Leitwährung ohne Glanz
NEW YORK.Von Panik zu reden wäre übertrieben. Aber Furcht geht schon um in den USA, dass Hauptgläubiger wie China, Japan oder Russland wegen des gewaltigen Haushaltsdefizits ihr Vertrauen in die seit Jahrzehnten auf Pump lebende Nation verlieren könnten. Es spricht Bände, dass chinesische Studenten US-Finanzminister Tim Geithner Anfang Juni in Peking einfach auslachten, nachdem Geithner Dollar-Anlagen als "sicher" bezeichnet hatte.
Seit Wochen ist international eine Debatte in Gang, ob das Budgetdefizit der USA von 1,75 Billionen Dollar Ende dieses Jahres - das sind 12,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - nicht zu einem Überangebot an Anleihen und steigenden Zinskosten führen könnte - und der schleichenden Auszehrung des Dollars als weltweite Leitwährung. Aus diesen Gründen zogen die Renditen der US-Staatsanleihen zeitweise drastisch an und drohten, die schuldenfinanzierten Konjunkturprogramme der USA weiter zu verteuern. Wie stark Amerika mittlerweile vom Wohlwollen der Gläubiger abhängig ist, zeigte sich, als die Renditen erst wieder fielen, nachdem der japanische Finanzminister den US-Staatsanleihen sein Vertrauen ausgesprochen hatte. Und der Dollar zog erst wieder an, nachdem Moskau erklärt hatte, es sei noch zu früh, um über eine Alternative zur heutigen Leitwährung nachzudenken.
Während die Kapitalmärkte zumindest eine Erschütterung des Investorenvertrauens in die USA signalisieren, halten die Ratingagenturen an ihrem Toprating "AAA" fest. "Es ist unwahrscheinlich, dass die USA ihr Rating mittelfristig verlieren", erklärte Nikola Swann, Analyst bei Standard & Poor´s. Als Hauptgründe nannte er die von der US-Regierung geplante Rückführung des Staatsdefizits und die stark diversifizierte Wirtschaft mit ihrem besonders flexiblen Arbeitsmarkt.
Angst vor dem Untergang
ATHEN. Mit griechischen Staatsanleihen können mutige Anleger gut verdienen: Die Rendite des zehnjährigen Bonds liegt bei 5,25 Prozent. Die hohen Zinsen reflektieren die Zweifel an der Kreditwürdigkeit Griechenlands - nicht nur wegen der aktuellen Finanzkrise. Denn Griechenland hat chronische Probleme: Trotz boomender Konjunktur konnte Athen seit dem Beitritt zur Euro-Zone 2001 nur in einem Etatjahr die Defizit-Vorgaben des Stabilitätspakts einhalten. Jetzt verlangt EU-Währungskommissar Joaquín Almunia "rigorose Maßnahmen, um die systematischen Budget-Entgleisungen zu beenden". Doch die steigenden Ausgaben für den Schuldendienst werden den Haushalt noch lange schwer belasten - und damit auch die Bonität des Landes. Die Ratingagentur Fitch, die im Mai den Ausblick für Griechenland von "stabil" auf "negativ" senkte, prognostiziert für 2010 einen Anstieg der Gesamtverschuldung von 97,6 auf 106 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Finanzminister Giannis Papathanassiou räumt ein: "Die Zeit der Ausreden ist vorbei. Entweder wir reduzieren das Etatdefizit, oder wir gehen unter."
Kredit nur gegen Spitzenzinsen
WIEN. Ungarn hat große volkswirtschaftliche Probleme - und entsprechend erhebliche Schwierigkeiten mit seiner Bonität auf den internationalen Finanzmärkten. Die Zentralbank in Budapest hat gestern den Leitzins bei 9,5 Prozent belassen; er ist einer der höchsten in Osteuropa. "An diesen hohen Zinsen wird sich in nächster Zeit auch nichts ändern", sagt Orsolya Nyeste, Volkswirtin bei der Ersten Bank in Budapest.
Auch am Spread, dem Zinsabstand für zehnjährige Staatsanleihen zu deutschen Papieren, lassen sich die erheblichen Bonitätsprobleme der Ungarn ablesen: Der Aufschlag gegenüber Staatsanleihen aus Deutschland liegt für den ungarischen Finanzminister aktuell bei 6,5 Prozentpunkten - ebenfalls ein absoluter Spitzenwert für Osteuropa. Für die Slowakei beträgt der Zuschlag 1,6 Punkte, für Polen gut 2,5 Punkte.
Ungarn stand Ende vergangenen Jahres nahe am Staatsbankrott. Nur das gemeinsame Hilfspaket von Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU bewahrte das kleine Land vor größeren Problemen. Seitdem leidet Ungarn unter dem Vertrauensverlust internationaler Investoren.