Reaktion auf Sanktionen
Russland weist hunderte US-Diplomaten aus

Als Reaktion auf die US-Sanktionen verweist Russland 755 Diplomaten des Landes. Das bestätige Wladimir Putin am Sonntag. Er hatte bereits zuvor mit Rache gedroht. Die Amerikaner bedauern die Maßnahme.
  • 17

MoskauRussland wird angesichts der beabsichtigten neuen US-Sanktionen insgesamt 755 amerikanische Diplomaten des Landes verweisen. Das sagte Kremlchef Wladimir Putin der Agentur Tass zufolge am Sonntagabend. „Wir haben schon eine Weile auf positive Veränderungen (seitens der USA) gewartet. (...) Sollte das irgendwann passieren, wird es nicht bald sein“, sagte Putin. „Wir müssen zeigen, dass wir nichts unbeantwortet lassen.“

Mit den Maßnahmen reagiert Russland auf neue US-Sanktionen, die der Senat am Donnerstag mit großer Mehrheit beschlossen hatte. US-Präsident Donald Trump hat den Entwurf zwar noch nicht unterzeichnet, aber die Absicht dazu bekundet. Diese Sanktionen zeigten die aggressive Haltung der USA gegenüber Russland, hieß es in der Mitteilung.

Russland wolle aber mit den Gegenmaßnahmen nicht auf die Unterschrift Trumps warten, da die Sanktionen technisch beschlossene Sache seien, hatte das Außenministerium am Freitag mitgeteilt. Moskau verzichte zunächst auf weitere Sanktionen gegen die USA. „Ich denke nicht, dass es sie geben sollte. Sie könnten die Entwicklung der internationalen Beziehungen beschädigen“, sagte Putin. Russland sei weiterhin offen, in vielen Bereichen mit den USA zusammenzuarbeiten.

Washington solle aber bis zum 1. September die Zahl seiner Mitarbeiter in der Botschaft und in den Konsulaten in Russland auf 455 senken, hatte das Außenministerium am Freitag weiter angekündigt. Wie viele US-Diplomaten das Land verlassen sollten, war zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich bekannt. Zudem würden zum 1. August zwei Landhäuser bei Moskau geschlossen, die das US-Personal nutzt. Weitere Gegenmaßnahmen behalte sich Russland vor.

Das amerikanische State Department reagierte mit Bedauern. Der Schritt sei unangemessen und bedauerlich, erklärte das US-Außenministerium am Sonntag (Ortszeit) in einer Mitteilung. Nun seien die Auswirkungen der Beschränkung abzuwägen und wie darauf reagiert werde. Weitere Kommentare werde es zunächst nicht geben.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) kritisierte die US-Sanktionen gegen Russland erneut und drohte den Vereinigten Staaten mit Gegenmaßnahmen. Das US-Gesetz sehe auch Sanktionen gegenüber deutschen und europäischen Unternehmen vor. „Wir halten das schlicht und ergreifend für völkerrechtswidrig“, sagte Zypries den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Die Amerikaner können nicht deutsche Unternehmen bestrafen, weil die sich in einem anderen Land wirtschaftlich betätigen.“

Zypries bekräftigte erneut, man wolle keinen Handelskrieg. Daher habe man mehrfach dafür geworben, dass die Amerikaner die Linie der gemeinsamen Sanktionen nicht verlassen. „Leider tun sie es doch. Deshalb ist es richtig, wenn die EU-Kommission jetzt Gegenmaßnahmen prüft.“ Europa sei „bereit, auch kurzfristig Gegenmaßnahmen ergreifen - auch auf anderen Gebieten“, sagte die Bundeswirtschaftsministerin.

Das US-Repräsentantenhaus hatte zuvor einen Gesetzentwurf verabschiedet, der geltende Strafmaßnahmen gegen Russland verschärft. Damit soll Russland für die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, die Unterstützung von Syriens Präsidenten Baschar al-Assad im Bürgerkrieg sowie eine mutmaßliche Einflussnahme auf die US-Präsidentschaftswahl bestraft werden. Im Zentrum der Sanktionspläne steht dabei der Energiebereich, in dem die USA und Russland Konkurrenten sind.

Zuvor hatte der US-Kongress mit überwältigender Mehrheit in beiden Kammern den Weg für den Gesetzentwurf freigemacht. Die Abgeordneten stellten sicher, dass der Präsident die Sanktionen gegen Russland nicht ohne Zustimmung des Kongresses aufheben kann.

Kritik an den verschärften Sanktionen kam aus Deutschland. Das deutsche Wirtschaftsministerium etwa hatte die Entscheidung des US-Senats für schärfere Sanktionen gegen Russland heftig kritisiert. „Ich halte die nun vom Senat getroffene Beschlussfassung für falsch und gefährlich“, sagte Staatssekretär Matthias Machnig.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Reaktion auf Sanktionen: Russland weist hunderte US-Diplomaten aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Frau Annette Bollmohr

    >> Gemeinsam sind wir – die Nicht-Despoten-Anhänger dieser Welt – allemal unbezwingbar. >>

    Ja ja, -die Nicht -Dispoten dieser Welt-.....hier LÜGEN Sie unverfroren, aber ich habe Sie ja richtigerweise in die Ecke der LÜGENPRESSE dieser Welt auch eingeordnet !

    Ihr DISPOT ist ein anderer, verehrte Frau Bollmohr.

    Ihr DISPOT heißt SED ( Sozialistischer Einheitsbrei Deutschlands ), der eine VERLOGENE, POLITKORREKTE REPRÄSENTATIVE DEMOKRATIE propagiert.....ein Wolf im Schafspelz sozusagen.

    Sie versuchen ganz UNVERBLÜMT Labels der DISPOTEN zu verteilen, übersehen dabei aber den Haupt-DISPOTEN in diesem Lande.....die DIKTATUR der SED !

    Und als Anhänger dieses Dispoten betreiben Sie auch ihre Propaganda !


  • @Herr Vinci Query, 31.07.2017, 11:33 Uhr

    „Sie legen sich ja mächtig ins Zeug für die LÜGENPRESSE !“

    Ganz ehrlich, ich freue mich über Ihren Kommentar.

    Jetzt kann ich wenigstens ganz sicher sein, dass ich mir die richtigen Gegner ausgesucht habe.


    Hier noch eine wichtige Ergänzung zu meinen Kommentaren zu diesem HB-Artikel (10:17/10:59 Uhr):

    Nordkoreas Kim Jong-un habe ich ganz bewusst nicht unter den „Möchtegern-Despoten“ aufgelistet, weil der es – vermutlich mit Unterstützung Chinas (und evtl. anderer, gleichgesinnter Regime) – es längst „geschafft“ hat.

    Wie auch immer: Gemeinsam sind wir – die Nicht-Despoten-Anhänger dieser Welt – allemal unbezwingbar.

    Wär‘ allerdings mehr als wünschenswert, wenn wir (Sie selbst grenzen sich da ja ganz offensichtlich aus) etwas schneller „in die Gänge kommen“ würden.

  • Verschwurbelt ist ihr Kommentar ( falls sie ihren Satz für einen Kommentar halten ), verehrter Blumenhagen !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%