Ratingagentur warnt: Zyperns Bankenrettung könnte Präzedenzfall werden

Ratingagentur warnt
Zyperns Bankenrettung könnte Präzedenzfall werden

Standard & Poor's kritisiert die Beteiligung von Bankkunden an der Rettung Zyperns und spricht von einem möglichen Modell für künftige Problemfälle. Einfluss auf das Rating der Banken habe das jedoch nicht, heißt es.
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London/FrankfurtDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat den Rückgriff auf Bankkunden in der Rettung zyprischer Geldhäuser kritisiert. Auf die Bonitätsnoten europäischer Banken ergebe sich zwar keine unmittelbare Auswirkung, teilte S&P am Donnerstag mit. Allerdings habe das Vorgehen in Zypern möglicherweise einen Präzedenzfall geschaffen, der bei künftigen Rettungsaktionen Anwendung finden könnte. Der Rückgriff auf Großanleger, Gläubiger und Aktieninhaber sei verglichen mit vorherigen Fällen ein klarer Richtungswechsel.

S&P schließt sich mit seiner Kritik der Konkurrenz von Moody's und Fitch an. Die beiden anderen großen Ratingagenturen hatten den zyprischen „Bail-in“, bei dem im Gegensatz zu einem „Bail-out“ Geschäftsbanken nicht mit Steuergeldern gestützt werden, ebenfalls kritisiert. Auch das Krisenmanagement der europäischen Politik war mehrfach moniert worden.

Für Irritation in der Zypern-Krise hatte zunächst die geplante, aber letztlich nicht umgesetzte Belastung von Kleinsparern gesorgt. Im Nachgang stifteten Äußerungen von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem große Verwirrung. Er hatte das Vorgehen in Zypern zunächst als mögliches Modell für künftige Problemfälle bezeichnet, diese Äußerungen aber später revidiert.

S&P geht davon aus, „dass die einzelnen Regierungen in der Eurozone wahrscheinlich weiterhin bevorrechtigte Gläubiger der systemisch wichtigen inländischen Banken unterstützen werden, wenn sie über ausreichend finanzielle Kapazitäten verfügen“. Als Beleg für diese Annahme nannte S&P am Donnerstag die Verstaatlichung des niederländischen Finanzkonzerns SNS Reaal im Februar. Folglich plant die Agentur wegen der Ereignisse in Zypern nicht, die Ratings anderer Banken in der Euro-Zone zu senken.

S&P geht nicht davon aus, dass weitere „außergewöhnliche grenzüberschreitende“ Rettungsaktionen in der Euro-Zone nötig sind. Sollte ein solcher Notfall doch irgendwann eintreten, könnten Anleger aber durchaus wie im „Präzedenzfall Zypern“ an den Kosten der Rettung beteiligt werden, erklärte die Ratingagentur. Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass es in den starken Euro-Zonen-Ländern immer mehr Widerstand gebe, mit Steuergeld Institute in anderen Ländern zu stabilisieren.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ratingagentur warnt: Zyperns Bankenrettung könnte Präzedenzfall werden"

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  • "Zyperns Bankenrettung könnte Präzedenzfall werden"

    Ob Zypern ein Präzedenzfall ist oder nicht, das interessiert nicht. Was interessiert ist die Tatsache, dass die Bürger - auch bei uns - gegen diese politische Willkür nicht geschützt ist.

    Das stimmt nachdenklich und muss jeden Bürger in sich gehen lassen, ob er dies will.

    Das erste, was wir schon vor den Wahlen im Herbst fordern müssen, ist, dass die Akteure sofort auszutauschen sind.

    Von diesen Hütchenspielern können weder wir in Deutschland noch die Bürger in der EU weiter regiert werden.

    Darin müssen wir Bürger über die Parteigrenzen hinweg einig sein.

    Bei der 86%igen Zustimmung zum ESM-Rettungsschirm brauchen wir uns aus wenig Gedanken darüber zu machen, wer mitgestimmt hat oder nicht.

  • 28.3.13 Zypern könnte in der Tat Präzedenfall werden.Was Zypern widerfahren ist, kann allen Ländern widerfahren, in denen dem Raubeinkapaitalismus kein Einhalt geboten wird.Da gibt es die kleinen Staaten mit aufgeblähten Banken, wie Luxemburg und Malta. Aber auch in Frankfreich,Italien und Spanien brodelt es weiter.Großanleger müssen im Notfall zur Kasse gebeten werden, das ist richtig, denn sie profitieren am meisten vom bestehenden Finanzsystem. Doch, dies genügt nicht. Deshalb ist es dringend erforderlich, die Bankenunion sofort zu installieren. Diese hat die Aufgabe,Zockerbanken zu regulieren und zu kontrollierren, sie ggf. abzuwickeln, bevor das große Unheil ausbricht. Und neben den nationalen Einlagensicherungsfonds muß ein zusätzlicher auf europäischer Ebene aufgebaut werden. In der Reihenfolge eines Zugriffs auf Gelder im Notfall muss dann ein festgeschriebenes Ranking stattfinden. Zuerst wird auf einen nationalen Fond des kollabierenden Landes zugegriffen. Danach müssen die Steuerzahler dieses Landes zur Kasse gebeten werden. Erst im dritten Schritt darf ein europäischer Fond angezapft werden. Reicht dann das Geld nicht, kann man den europäischen Rettungsschirm aktivieren. Und zugleich müssen korrupte Politiker eines Landes zur Verantwortung gezogen werden. So sieht Rettung aus. Wolfgang Werkmeister,Buchautor,Eschborn

  • "Dies sei auch darauf zurückzuführen, dass es in den starken Euro-Zonen-Ländern immer mehr Widerstand gebe, mit Steuergeld Institute in anderen Ländern zu stabilisieren"

    Und das ist auch richtig so.
    Bin dafür ein "Bank-Verbraucherrating" zu implementieren.
    Da die jetzigen Agenturen wohl mehr auf stümperhafte Geldvermehrung stehen, als auf echte Wertbildung und Werterhaltung.

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