Reaktionen auf Macrons Reformpläne „Deutschland und Frankreich sind kein liebendes Ehepaar“

Der französische Präsident Macron will Begeisterung für ein neues Europa wecken und setzt dabei auf die deutsch-französische Partnerschaft. In den europäischen Medien treffen seine Visionen nicht nur auf Zustimmung.
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Präsident Emmanuel Macron will Begeisterung für ein neues Europa wecken Quelle: Reuters
Emmanuel Macron

Der französische Präsident ist mit den Worten zitiert worden, er sei „tot“, falls Merkel eine Koalition mit der FDP eingehe.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfFrankreichs Präsident Emmanuel Macron hat weitreichende Reformpläne für die EU: Er will Europa neu gründen und betont dabei immer wieder die Rolle der deutsch-französischen Partnerschaft. Mit seinen Visionen und Forderungen an Bundeskanzlerin Angela Merkel platzt Macron mitten in die schwierigen Koalitionsverhandlungen nach den Bundestagswahlen.

Die Amsterdamer Zeitung „De Telegraaf“ hält den gewählten Zeitpunkt nicht für Zufall: „Macron wollte seine Pläne unterbreiten bevor Merkel einen Koalitionsvertrag mit ihren Partnern geschlossen hat, zu denen auch die liberale FDP gehört, die wenig von seinen richtungsweisenden Ideen halten dürfte. Über die Währungsunion sagte Macron wenig Neues. Der französische Präsident will noch immer einen Finanzminister, ein Parlament und einen Haushalt für die Eurozone. Von Letzterem halten Merkel und die FDP ganz und gar nichts, vor allem weil die Schatzkiste – nach Macrons Vorstellungen – durch eine europäische Steuer gefüllt werden muss.“

Aber das französische Staatsoberhaupt reiche Deutschland auch die Hand. Laut „De Telegraaf“ ist der Transfer der aufgelaufenen Schulden anderer Euroländer für Macron keine Zwangsläufigkeit. Auch wolle er Deutschland bei der Betreuung und Ausbildung von Flüchtlingen unterstützen. „So schaffte sich der französische Präsident etwas Verhandlungsspielraum für seine weitreichenden Pläne, für die es in Deutschland stets weniger Unterstützung gibt“, erklärt die Amsterdamer Zeitung.

Die französische Regionalzeitung „La République des Pyrénées“ bezweifelt, dass die Bemühungen des französischen Präsidenten ausreichend seien: „Er (Macron) zwingt vor allem Angela Merkel dazu, sich zu seinen Ideen zu positionieren (...). Ist das genug, um Europa wieder zum Laufen zu bringen? Die Zukunft wird es zeigen, aber die jüngste Vergangenheit hat gelehrt, dass Europa gegenüber populistischen Nationalisten von rechts und links weiterhin attraktiver ist als man denkt (...).“ Doch so pessimistisch der Ausblick der Regionalzeitung auch seien mögen, es gibt auch einen Lichtblick: „Sollte er es schaffen, auch nur einen Teil seiner Vorschläge umzusetzen, wäre das bereits ein wichtiger Fortschritt in einem stillstehenden Europa.“

In Zürich zieht der „Tages-Anzeiger“ den Hut vor Frankreichs Eingeständnis: „Vor Emmanuel Macron hat noch nie ein Präsident in Paris eingestanden, dass es selbst für das stolze Frankreich echte Souveränität nur noch als Teil der EU gibt. Nur gemeinsam haben die Europäer überhaupt eine Chance, ihren Wohlstand und ihr Sozialmodell zu verteidigen.“ Trotzdem werde fast alles auf der Agenda von Macron in anderen Hauptstädten zuerst einmal auf Skepsis stoßen. Dass Merkel nach den deutschen Wahlen geschwächt dasteht, sei für den französischen Präsidenten allerdings das größte Problem. „Der deutsch-französische Motor wird nicht so schnell in Gang kommen, wie es sich der Präsident in Paris wohl erhofft hat. Am Ende könnte Macron als einsamer Rufer in der Wüste dastehen“, erklärt die Zeitung.

„Europa muss neu gegründet werden“

„Europa muss neu gegründet werden“

Obwohl Großbritannien nichts mehr mit der EU zu tun haben will, beschäftigt sich auch die Londoner „Times“ mit Macrons EU-Visionen. Die Zeitung sieht besonders in der Koalitionsentscheidung von Kanzlerin Merkel einen Wegweiser für die Zukunft – besonders für den französischen Präsidenten: „Macron ist mit den Worten zitiert worden, er sei „tot“, falls Merkel eine Koalition mit der FDP eingehe. Doch nun wird erwartet, dass die Kanzlerin genau das tut. Es gab schon immer eine Kluft zwischen den französischen und den deutschen Vorstellungen von der fiskalischen Konsolidierung Europas. Sollte Merkel eine Koalition mit der FDP und den Grünen eingehen, dürfte sich diese Kluft eher vergrößern als verkleinern.“

Auch deutsche Medien schauen sich Macrons Reformvorschläge näher an. Die Einschätzung der „Süddeutschen Zeitung“ sieht allerdings nicht viel optimistischer aus als die der ausländischen Medien: „Deutschland und Frankreich sind kein liebendes Elternpaar, das sich in geteilter Sorge um den Sprössling kümmert und alleiniges Erziehungsrecht genießt. Deutschland und Frankreich sind viel mehr auch Kontrahenten (…), die sich im Idealfall auf einen fruchtbaren Kompromiss einigen.“

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4 Kommentare zu "Reaktionen auf Macrons Reformpläne: „Deutschland und Frankreich sind kein liebendes Ehepaar“"

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  • Frankreich reicht es nicht, dass es nach der Kontrolle über die Flugzeugindustrie nun auch noch die Kontrolle über die Bahnindustrie bekommt.

    Frankreich macht nur, was Frankreich nutzt.
    War schon immer so.
    Man muss es den blöden Deutschen nur als "das Projekt" schlechthin verkaufen können.
    Armes Deutschland mit seinen weichgespülten Politikern, sie bieten keinen Widerstand im Sinne Deutschlands mehr.
    Nachdem Amerika langsam als Befehlsgeber gegenüber Deutschland ausfällt, möchte diese Rolle Frankreich übernehmen.

  • Monsieur Macron laedt IM ERIKA , aktuell CDU-Vorsitzende, & Kanzlerin von 32.5 % Deutschen, zu einem luxurioesen
    7- Gaenge Menu in einen pompoesen Fress-Bunker ein......

    alles war vom Feinsten & Besten....

    man hat den Abend alternativlos in vollen Zuegen genossen...sich super verstanden und super Zukunftsplaene fuer die Europaeer geschiedet..
    Eine Liebeserklaerung an Deutschland abgegeben...

    nur : leider hatte der flotte Franzose kein Portemonnaie dabei, nicht einmal fuer's Trinkgeld reichte das Change in Hosentaschen Saeckel.....!

    BON Appetit

    Er will aber den Deutschen dabei helfen, die Neu-Ankoemmlinge der Voelkerwanderung gruendlich auszubilden...
    in einem Land, was gerade an der hohen Jungend-Arbeitslosigkeit verzeifelt !

    Achso: die Kosten fuer den Fanzoesisch Sprachkurs, den zahlt sebstverstaendlich alternativlos die IM ERIKA !
    da bestehen aber auch die Gruenen drauf!!

  • Natürlich jetzt, wann denn sonst. So eine Möglichkeit, wo sich(bzw. Fr. Kanzlerin) Deutschland selbst zerlegt, kommt nicht wieder. Unsere uneinsichtige und an Realitätsverlust leidende Politikführung öffnet Tür und Tor; Stillstand nach Jamaica ist offensichtlich – Glückwünsche zur Wahl aus dem Ausland waren aus deren Interesse auch aufrichtig. SIEMENS schiebt noch ein wenig nach und schon ist Deutschland in einer Demokratischen Republik angekommen.

    Danke - auch an die ganzen Mitläufer (Mitverdiener auf Staatskosten/Steuergeldern).

  • Letztendlich ist es ein weiterer Versuch das Deutsche Volk noch mehr zu enteignen und die in Jahrzehnten erarbeiteten sozialen Wohlstände auf ganz Europa zu verteilen.

    Um ein "Gleichgewicht" herzustellen muß die wirtschaftliche führende Nation an die wirtschaftlichen "Entwicklungsländer" abgeben. Es ist unmöglich die "Entwicklungsländer" auf das Niveau Deutschlands anzuheben.

    Ein wichtiger Punkt hierbei ist die Erbschafts- und Schenkungssteuer, die in der Deutschen Form wohl einzigartig in Europa ist. In fast allen europäischen Ländern fallen für Ehepartner und Kinder keine Erbschaftssteuern an, bzw. werden nicht eingefordert. Das ist ein gravierender Nachteil für unseren Mittelstand, den Motor unseres Wohlstandes! Mit jedem Generationswechsel wird der Mittelstand im Vergleich zu globalen Mitbewerbern geschwächt! Das Ausland freut sich natürlich darüber, besonders das europäische Ausland. Mit diesen Steuern wird die Konkurrenz aus Deutschland geschwächt und gleichzeitig werden mit diesen Steuergeldern die europäischen Konkurrenten "gefördert"!

    Vor weiteren Steuern und Abgaben für Europa, die ohnehin überwiegend Deutschland betreffen, Griechenland wird wohl kaum weitere Steuern zahlen, müssen zuerst die Steuern innerhalb Europas harmoniert werden! Es kann und darf nicht sein, dass wir als Hauptfinanzierer Europas zusätzlich bestraft werden.

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