Reaktionen auf Wortgefecht
Erdogan riskiert Mittlerrolle in Nahost

Für sein Wortgefecht mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres erntet der türkische Premier Tayyip Erdogan nach dem Jubel der eigenen Parteifreunde nun auch Lob aus Iran. Allerdings werden auch kritische Stimmen laut: Sie werfen Erdogan vor, die Rolle des Moderators in der Region zu verpielen. Auch das eigene Militär übte Kritik.

ATHEN/TEL AVIV. Erdogan hatte in Davos nach scharfer Kritik an Israels Palästinenserpolitik eine Diskussionsrunde mit Peres verlassen. Erdogan habe ausgesprochen, „was die Türken und die Menschen in aller Welt denken“, kommentierte der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad. „Ich begrüße Ihre würdige Haltung von ganzem Herzen“, zitierte am Sonntag die türkische Zeitung Vatan aus einer Grußbotschaft Ahmadinedschads an Erdogan.

Tausende Anhänger hatten Erdogan bei seiner Rückkehr in Istanbul als „Eroberer von Davos“ und „Führer der Welt“ bejubelt. Erdogan hatte die von Israel kontrollierten Palästinensergebiete als Freilichtgefängnis bezeichnet. Am Wochenende legte Erdogan nach. In einem am Samstag von der „Washington Post“ veröffentlichten Interview stellte er zugleich die politische Isolierung der Hamas infrage.

Die israelische Außenministerin Zipi Livni forderte gestern von Erdogan mehr Respekt für Israel. „Wir unterhalten strategisch wichtige Beziehungen mit der Türkei“, sagte sie im israelischen Radio. „Darum erwarte ich von der Türkei, dass sie ihren Respekt für Israel unter Beweis stellt.“ Zugleich zeigte sie sich gesprächsbereit. „Es ist möglich, alles wieder gut zu machen“, sagte sie. „Wir müssen miteinander reden und die Sachen auf den Tisch legen.“

Solange Erdogan im Amt sei, könne die Türkei keine Rolle bei Friedensgesprächen spielen, heißt es jedoch in Jerusalem. Erdogan habe seine Glaubwürdigkeit als ehrlicher Vermittler zwischen Israel und Syrien verloren. Die Türkei hatte im vergangenen Jahr nicht nur indirekte Gespräche zwischen Syrien und Israel ermöglicht, sondern auch versucht, zwischen Israel und der Hamas zu vermitteln.

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