Reaktion
USA laden iranische Diplomaten wieder aus

Die US-Regierung hat iranische Diplomaten wieder ausgeladen, die eine Einladung zu den Feiern zum amerikanischen Nationalfeiertag erhalten hatten. „Im Lichte der ungerechten Aktionen“ gegen die Oppositionsbewegung in Teheran wäre eine Teilnahme iranischer Diplomaten am 4. Juli nicht angemessen, erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton. In Iran meldet die Opposition unterdessen die Festnahme von 70 Professoren.

HB WASHINGTON/TEHERAN. "Leider haben sich die Umstände geändert", schrieb Clinton am Mittwoch in einem Schreiben an Mitarbeiter des State Departements im Ausland. Allerdings hat bisher nach Angaben des Ministeriums kein iranischer Diplomat eine solche Einladung angenommen. Der frühere Beschluss, iranische Vertreter zu den Feiern einzuladen, galt als Geste des guten Willens, mit der die US-Regierung ihre Absicht zur Entspannung unterstreichen wollte. Die besondere Erlaubnis des Außenministeriums war erforderlich, weil die USA und der Iran keine diplomatischen Beziehungen unterhalten.

Unterdessen legten Sympathisanten der iranischen Regierung mit einem Hackerangriff den Web-Server einer amerikanischen Universität vorübergehend lahm. Der Zugang zur Universität von Oregon wurde am Mittwoch automatisch umgeleitet auf eine Webseite, die US-Präsident Barack Obama aufforderte, sich nicht in die iranischen Angelegenheiten einzumischen. Es habe bei der Präsidentenwahl vom 12. Juni keinen Betrug gegeben, hieß es dort weiter. Diese Mitteilung war etwa 90 Minunten online, ehe Techniker der Universität den früheren Zustand wiederherstellten. Die Angreifer hätten keinen Zugang zu Personalcomputern der Uni gehabt, sagte Uni-Sprecherin Diane Saunders. Auch sei keine Schadenssoftware entdeckt worden.

In Iran sind nach Angaben der Opposition 70 Hochschulprofessoren nach einem Treffen mit dem Präsidentschaftskandidaten Mir-Hossein Mussawi festgenommen worden. Wie die Mussawi-nahe Website Kalemeh berichtete, wurden die Akademiker am Mittwochabend abgeführt. Über ihren Verbleib sei nichts bekannt. Beobachter werteten die Festnahmen als weiteres Zeichen eines verschärften Vorgehens der Behörden gegen die Oppositionsbewegung.

Mussawi nach tagelangen blutigen Protesten und dem brutalen Vorgehen der Sicherheitskräfte weitere Opfer bei den Demonstrationen gegen die Präsidentenwahl vermeiden und setzt jetzt auf Verhandlungen. Mehrere hochrangige Parlamentsabgeordnete hätten am Mittwoch Mussawi sowie den früheren Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani getroffen, berichtete die Nachrichtenagentur Fars. Mussawi und Rafsandschani hätten den Wunsch geäußert, den Konflikt um den die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad beizulegen, sagte der Vorsitzende des Sicherheitsausschusses des Parlaments, Aladdin Burudscherdi.

Es war das erste Treffen Mussawis mit Offiziellen seit Beginn der Massenproteste gegen das Wahlergebnis vor fast zwei Wochen, bei denen bisher mindestens 17 Menschen ums Leben gekommen sind. Mussawi wirft Ahmadinedschad Wahlbetrug vor und verlangt eine Wiederholung des Urnengangs, was das konservative Lager strikt ablehnt.

Die Europäische Union rief unterdessen das Regime in Teheran zur Mäßigung auf wies und dessen Vorwürfe besonders gegen Großbritannien mit scharfen Worten zurück. Anschuldigungen, die EU oder einzelne ihrer Mitgliedstaaten hätten sich in die iranischen Wahlen eingemischt, seien "haltlos und inakzeptabel", teilte die EU-Ratspräsidentschaft am Mittwochabend in Brüssel mit. "Die EU ist tief besorgt über die anhaltende brutale Gewalt gegen Demonstranten, die bereits Menschenleben gefordert hat", heißt es in der Erklärung weiter.

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