
TOKIO. Die Analysten begründeten dies mit Zweifeln an der Wirtschaftspolitik von Premier Yukio Hatoyama: "Die Anpassung des Ausblicks reflektiert unsere Einschätzung, dass die sinkende Flexibilität in der japanischen Wirtschaftspolitik zu einer Herabstufung führen kann, wenn keine Maßnahmen gegen den Schuldendruck und die Deflationsgefahr ergriffen werden", teilte S&P am Dienstag mit. Die aktuelle Bewertung "AA" für japanische Papiere längerer Laufzeit sowie "A-1+" für Titel mit kürzerer Laufzeit werde derzeit beibehalten hieß es.
Teure Wahlkampfversprechen
Japans Staatsverschuldung dürfte in diesem Jahr bei ungefähr dem Doppelten der gesamten Wirtschaftsleistung liegen - das Land ist damit so stark verschuldet wie kein anderer Industriestaat. Das schränkt die Möglichkeiten der Regierung ein, die Wirtschaft mit weiteren Stützungspaketen anzukurbeln. Die japanische Notenbank bekräftigte am Dienstag ihre Politik des billigen Geldes. Der Zinssatz liegt bereits seit Monaten nahe Null. Die Regierung Hatoyama ist seit vergangenem September im Amt. Sie hat den Schwerpunkt der Wirtschaftspolitik verschoben und will zudem an teuren Wahlkampfversprechen festhalten, darunter ein Extra-Kindergeld und kostenlose Schulen. Die Rating-Experten fürchten, dass die Regierung Japans die Schulden nicht ausreichend senken wird. Im November hatte sich bereits die Ratingagentur Fitch kritisch geäußert, kurz zuvor hatte Moody's bereits eine weniger wichtige Anleiheklasse heruntergestuft.
Zwar sind es bisher ausschließlich einheimische Investoren wie die halbstaatliche Postbank, die dem Staat seine Anleihen für knapp über einem Prozent Zinsen abnehmen. Doch in den kommenden Jahren wird der Finanzminister angesichts sinkender Nachfrage im Inland auch Geldquellen im Ausland auftun müssen - und dann spielt plötzlich das Rating von Agenturen wie Standard & Poor's eine zentrale Rolle.
Dieser Testfall wird zwar erst in einigen Jahren eintreten, sagt Ökonom Martin Schulz vom Fujitsu-Forschungsinstitut. Doch schon jetzt machten sich die Marktteilnehmer große Sorgen um Japan, so Schulz. Das können die Ratingagenturen nicht ignorieren, die seit der Finanzkrise selbst in der Kritik stehen.
Obwohl keine akute Gefahr einer Insolvenz Japans bestehe, sehe der Ausblick düster aus, so Schulz. Er rechne damit, dass die Staatsverschuldung des Landes in den kommenden fünf bis sechs Jahren sogar auf 250 Prozent des Bruttoinlandprodukts steigen werde.