Razzien in Türkei Erdogan will Baklava-Unternehmern ans Vermögen

Razzien in 18 Städten: Die türkische Polizei geht gegen Firmen vor, die Verbindungen zum Prediger Gülen haben sollen. Zugleich beschlagnahmt sie das Vermögen von Geschäftsleuten. Betroffen sind auch prominente Manager.
Update: 18.08.2016 - 16:27 Uhr
Türkische Ermittler haben 187 Geschäftsleute zur Fahndung ausgeschrieben. Quelle: dpa
Harte Hand in der Türkei

Türkische Ermittler haben 187 Geschäftsleute zur Fahndung ausgeschrieben.

(Foto: dpa)

Ankara/IstanbulDie türkische Polizei hat in 18 Städten gleichzeitig Razzien gegen Firmen mit Verbindungen zu dem im US-Exil lebenden Geistlichen Fethullah Gülen unternommen. 204 Geschäftsräume seien am Donnerstag durchsucht worden, nachdem für 187 Geschäftsleute Haftbefehle ausgestellt worden waren. Sie werden der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und der finanziellen Unterstützung einer Terrororganisation beschuldigt. Ein Gericht ordnete zudem laut Anadolu die Beschlagnahmung des Vermögens von 187 Verdächtigen an. Der türkische EU-Minister Ömer Celik forderte auch in Deutschland ein Verbot von Gülen nahestehenden Unternehmen.

Von den knapp 190 gesuchten Unternehmern seien am Donnerstag 60 festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Dogan. Ihnen wird die „Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation“ und „Finanzierung der Aktivitäten“ vorgeworfen. Die türkische Regierung beschuldigt Gülen und seiner Bewegung, hinter dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli zu stecken. Gülen weist die Vorwürfe zurück.

Zu den Betroffenen zählten die bekannten Geschäftsmänner Faruk Güllüoglu und Ömer Faruk Kavurmaci, berichtete die Nachrichtenagentur DHA. Die Güllüoglu-Familie gehört zu den bekanntesten Süßspeisen-Herstellern der Türkei. Vor allem sind sie für ihr Baklava, ein türkisches Gepäck, berühmt. Kavurmaci ist nach Medienberichten der Schwiegersohn des Istanbuler Bürgermeisters Kadir Topbas und Vorstandsvorsitzender der Firma Aydinli, die unter anderem auf dem Immobilienmarkt tätig ist. Das Bekleidungsunternehmen hat demnach 476 Geschäfte in 39 Ländern. In Kavurmacis Büro seien Bücher Gülens und eine von dem Prediger verliehene Plakette gefunden worden.

Mehr als 40.000 Festnahmen in der Türkei
Zehntausende Türken von Säuberungswelle betroffen
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat nach dem gescheiterten Militärputsch im Juli hart durgegriffen. Von der „Säuberungswelle“ sind bislang Zehntausende Menschen betroffen. 79.900 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hätten ihre Jobs verloren, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am späten Mittwochabend in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Mehr als 40.000 Menschen festgenommen
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40.029 Menschen seien festgenommen worden, gegen 20.355 von ihnen sei Haftbefehl ergangen, sagte Yildirim weiter.

Zahlreiche Firmen geschlossen
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Zudem wurden 4262 Firmen und Einrichtungen geschlossen, weil sie mit dem Prediger Fethullah Gülen zusammengearbeitet haben sollen. Die türkische Regierung sieht Gülen als Drahtzieher des Putsches.

Tausende Unternehmen müssen noch zittern
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Ermittler des  Finanz-, Innen- und Justizministeriums seien dabei, rund 4000 Gülen-nahe Firmen und Organisationen zu durchleuchten, schrieb kürzlich die regierungsnahe Zeitung „Sabah“. Unternehmer, die Gülen finanziell unterstützten, müssen mit Anklagen wegen Geldwäsche und Beihilfe zum Terrorismus rechnen. Betroffen von den Säuberungen in der Geschäftswelt war unter anderem der Boydak-Konzern. Das Familienunternehmen ist im Energie- und Finanzsektor aktiv. Der Firmenchef Mustafa Boydak und weitere Manager des Familienunternehmens wurden festgenommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Säuberungen betreffen auch die Finanzwelt
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Die Behörden hatten bereits unmittelbar nach dem Putschversuch Gülens Finanznetzwerk ins Visier genommen und die Bank Asya geschlossen. Das wichtigste Geldinstitut der Bewegung soll liquidiert werden.

Angebliche Gülen-Anhänger im Visier
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Die von Erdogan durchgesetzten „Säuberungen“ richten sich gegen Anhänger von Fethullah Gülen (Foto) in Polizei, Militär, Justiz, Verwaltung, Bildungswesen und Medien.

Zahlreiche Zeitungen geschlossen
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Mehr als 130 Zeitungen und andere Medien wurden ebenso geschlossen wie Schulen und Universitäten. Gegen Dutzende regierungskritische Journalisten gab es Haftbefehle.

Auch gegen den Präsidenten des türkischen Unternehmerverbandes Tüskon, Rizanur Meral, wurde laut der Nachrichtenagentur Dogan ein Haftbefehl ausgestellt. Der 2005 gegründete Verband hat 55.000 Mitglieder.

Erst am Dienstag hatte die türkische Polizei Dutzende Unternehmen in Istanbul durchsucht. Die Namen der durchsuchten Firmen wurden zunächst nicht genannt. Ende Juli war die türkische Regierung bereits gegen den Boydak-Konzern vorgegangen. Der Firmenchef Mustafa Boydak und weitere Manager des Familienunternehmens wurden festgenommen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu damals berichtete.

Die Ermittlungen stünden im Zusammenhang mit den finanziellen Aktivitäten der Gülen-Bewegung. Die Boydak-Holding ist im Energie- und Finanzsektor aktiv. Das Familienunternehmen besitzt zudem die bekannten Möbelmarken Istikbal und Bellona.

  • ap
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