auch jener Lösungsformen, die von Staaten wie Deutschland in der Hoffnung auf ein freiwilliges Entgegenkommen der Gläubiger bevorzugt werden. Fitch werde die Kreditwürdigkeit Griechenlands bereits zum Zeitpunkt einer Vereinbarung nach dem Wiener Modell auf das drittklassige Niveau C herabstufen, betonte die Agentur weiter.
C bedeutet, dass nach Einschätzung der Agentur die Zahlungsunfähigkeit des Kreditnehmers unmittelbar bevorsteht. Darunter gibt es bei Fitch und Standard & Poor's nur noch die Klasse D für den Zahlungsausfall. Bei Moody's heißt diese Rubrik C. Auch S&P hat zuletzt erklärt, bei einer Restrukturierung der griechischen Anleihen von einer Staatspleite auszugehen.
Der Fall einer unmittelbar bevorstehenden Insolvenz würde damit eine Abwertung der Anleihen und eine Reihe von Umschichtungen an den Finanzmärkten nach sich ziehen, deren Folgen schwer abzusehen sind. Die Europäische Notenbank hat wiederholt davor gewarnt, dass die Konsequenzen rasch das Ausmaß der Lehman-Pleite annehmen könnten. In der Finanzkrise mussten weltweit Banken gerettet werden, deren Anlagevermögen schlagartig schrumpfte. Die hohe Verschuldung der Staaten ist eine Folge davon.
Die Regierung hat sich bereits mit den Vertretern der EU, des IWF und der EZB darauf geeinigt, den Grundfreibetrag in der Einkommensteuer von 12.000 auf 6.000 Euro zu senken.
Die Kfz-Steuern sollen um zehn Prozent erhöht werden, auf Erfrischungsgetränke will Finanzminister Giorgos Papakonstantinou eine Sondersteuer erheben.
Einige Waren und Dienstleistungen sollen mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 23 Prozent statt des reduzierten Satzes von 13 Prozent belastet werden, darunter die Rechnungen der Restaurants.
Höhere Steuern kommen auch auf die Inhaber wertvoller Immobilien zu: Ihnen will Finanzminister Papakonstantinou eine Sonderabgabe abknöpfen.
Auch höhere Sondersteuern auf Luxusautos, Motor- und Segeljachten sowie private Schwimmbäder sind geplant.
Auch bei den Ausgaben will die Regierung erneut den Rotstift ansetzen: ein Kabinettsausschuss unter Vorsitz von Vizepremier Theodoros Pangalos beschloss, 75 Behörden aufzulösen oder zusammenzulegen. Dadurch sollen in den Jahren 2012 bis 2015 etwa 650 Millionen Euro eingespart werden.
Auch die Privatisierungen, die als Schlüssel zu einer nachhaltigen Lösung der Schuldenkrise gelten, kommen in Gang: Die Deutsche Telekom hat bereits ihren Anteil an der Hellenic Telecom (OTE) erhöht. Insgesamt soll der Verkauf von Staatsbeteiligungen bis zu 50 Milliarden Euro einbringen.
Fitch betonte, dass das Wiener Modell für die Gläubiger zwangsläufig einen Wertverlust ihrer Investition bedeute. Zwar würden die Anleihen am Ende ihrer Laufzeit voll zurückgezahlt, aber eben nur durch neue Bonds über dieselbe Summe mit mittelfristiger Laufzeit und unverändertem Zinssatz. Diese Bedingungen seien „unterm Strich betrachtet“ schlechter als die ursprünglichen, erklärte Fitch. Zumal der griechische Staat als Emittent weiter in finanziellen Nöten stecke. „Folglich würde dies von Fitch als ein Schuldentausch unter Druck bewertet und damit als Insolvenzfall, selbst wenn die Beteiligung der Anleihe-Halter als freiwillig erachtet würde.“
Bei der Wiener Initiative hatten sich 2009 mehrere westeuropäische Banken freiwillig bereiterklärt, ihr Engagement in einigen finanziell schwer gebeutelten osteuropäischen Ländern beizubehalten. Sie hatten damit einen Zusammenbruch der dortigen Finanzsysteme verhindert und zur Stabilisierung der Region beigetragen.
Deutschland pocht in der Diskussion auf einen Beitrag der privaten Gläubiger zur Entlastung Griechenlands, damit nicht alle Kosten am Steuerzahler hängen bleiben. Geldgeber sollen sich aber eigentlich in der Euro-Zone vor einer Staatspleite sicher fühlen. Eine freiwillige Zustimmung soll demnach als Überbrückungshilfe und nicht als Ausweis eines vollen Zahlungsausfalls verstanden werden. Darauf setzt unter anderem die EZB.
Lieber Kreditphilosoph,
im Handelsblatt-Forum dürfen Sie nicht mit Sachargumenten kommen. Dies überfordert die meisten Poster hier vollkommen.
Aber da Sie ja in einem vorherigen Posting geschrieben hatten, Sie würden Ihren Augen nicht trauen, was die Ratingagenturen derzeit veranstalten:
Dahinter stecken klare wirtschaftliche Interessen. Schließlich haben sich die ganzen Zockerband(k)en wie Goldman Sachs, Deutsche Bank und Co. im letzten Jahr unter Garantie mit ungedeckten Credit Default Swaps auf Griechenland-Anleihen vollgesogen und auf eine Zahlungsunfähigkeit gewettet. Es ist daher egal, mit welchen guten Ideen Politik und Experten versuchen, Griechenland zu retten. Die Ratingagenturen werden jeden Versuch als Zahlungsausfall werten, denn dann ist für die skrupellosen Finanzhaie dieser Welt Zahltag!
Ihre Philosphie ist überflüssig, wenn Korruption, Betrug, Protektionismus, rigide Mentalitäten und Traditionen und eine "passende" Ideologie en vogue sind, angereichert mit den üblichen bekannten menschlichen Unzulänglichkeiten.
In Griechenland wurde nichts "erwirtschaftet", sondern veruntreut und verfrühstückt! Die von Ihnen unterstellten oder behaupteten "Erträge" hat es nie gegeben, keiner hat sich darum bemüht! Ideologengeschwafel!
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