Reaktion auf Mohammed-Karikaturen
„Angriff auf 1,5 Milliarden Muslime“

Der Streit über die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Zeitung droht zu eskalieren. Staunend beobachten die an beißende Satire gewöhnten Menschen in der westlichen Welt, wie Muslime Boykottkampagnen organisieren und Mordaufrufe starten. Dabei haben die meisten die Bilder noch nicht einmal gesehen.

HB KAIRO. Was zuerst aussah wie ein Sturm im Wasserglas, hat sich zu einer riesigen Welle der Empörung hochgeschaukelt: Regierungen ordern ihre Botschafter zurück und die Arabische Liga fordert eine Garantie von der dänischen Regierung, „dass so etwas nicht noch einmal vorkommt“. Gingen die Meinungen in der arabischen Welt bei der Debatte über das Kopftuchverbot in französischen Schulen noch weit auseinander, so findet man in der Region heute nur wenige Muslime, die sich über die Veröffentlichung dieser Bilder nicht erregen.

Fragt man Muslime, was sie konkret an den Karikaturen empört, so ist es meist nicht das im Islam geltende Bilderverbot, das es den Gläubigen verbietet, Gott oder den Propheten in menschlicher Gestalt darzustellen. Denn trotz des Verbots hatte es auch früher schon Muslime gegeben, die Mohammed in Filmen von Schauspielern darstellen ließen und Zeichnungen veröffentlichten, die ihn darstellen sollten. Einzig im islamischen Königreich Saudi-Arabien, das ohnehin so bilderfeindlich ist, dass selbst in Freizeitparks keine gemalten Figuren mit Gesichtern zu finden sind, hält man die Tatsache, dass der Prophet überhaupt abgebildet wurde, schon für eine unerträgliche Form der Gotteslästerung.

Die meisten der aufgebrachten Kritiker der Karikaturisten in anderen islamischen Ländern sehen die Veröffentlichung der Zeichnungen jedoch im derzeitigen politischen Klima vielmehr als Ausdruck einer aus ihrer Sicht wachsenden islamfeindlichen Haltung im Westen. Dabei haben nicht alle, die jetzt nach Strafe rufen, die Zeichnungen überhaupt gesehen. Viele kennen den Inhalt nur vom Hörensagen.

„Das ist doch Terroristen-Klischee“

Unter denjenigen, die die Karikaturen angeschaut haben, stößt deshalb vor allem die Abbildung, die Mohammed mit einer Bombe auf dem Kopf zeigt, auf Empörung. „Das ist doch wieder dieses Klischee, dass die Muslime generell Terroristen sind“, ärgert sich eine ägyptische Journalistin. „Die Ablehnung von Bildern des Propheten ist für mich eine Glaubensfrage, aber ich erwarte von anderen nicht, dass sie sich auch daran halten“, erklärt Abdul Dschalil al-Scharnubi, der für den Internetauftritt der ägyptischen Muslimbruderschaft verantwortlich ist. Bei einer veralbernden Darstellung Mohammeds hören für ihn jedoch Spaß und Toleranz auf. Sich über den Propheten lustig zu machen, sei nicht akzeptabel, meint er, „so viel Respekt für den Anderen kann man erwarten“.

Seite 1:

„Angriff auf 1,5 Milliarden Muslime“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%