Reaktionen auf Ressort-Verteilung
Viel Lob für Barroso

Mit Bravour hat der künftige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nach Ansicht der europäischen Presse seine erste Aufgabe, die Verteilung der Ressorts in der neuen Kommission, gemeistert.

HB HAMBURG. Die meisten großen Zeitung in den EU-Ländern zollten Barroso am Freitag Beifall und lobten, dass er bei seinen Entscheidungen Unabhängigkeit gegenüber den großen Staaten gezeigt habe.

Die römische Zeitung „La Repubblica“ sprach von einer gelungenen Aufgabenverteilung und schrieb: „Es ist zu früh zu sagen, ob Barroso, der Nachfolger von (Romano) Prodi an der Spitze der EU-Kommission, ein großer Präsident sein wird. Aber ganz sicher ist er ein schlauer Präsident.“

Die Londoner „Financial Times“ meinte: „Der designierte portugiesische Präsident hat rasch und gut gehandelt.“

Der linksliberale Londoner „Independent“ urteilte: „Die größte Überraschung war, dass Barroso die Macht über die Ressorts Wettbewerb und Binnenmarkt an die Niederlande beziehungsweise Irland vergab. Beides sind Gebiete, auf denen die Franzosen und Deutschen wiederholt mit der scheidenden Kommission aneinander gerieten, um ihre eigenen nationalen Interessen durchzusetzen. Dies war Barrosos mutigste Demonstration für die Unabhängigkeit.“

Die niederländische sozialdemokratisch orientierte „Volkskrant“ schrieb: „Mit der Vergabe gewichtiger Posten an unter anderem die Niederlande, Dänemark, Irland und Lettland macht Barroso sein Versprechen wahr, dass er bei der Zusammenstellung seiner Mannschaft nicht allein auf das spezifische Gewicht der Mitgliedsländer achtet. Nach einem ersten Überblick hat es mehr Gewinner als Verlierer gegeben. Der größte Gewinner ist José Barroso selbst.“

Der konservative niederländische „Telegraaf“ begrüßte: „... hat es den Anschein, dass Barroso beim Zusammenstellen seiner Europäischen Kommission vor allem durch die Brille des Wirtschaftsreformers geblickt hat. Das ist auch gut so.“

Die Brüsseler Tageszeitung „De Standaard“ lobte: „Mit der Europäischen Kommission, die er diese Woche vorgestellt hat, zeigte er (Barroso), dass er nicht mit sich spielen lässt.“

Die belgische Tageszeitung „De Morgen“ schreibt: „Teamarbeit solle es werden, und kein Kommissar solle gleicher sein als die anderen. (...) Die Praxis muss das erweisen, aber schon jetzt scheint Günter Verheugen nach Barroso der unanfechtbar starke Mann in der Kommission zu sein. Der Deutsche bekommt den Posten für Industrie. Das erscheint weniger als erhofft, zumal Berlin den nachdrücklichen Wunsch äußerte, dass Verheugen Industrie und Wirtschaft kriegen sollte. Barroso löste das mit einem Kunstgriff: Er benannte den deutschen Sozialdemokraten auch zum Koordinator der Gruppe von Kommissaren für die Wettbewerbfähigkeit. Auf diese Weise wird er eine Art Schattenkommissar für die Niederländerin Neelie Kroes, die mit dem Ressort Wettbewerbspolitik einen ziemlich großen Fisch an die Angel bekam.“

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