_

Razzia bei Stiftung: Deutschland und USA wollen auf ägyptische Justiz einwirken

In Kairo waren die Büros von etlichen Organisationen durchsucht worden, darunter Räumlichkeiten der Konrad-Adenauer-Stiftung. Gerichtsprozesse sollen jetzt anlaufen. Außenminister Westerwelle sagt, was er tun will.

Die Behinderung von Stiftungen sei „in keiner Weise akzeptabel“, sagte Bundesaußenminister Westerwelle (FDP) Quelle: dpa
Die Behinderung von Stiftungen sei „in keiner Weise akzeptabel“, sagte Bundesaußenminister Westerwelle (FDP) Quelle: dpa

Shannon / KairoWegen angeblich verbotener Aktivitäten müssen sich in Ägypten offenbar 40 Mitarbeiter von Menschenrechtsorganisationen und Stiftungen verantworten. Die Beschuldigten würden vor ein Gericht in Kairo gestellt, verlautete am Sonntag aus Justizkreisen. Einer der betroffenen Bürger sei Sam LaHood, Sohn des US-Verkehrsministers Ray LaHood. Er zeichnete für das ägyptische Büro des International Republican Institute verantwortlich. Über alle Beschuldigten sei ein Ausreiseverbot verhängt worden. Dieser Schritt dürfte den Streit zwischen Ägypten und den USA über das Vorgehen des nordafrikanischen Landes gegen Nichtregierungsorganisationen (NGO) Ende 2011 verschärfen.

Anzeige

Die USA haben von der Regierung in Ägypten Aufklärung über die anstehenden Prozesse verlangt, die sich gegen zahlreiche Mitglieder von Nicht-Regierungsorganisationen richten. „Wir sind sehr besorgt über diese Informationen“, sagte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Victoria Nuland, am Sonntag im irischen Shannon bei einem Besuch von US-Außenministerin Hillary Clinton. „Wir ersuchen um Klärung bei der ägyptischen Regierung“.

Die ägyptische Justiz will insgesamt 44 Menschen, unter ihnen 19 US-Bürger und weitere Ausländer, wegen der illegalen Finanzierung von ägyptischen und ausländischen regierungsunabhängigen Organisationen den Prozess machen. Ende Dezember waren in Kairo die Büros von 17 Organisationen durchsucht worden, darunter auch die der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

Die ägyptische Regierung hatte zur Rechtfertigung der Razzien erklärt, nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak im Zuge des Volksaufstands Anfang 2011 hätten ausländische Organisationen illegalerweise Büros in Ägypten eröffnet. Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay kritisierte die Durchsuchungen dagegen als Versuch der Regierung, langjährige Verteidiger der Menschenrechte einzuschüchtern.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, die „Behinderungen von Stiftungen“ seien „in keiner Weise akzeptabel“. Deutschland werde auf die ägyptische Seite einwirken, damit die politischen Stiftungen ihre bewährte Arbeit fortsetzen könnten, fügte Westerwelle hinzu. Er habe erst vor kurzem mit der ägyptischen Regierung und der Militärführung darüber gesprochen.

  • 06.02.2012, 09:58 UhrAnonymer Benutzer: HansMeiser

    Das sind ja zwei hervorragende Demokratielehrer, Westerwelle und seine amerikanischen Freunde!

  • 06.02.2012, 09:57 UhrAnonymer Benutzer: Tylerdurden

    Soso, die deutsche Regierung will auf die aegyptische Justiz einwirken!
    Da wuerd ich doch mal gerne wissen, wie es die Regierung faende, wenn die Aegypter auf die deutsche Justiz Einfluss nehmen wuerden Nur so viel zum Thema Unabhaengigkeit der Justiz und so...Ausserdem wuensch ich mir, dass bald eine ganz ueble agyptisch-salafistische Stiftung in Deutschland aktiv Einfluss auf die deutsche Innenpolitik nimmt (Verbot von Schweinefleisch, Bikiniverbot, ...weiss Gott was alles). Nicht, weil ich deren Forderungen gut faende, aber es wuerde vielleicht paedagogisch fuer unsere Politiker sehr sinnvoll sein. 100 Mio Eur zahlen wir Steuerzahler jaehrlich allein fuer die Auslandsaktivitaeten unserer Parteienstiftungen. Wahnsinn, doch da hab ich noch nirgends einen kritische Berichterstattung dazu gelesen. Stattdessen druckt jede Qualitaetszeitung den gleichen Standardtext von dpa nach

  • 06.02.2012, 08:33 UhrAnonymer Benutzer: Thomas-Melber-Stuttgart

    Ich kann die ägyptische Regierung nur zu gut verstehen - ich will in Deutschland die DITIB ja auch nicht. Und wenn man sich die Aktivitäten des amerikanischen IRI genauer ansieht - nun ja.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Über 90 Tote: Entsetzen über Massaker in Syrien

Entsetzen über Massaker in Syrien

Bei einem Massaker sind in Syrien mehr als 90 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter auch viele Kinder. Die entsetzte internationale Gemeinschaft fordert erneut ein Ende der Gewalt - doch das Blutvergießen geht weiter.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International