Reaktionen auf Rating-Urteil

„Ohne Italien lässt sich die Krise nicht lösen“

Das harte Moody's-Urteil hat Italien kalt erwischt. Der Industrieminister des Landes reagierte verärgert auf die jüngste Herabstufung. Die Commerzbank fürchtet negative Folgen für die Bewältigung der Euro-Krise.
Update: 13.07.2012 - 13:40 Uhr 40 Kommentare
Eine italienische Ein-Euro-Münze. Quelle: dpa

Eine italienische Ein-Euro-Münze.

(Foto: dpa)

BerlinMit scharfer Kritik hat Italiens Regierung auf die Herabstufung durch die Ratingagentur Moody's reagiert. Industrieminister Corrado Passera bezeichnete die Entscheidung der US-Experten am Freitag in Rom als „insgesamt ungerechtfertigt und sogar irreführend“. Finanzstaatssekretär Gianfranco Polillo sagte, die Einschätzung der politischen Risiken sei „ganz und gar willkürlich“. Italien werde auch bei einem stärkeren Abschwung seine Ziele für das strukturelle Defizit respektieren, sagte Polillo.

Kritik äußert auch die EU-Kommission. Der Zeitpunkt der Abstufung sei „unangemessen“ gewesen. Denn das Land sei nur Stunden vor einer milliardenschweren Anleihenauktion herabgestuft worden, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn, Simon O'Connor. Zugleich betonte er die Reformfortschritte der Regierung. Diese seien „beeindruckend und einmalig“ in ihrer Tragweite. Er nannte insbesondere die Arbeitsmarktreform sowie die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung. Italien werde im kommenden Jahr einen deutlichen Primärüberschuss erzielen und der Schuldenstand werde dann abnehmen, sagte O'Connor.

Moody's hatte die Kreditwürdigkeit Italiens um zwei Noten gesenkt - auf Baa2 von A3. Die Bonitätswächter stellten zudem eine weitere Herabstufung in Aussicht, falls sich die Aussichten für die Wirtschaft weiter verschlechtern oder die Umsetzung von Reformen stocken sollten. Der Ausblick sei deshalb negativ.

Verständnis für das Moody’s-Urteil zeigte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Er sieht das Land nach der Herabstufung vor schwierigen Zeiten. „Es ist nicht auszuschließen, dass am Ende auch Italien den Rettungsfonds um Hilfe bittet“, sagte Krämer Handelsblatt Online. Premier Mario Monti habe ja selbst diese Möglichkeit bereits mehrfach erwähnt.

Nach Krämers Einschätzung könnten sich die Schwierigkeiten Italiens auch negativ auf den weiteren Verlauf der Euro-Schuldenkrise auswirken. Als Grund nannte er die Reformpolitik, die „zum Stillstand gekommen“ sei, obwohl sie noch gar nicht richtig begonnen habe. „Aber ohne einen Reformdurchbruch im größten Peripherieland lässt sich die Staatsschuldenkrise nicht lösen.“

Im Gegensatz zu den anderen Peripherieländern dürfte es Italien in diesem Jahr aber dennoch gelingen, sein Haushaltsdefizit auf weniger als drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu drücken, sagte Krämer weiter. Ansonsten sehe es aber „wirtschaftlich schlecht“ aus. „Ministerpräsident Monti wird zu Unrecht von vielen als Reformer gefeiert“, sagte der Commerzbank-Ökonom. „Seine Arbeitsmarktreform verdient den Namen nicht.“ Die Arbeitsgerichte könnten die Unternehmen weiter zwingen, betriebsbedingt entlassene Mitarbeiter selbst nach Jahren wieder einzustellen.

Bofinger: Die Märkte sehen die Fortschritte nicht
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40 Kommentare zu "Reaktionen auf Rating-Urteil: „Ohne Italien lässt sich die Krise nicht lösen“"

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  • Bilderbergs Positionspapier für Europa:
    1) DM eliminieren
    2) Euro einführen
    3) Alle Macht den Banken
    4) Steuern, Ersparnisse abschöpfen
    5) EFSF
    6) ELA
    7) ESM
    8) Hetzkampagnien gegen Deutschland starten
    9) Deutschland in die Armut treiben
    10)Feld abgegrast
    11)Weiterziehen Richtung Osten

  • ErbengemeinschaftGeldadel: "Die Vorgehensweise der Lloyds in ihrer Spielsucht bleibt immer gleich. Die "Märkte" greifen stets dort an, wo sie sicher sind, daß ihnen von staatlicher Seite Beistand geleistet wird... "

    Diese Verlockung zur Spekulatation gibt es in den Vereinigten Staaten von Amerika wegen der NO-BAILING-OUT Doktrin nicht. Jeder der Anleihen eines Bundesstaates kauft, also dem Staat Kredit gibt, weiss dass er im Fall einer Zahlungsunfähigkeit mit keiner "Rettung" durch bundesstaatliche Schuldengemeinschaften und Bankenunionen, oder gar Federal Reserve rechnen kann, also sein Spekulationsrisiko marktwirtschaftlich allein trägt.

    Das ist vor zwei Jahren in Kalifornien geschehen. Dank NO-BAILOUT sind der Dollar und die USA bekanntlich nicht zerbrochen.

    Hoffentlich hört dieser Euro-Bailout-Zirkus bald auf und schickt diese "Unternehmungen" dorthin, wo sie keinen Schaden mehr anrichten können, nämlich in einen ungezügelten Konkurs.

    Wir wissen was danach kommt, wir beugen vor, die Verträge, die den Untergang erschaffen haben, sind das Papier nicht Wert und die Zahlen, die sich darauf befinden werden einfach "wertegleich" umgetauscht Papiere, welche den Staatssäckel nicht mehr belasten. Zum Wohle von BürgerINnen. Nur wer traut sich den Anfang zu machen. Angelah Merkel sonst so windschnell, könnte sich in diesem Falle "ausnahmsweise" einmal alternativlos verhalten. Gute ZEIT und schönen Tach allerseits.

  • (4) Was das Buhlen um diese Sponsoren-Lobby betrifft, sitzen ihr die Rot-Grünen Bilderberger im Nacken, hier mit ihrem Chefideologen Bofinger für Eurobonds und Bankenunion. Der zweite SPD-Chefideologe Straubhaar plädiert bekanntlich für die Euro-GmuH "Euro-Schuldengemeinschaft mit unbegrenzter Haftung", also das krasse Gegenteil zur marktwirtschaftlichen deutschen GmbH.

    Alternativen sind "Schuldentilgungsfonds" und "Bankenunion" auf NATIONALER Ebene, finanziert von der Finanzwirtschaft selbst als profitierende, anstatt wie bisher von der Volkswirtschaft und vom Steuerzahler. und .

    (5) Wenn der egomane Euromane Dr. fiscalis Schäuble mit der ESM-Schattenbank seinen Lebenstraum erreicht und als oberster Gouverneur zum mächtigsten Mann Europas aufsteigt, wird er dann zum informellen Chef der Gouvernante in Berlin?

  • Edelzwicker variiert: "... Das Leben in Spanien könnte so schön sein, wenn diese entsetzliche Inquisiti...., äh Troika nicht wäre. Und die Gouvernante aus Berlin entspricht überhaupt nicht dem Siesta y Fiesta! Wir werden nie verstehen, warum die Südländer so lebensfroh sind."

    In diesen wenigen Zeilen sind mehrere wichtige Fakten versteckt:

    (1) Die spanische Regierung wehrt sich bis heute, dass der spanische Staat für seine Banken gegenüber der EFSF haftet und so die entsetzliche Troika herbeigerufen wird. Sie wollen deshalb, dass die Banken direkt vom EFSF "gerettet" werden.

    (2) Damit bekäme aber Schäuble Probleme, weil er die Möglichkeit der direkten Bankenrettung vor der Abstimmung über die "EFSF-Reform" am 29.09.2011 den Abgeordneten verheimlicht hat, was Ärger mit Lammert und BVerfG geben könnte. Den Normalo-Abgeordneten des Berliner Parteienblocks CDUCSUFDPSPDGrüne stören Schäubles Tricks und Lügen erfahrungsgemäß nicht.

    (3) Die spanische Regierung hat gegenüber Merkel/Schäuble eine große Erpressungspotenz dazu, dass die Banken direkt vom EFSF "gerettet" werden, weil viele viele private Euros aus Deutschland in den maroden Banken und Immobilienfonds stecken. Und diese Millionärs-Euros wollen Merkel/Schäuble wie in Griechenland zulasten der deutschen Steuerzahler "retten", sonst bekommen sie Ärger mit ihren Sponsoren und verlieren mangels Medienunterstützung die nächste Wahl.

  • BellaBofitalia < Schmeißt Bofinger raus, diesen Armleuchter.
    Wenn Italien nach Deutschland das solideste Land ist, dann zeigt es nur, wie kaputt Deutschland schon ist! Berlusconi an die Macht! >


    Muss es nicht BellaPofitalia heißen? Der Po ist doch der längste Fluss.

    Angeblich will Berlusconi wieder in die Politik zurück, damit ihm Monti nicht mit Zwangsanleihen sein Milliarden-Vermögen verringert. Bofinger ist da ideologisch mit seinen Eurobonds auf seiner Seite zulasten deutscher Steuerzahler, weshalb er in Anlehnung an den größten Fluss Po den Namen Pofinger tragen darf.

  • Gnomon: "Nachhaltig gescheitert ist die von der politischen Linken so favorisierte nachfrageorientierte Politik, die nach einer Erhöhung der Binnennachfrage über hohe Löhne und staatliche Ausgabenprogramme funktioniert....

    Eine Theorie kann gar nicht versagen. Die neoklassische Wirtschaftstheorie unter Ergänzung sinnvoller Ansätze wie der Institutionenökonomik bewährt sich absolut."

    @Gnomon,

    ich finde, dass zu Zeiten des Turbo-Finanzkapitalismus ohnehin alle Wirtschaftstheorien und Marktmechanismen zur Makulatur geworden sind, durch die Entscheidungen weniger Figuren, die Kapital und Macht haben und sich über alle Regeln, Gesetze und Verfassungen hinweg setzen. Wie es früher war, dazu fehlen mir die persönlichen Erfahrungen.

    Schauen Sie doch, wie wenige noch gegen EFSF und ESM gestimmt haben. Herr Heil hat es in seiner Rede gegen die ESM-Gegner polemisch dargestellt: Es sind Gestalten vom linken und rechten Rand der demokratischen Mitte. Wahre Außenseiter-Kreaturen.

    Wen meinen Sie eigentlich mit der politischen Linken: die echten LINKEN oder die Bilderberg-Sozialdemokraten?

  • Was Malvin hier anspricht, trifft einen Kern der Krise, es ist das jeweils nationale Missverhältnis zwischen Staatsvermögen und Privatvermögen. Wobei durch die globalen Finanzmärkte die Privatvermögen flüchtig sind, während das Staatsvermögen, heute nur noch Staatsschulden, festgebunden sind. Das einzige was aus der Krise in Europa führen kann, ist die nationale Staats-Entschuldung nach dem BRADY-Procedere und was die Stabilisierung der Währung betrifft, die mehrfach geschilderte EINHALTUNG DER EURO-STABILITÄTSGESETZE VON MAASTRICHT AEUV.

  • @karstenberwanger "Aufwachen und Geld abziehen, der Euro ist tot und zwar seit Jahren..."


    Bis vor wenigen Stunden haben Sie das Gegenteil behauptet

  • @Luegenmaerchen

    Ich verstehe den Autor dieser Zeilen nicht, warum er die Schilderung der Realität als "Luegenmaerchen" bezeichnet. Für mich ist es eher ein Alptraum.
    Luegenmaerchen sind doch das, was uns Merkel/Schäuble und ihre Medien seit zwei Jahren vormachen. Dabei weiß inzwischen jedes Kind, dass nicht der Euro, sondern die Euros der Millionäre gerettet wurden (in Griechenland) und in Spanien gerade gerettet werden sollen, entgegen dem Euro-Stabilitäts-Gesetz von Maastricht 1992, wie ich hier mehrfach gelesen habe.

    Irgendwie frage ich beim Lesen einiger Kommentare, ob aus den Think Tanks in Brüssel seit dem vorläufigen Stopp des ESM als neue Marschrichtung nicht mehr die Rettung, sondern die gezielte Zerstörung des Euro, zumindest die Androhung auf der Agenda steht, um mit Angst und Chaos doch noch den Endsieg gegen unsere Demokratie zu gewinnen. Nach dem bisherigen Geschehen wäre das dem Vorantreiber Schäuble schon zuzutrauen.

    Jedenfalls ist mir spontan Shakespeare eingefallen: "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, er kann gehen." Der Euro hat als Finance Tool bereits genug seine Schuldigkeit getan, um Vermögen vom deutschen Mittelstand nach ganz weit oben umzuverteilen, wie ich ebenfalls heute hier gelesen habe.

  • Die EU freut sich über jeden (erfundenen) Grund weiter bezahlen zu dürfen - es ist ja nicht ihr Geld, sondern meines. Das ärgert mich schon, aber am meisten ärgere ich mich über Schäuble, der mit seiner supra-nationalen ESM-Schattenbank diesen Zustand völkerrechtlich verewigen will! Oder wollte, hoffe ich doch. Was geht wohl in seinem Kopf vor? Ob Frau Merkel das weiß. Weiß sie auch, dass er gegen sie intrigiert, um Oberster Gouverneur seiner ESM-Schattenbank zu werden. Aber vielleicht wollen das die Luxembourger verhindern, indem Juncker um ein halbes Jahr verlängert hat.

    Und der Luxembourger Miersch(?) kommt in die EZB, und wieder kein Deutscher, obwohl wir 28% zu bezahlen haben. Warum haben da Merkel/Schäuble nicht schon lange dieselbe Stimmrechtverteilung wie im vergleichbaren IWF durchgesetzt. Die USA haben den größten Kostenanteil und ihre entspechenden Stimmen. Solange das im EZB nicht gerecht verteilt ist, glaube ich auch nicht den Versprechungen von Schäuble und Lammert, dass wir nicht gegen unseren Willen im ESM überstimmt werden können, aber die Formulierungen sind wachsweich. Selbst dann musste ich die Erfahrung machen, dass Schäuble und die Berliner Blockpartei mit 273 Mehrheit gegen mein Schicksal entscheidet. Am meisten bin ich von Herrn Prof. Lammert enttäuscht, dass er beim ESM seine Pflicht als Wächter der Parlamentarischen Demokratie so fahrlässig vernachlässigt hat. Dafür geht mein besonderer Dank an Andreas Voßkuhle und die Kollegen vom BVerfG in Karlsruhe. Sie haben meine Zukunft gerettet vor dem Zugriff anonymer Kräfte, die außerhalb des Rechtes stehen. Unvorstellbar.

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