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Reaktionen auf Moody's-Urteil: „Linksruck Frankreichs hat Euro-Krise verschärft“

exklusivDas harte Moody’s-Urteil legt die Probleme Frankreichs schonungslos offen. Ökonomen fürchten, dass Paris den Ernst der Lage noch nicht erkannt hat. In Berlin hofft man, dass Hollande nun den Reformmotor anwirft.

BerlinDer Entzug des Spitzenratings "AAA" für Frankreich durch die Ratingagentur Moody's wird von Koalitionspolitikern unterschiedlich bewertet. Der Vize-Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, warnte vor den Folgen für die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise, der CDU-Finanzexperte Klaus-Peter Flosbach, sieht keine direkten Auswirkungen. „Die Herabstufung von Frankreichs Rating durch Moody's wird kaum Auswirkungen auf die Maßnahmen zur Beilegung der Schuldenkrise haben“, sagte Flosbach Handelsblatt Online. „Es hat sich in der jüngsten Vergangenheit gezeigt, dass Maßnahmen von Ratingagenturen immer weniger Einfluss auf Marktentwicklungen haben und diese oft nur noch nachzeichnen.“

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Flosbach sieht aber dennoch den französischen Präsidenten Francois Hollande in der Pflicht, nun rasch notwendige Reformen anzupacken. „Unabhängig von der Ratingherabstufung ist es aus meiner Sicht wichtig, dass die französische Regierung ihre Ankündigungen umsetzt und zügig Maßnahmen ergreift, um die Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft zu steigern und das öffentliche Defizit zu reduzieren.“

Nach Triple A Verlust Moody's erhöht Reformdruck auf Hollande

Die Botschaft der Ratingagentur Moody's ist klar: Was Staatspräsident François Hollande und seine Regierung bislang vorgelegt haben, vor allem die Senkung der Arbeitskosten der Unternehmen, reicht nicht. Ein Kommentar.

Wissing erklärte, er sei gespannt, ob SPD-Chef Sigmar Gabriel, Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier jetzt wieder als erste nach Paris fahren, um ihre Sympathie für die neue französische Finanzpolitik zu demonstrieren. „In Frankreich scheitert exakt jene Steuerpolitik, die SPD und Grüne in Deutschland umsetzen wollen“, sagte Wissing Handelsblatt Online. „Spätestens jetzt sollte allen klar sein, dass weder Herr Hollande noch Herr Steinbrück ein tragfähiges Wachstumskonzept haben.“  Wissing macht Paris für die Eskalation der europäischen Schuldenkrise verantwortlich. „Der Linksruck Frankreichs hat die Eurokrise verschärft“, sagte er. „Anstatt mehr Wachstum bekam Frankreich weniger Wettbewerbsfähigkeit.“

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

  • Irland

    Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

  • Griechenland

    Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

  • Spanien

    Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

  • Slowakei

    Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

  • Portugal

    Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

  • Frankreich

    Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

  • Niederlande

    Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

  • Slowenien

    Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

  • Zypern

    „Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Die einflussreiche Rating-Agentur Moody's hat der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone die Bonitäts-Bestnote entzogen und öffnete damit in der Schuldenkrise eine neue Flanke. Nun könnte es für das Land teurer werden, frisches Geld an den Kapitalmärkten aufzunehmen. Dadurch würde sich die ohnehin schwierige Haushaltslage weiter verschärfen. Die Regierung in Paris versuchte zu beruhigen. Finanzminister Pierre Moscovici sagte, Frankreich halte an seinen Reformvorhaben fest. Dennoch stiegen die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen moderat an. Der Euro gab nach. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sprach von einer Mahnung, die allerdings nicht überdramatisiert werden dürfe.

Für führende Ökonomen in Deutschland kommt das Moody’s-Urteil nicht überraschend. Nichtsdestotrotz sehen sie die Gefahr eine sich weiter eskalierenden Schuldenkrise, sollte Paris jetzt nicht handeln. „Frankreich ist unverzichtbar für die Bewältigung der Eurokrise“, sagte der Freiburger Wirtschaftsweise Lars Feld Handelsblatt Online. „Die französische Regierung muss daher schnell handeln und Reformen anstoßen.“ Die bisher von Präsident François Hollande angekündigten Reformen seien „unzureichend“.

  • 20.11.2012, 13:38 UhrRumpelstilzchen

    Wer regiert eigentlich in Frankreich, der gewählte Präsident Hollande oder die Ratingagentur Moody's?

  • 20.11.2012, 13:41 UhrLeichnam

    "Wir müssen nun noch mehr Solidarität gegenüber unseren französischen Freunden und Partnern zeigen".

    "Nur gemeinsam können wir diese Krise meistern".

    "Ich bin davon überzeugt, dass Frankreich alles Notwendige dazu tun wird, um aus eigener Kraft wieder schnell aus seiner derzeitigen Lage herauszufinden - darauf vertraue ich".


    Hier habt ihr vorab den Pressetext des Kanzleramtes zur französischen Krise, maßgefertigt zum Hosenanzug.

  • 20.11.2012, 13:48 UhrKapturak


    Da hilft wohl nur noch die Gelddruckmaschine. Die EZB "wird ihrer gesamtwirtschaftlichen Verantwortung" nachkommen.

    Wie soll denn ein wirtschaftsfeindlicher Präsident die Wirtschaft sanieren ?

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