Reaktionen auf Rating-Urteil
„Ohne Italien lässt sich die Krise nicht lösen“

Das harte Moody's-Urteil hat Italien kalt erwischt. Der Industrieminister des Landes reagierte verärgert auf die jüngste Herabstufung. Die Commerzbank fürchtet negative Folgen für die Bewältigung der Euro-Krise.
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BerlinMit scharfer Kritik hat Italiens Regierung auf die Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's reagiert. Industrieminister Corrado Passera bezeichnete die Entscheidung der US-Experten am Freitag in Rom als „insgesamt ungerechtfertigt und sogar irreführend“. Finanzstaatssekretär Gianfranco Polillo sagte, die Einschätzung der politischen Risiken sei „ganz und gar willkürlich“. Italien werde auch bei einem stärkeren Abschwung seine Ziele für das strukturelle Defizit respektieren, sagte Polillo.

Kritik äußert auch die EU-Kommission. Der Zeitpunkt der Abstufung sei „unangemessen“ gewesen. Denn das Land sei nur Stunden vor einer milliardenschweren Anleihenauktion herabgestuft worden, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn, Simon O'Connor. Zugleich betonte er die Reformfortschritte der Regierung. Diese seien „beeindruckend und einmalig“ in ihrer Tragweite. Er nannte insbesondere die Arbeitsmarktreform sowie die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung. Italien werde im kommenden Jahr einen deutlichen Primärüberschuss erzielen und der Schuldenstand werde dann abnehmen, sagte O'Connor.

Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Italiens um zwei Noten gesenkt - auf Baa2 von A3. Die Bonitätswächter stellten zudem eine weitere Herabstufung in Aussicht, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft weiter verschlechtern oder die Umsetzung von Reformen stocken sollten. Der Ausblick sei deshalb negativ.

Verständnis für das Moody’s-Urteil zeigte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Er sieht das Land nach der Herabstufung vor schwierigen Zeiten. „Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende auch Italien den Rettungsfonds um Hilfe bittet“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Premier Mario Monti habe ja selbst diese Möglichkeit bereits mehrfach erwähnt.

Nach Krämers Einschätzung könnten sich die Schwierigkeiten Italiens auch negativ auf den weiteren Verlauf der Euro-Schuldenkrise auswirken. Als Grund nannte er die Reformpolitik, die „zum Stillstand gekommen“ sei, obwohl sie noch gar nicht richtig begonnen habe. „Aber ohne einen Reformdurchbruch im größten Peripherieland lässt sich die Staatsschuldenkrise nicht lösen.“

Im Gegensatz zu den anderen Peripherieländern dürfte es Italien in diesem Jahr aber dennoch gelingen, sein Haushaltsdefizit auf weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken, sagte Krämer weiter. Ansonsten sehe es aber „wirtschaftlich schlecht“ aus. „Ministerpräsident Monti wird zu Unrecht von vielen als Reformer gefeiert“, sagte der Commerzbank-Ökonom. „Seine Arbeitsmarktreform verdient den Namen nicht.“ Die Arbeitsgerichte könnten die Unternehmen weiter zwingen, betriebsbedingt entlassene Mitarbeiter selbst nach Jahren wieder einzustellen.

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  • Bilderbergs Positionspapier für Europa:
    1) DM eliminieren
    2) Euro einführen
    3) Alle Macht den Banken
    4) Steuern, Ersparnisse abschöpfen
    5) EFSF
    6) ELA
    7) ESM
    8) Hetzkampagnien gegen Deutschland starten
    9) Deutschland in die Armut treiben
    10)Feld abgegrast
    11)Weiterziehen Richtung Osten

  • ErbengemeinschaftGeldadel: "Die Vorgehensweise der Lloyds in ihrer Spielsucht bleibt immer gleich. Die "Märkte" greifen stets dort an, wo sie sicher sind, daß ihnen von staatlicher Seite Beistand geleistet wird... "

    Diese Verlockung zur Spekulatation gibt es in den Vereinigten Staaten von Amerika wegen der NO-BAILING-OUT Doktrin nicht. Jeder der Anleihen eines Bundesstaates kauft, also dem Staat Kredit gibt, weiss dass er im Fall einer Zahlungsunfähigkeit mit keiner "Rettung" durch bundesstaatliche Schuldengemeinschaften und Bankenunionen, oder gar Federal Reserve rechnen kann, also sein Spekulationsrisiko marktwirtschaftlich allein trägt.

    Das ist vor zwei Jahren in Kalifornien geschehen. Dank NO-BAILOUT sind der Dollar und die USA bekanntlich nicht zerbrochen.

    Hoffentlich hört dieser Euro-Bailout-Zirkus bald auf und schickt diese "Unternehmungen" dorthin, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können, nämlich in einen ungezügelten Konkurs.

    Wir wissen was danach kommt, wir beugen vor, die Verträge, die den Untergang erschaffen haben, sind das Papier nicht Wert und die Zahlen, die sich darauf befinden werden einfach "wertegleich" umgetauscht Papiere, welche den Staatssäckel nicht mehr belasten. Zum Wohle von BürgerINnen. Nur wer traut sich den Anfang zu machen. Angelah Merkel sonst so windschnell, könnte sich in diesem Falle "ausnahmsweise" einmal alternativlos verhalten. Gute ZEIT und schönen Tach allerseits.

  • (4) Was das Buhlen um diese Sponsoren-Lobby betrifft, sitzen ihr die Rot-Grünen Bilderberger im Nacken, hier mit ihrem Chefideologen Bofinger für Eurobonds und Bankenunion. Der zweite SPD-Chefideologe Straubhaar plädiert bekanntlich für die Euro-GmuH "Euro-Schuldengemeinschaft mit unbegrenzter Haftung", also das krasse Gegenteil zur marktwirtschaftlichen deutschen GmbH.

    Alternativen sind "Schuldentilgungsfonds" und "Bankenunion" auf NATIONALER Ebene, finanziert von der Finanzwirtschaft selbst als profitierende, anstatt wie bisher von der Volkswirtschaft und vom Steuerzahler. und .

    (5) Wenn der egomane Euromane Dr. fiscalis Schäuble mit der ESM-Schattenbank seinen Lebenstraum erreicht und als oberster Gouverneur zum mächtigsten Mann Europas aufsteigt, wird er dann zum informellen Chef der Gouvernante in Berlin?

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