Recep Tayyip Erdogan
Der Sultan vom Bosporus

Der türkische Premier Erdogan macht seine Drohung wahr und sperrt den Kurznachrichtendienst Twitter. Mit aller Macht versucht er, Justiz und Medien unter seine Kontrolle zu bringen – und spielt mit dem Feuer.
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Düsseldorf„Inakzeptabel.“ Das Fazit des türkischen Präsidenten Abdullah Gül könnte nicht deutlicher sein. Er meint das neuste Twitter-Verbot seines Parteikollegen und türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan aus der vergangenen Nacht. Fast schon hämisch setzt Gül sich über das Verbot hinweg und verkündet per Twitter: Allein schon technisch lasse sich der Nachrichtendienst nicht verbieten. Außerdem müsste ein solches Verbot von einem Gericht getroffen werden und nicht von Erdogan.

Vielleicht hat Gül aus seinen Fehlern gelernt. Denn erst im Februar stimmte er dem umstrittenen Gesetz Erdogans zur schärferen Internetkontrolle zu. Die Folge bekam er prompt zu spüren: Er verlor binnen kürzester Zeit 80.000 Follower, nun bleiben ihm noch 4,38 Millionen. Zum Vergleich: Bundeskanzlerin Angela Merkel folgen nur 74.000.

Diese Zahlen zeigen, welche Bedeutung Twitter für die Türken hat. Laut einer Statista-Umfrage sind 39 Prozent aller Türken aktive Twitter-Nutzer. In Deutschland sind es nur sechs Prozent. Und so spricht die Reaktion Güls vielen Türken aus dem Herzen. 500.000 abgesetzte Tweets zählte der Internetdienst Twittertürk bis Freitagmorgen – trotz des Verbots. Warum nur kommt nun dieser neue Angriff Erdogans auf die eigenen Bürger, der ihm nur schaden kann?

Seit seinem Amtsantritt 2003 hat der Ministerpräsident sein Land so stark geprägt wie kein anderer Politiker. Unter seiner Ägide erlebte die Türkei einen beispiellosen Wirtschaftsaufschwung: Von 2003 bis heute hat sich das Pro-Kopf-Einkommen mehr als verdreifacht. Dies half Erdogan seine Macht zu festigen – und den Einfluss des Militärs zurückzudrängen. Für diese Leistung zollten ihm auch viele europäische Politiker Respekt. Inzwischen jedoch hat sich die Bewunderung in Erschrecken gewandelt. Das Regime Erdogan zeigt immer deutlicher seinen autoritären Charakter. Mit aller Macht versucht der „Sultan vom Bosporus“, wie Erdogan immer häufiger genannt wird, die Kontrolle im Land zu sichern. Verschärft wird die Lage noch durch die neuerdings schwächelnde türkische Wirtschaft. Erdogan reagiert auf den zunehmenden innenpolitischen Druck wie ein gereizter Stier. Das jüngste Ergebnis ist das Twitter-Verbot.

Es ist nicht der erste Angriff Erdogans auf sein eigenes Volk. Und sie werden heftiger, je mehr seine Position wackelt. Je heftiger sie werden, desto weniger Rückhalt hat Erdogan bei den Wählern, zeigen Umfragen. Aktuell befinden sich seine Werte weiter im Sinkflug. Nur noch 42,3 Prozent stehen hinter Erdogan und seiner AKP, rund acht Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl 2011.

Bei den Kommunalwahlen im März drohen Erdogans Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) herbe Verluste. Wenn die AKP bei der Kommunalwahl nicht stärkste Partei bleibt, werde er sich aus der aktiven Politik zurückziehen, kündigte Erdogan an. Also tut er alles, damit das nicht passiert – zur Not auch mit Autorität. Erdogans autoritärer Herrschaftsstil zeigt sich an verschiedensten Stellen. Im Verhältnis zur Justiz genauso wie bei seinem Vorgehen gegen die Demonstranten im Gezi-Park.

Kommentare zu " Recep Tayyip Erdogan: Der Sultan vom Bosporus"

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  • Die Türkei ist ein Land wo in den Schulen nicht die Evolutionstheorie sonder der Islamische Kreationismus gelehrt wird.
    Die Türkei ist ein Land in dem aktuell die letzten Überbleibsel der Aufklärung beseitigt werden.
    Nur unsere Ideologen in den staatlichen Medien bei den Grünen preisen das Land bei jeder Gelegenheit und können es gar nicht abwarten die Türkei in der EU zu sehen (gegen den Willen der EU-Bürger).

  • Es ist halt die Frage: Wird es die Bevölkerung akzeptieren oder wird sie es nicht akzeptieren. Kann sie damit Leben oder nicht. Macht ist so schnell mißbraucht, Menschen so schnell unterdrückt.

    Demokratie und Freheit sind nur entstanden, da Menschen eben nicht ohne sie leben konnten und wollten. Und sie sind nicht friedlich erkämpft worden. Wo steht die Türkei - im mittleren Osten (oder auch im fernen Osten) wo zu allen Zeiten der Geschichte Menschen auf das Brutalste und Gewalttätigste unterdrückt wurden und Demokratie noch nie existent war und vermutlich nie existieren wird oder steht sie im Westen - dort wo Menschen die Demokratie und schließlich den Rechtsstaat erkämpft haben und mit viel Leben und Blut bezahlt... Jeder Türke muss sich jetzt entscheiden.

    Es geht hier nicht um Twitter. Es geht um etwas anderes.

  • Abwarten, der nächste Coup wird nächste Woche veröffentlicht. Man munkelt, dass der große Türkenföhrer dann mit zwei Frauen - gleichzeitig - zu sehen sein wird!
    Oh, dieses Späßchen müssen wir noch abwarten, .... und dann ist er vollends erledigt!

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