Rechte Schwedendemokraten
Der Wolf im Schafspelz

Die Schwedendemokraten geben sich seriös. Doch die Ziele der Partei sind knallhart rechtspopulistisch. Ihr Erfolg bei der Parlamentswahl hat selbst Experten überrascht. Doch wie mit der drittstärksten Kraft umgehen?
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Stockholm„An uns kommt keiner mehr vorbei“, jubelte Jimmie Åkesson vor seinen Anhängern. Gerade war das Wahlergebnis verkündet worden. Und das hatte es in sich: Die Schwedendemokraten sind mit 13 Prozent der Stimmen zur drittgrößten politischen Kraft in Schweden geworden und konnten bei den Parlamentswahlen am vergangenen Sonntag ihren Stimmenanteil nahezu verdoppeln.

Das Wahlergebnis hat Schweden in eine parlamentarische Krise gestürzt. Die bürgerliche Koalitionsregierung ist abgewählt, doch die rot-rot-grüne Opposition hat keine eigene Mehrheit. Die rechtspopulistischen Schwedendemokraten sind zum Zünglein an der Waage geworden, zum Königsmacher. Allerdings will keiner der beiden großen politischen Blöcke mit der ausländerfeindlichen Partei zusammenarbeiten. Schweden stehen unruhige Zeiten bevor.

Der Erfolg der 1988 gegründeten rechtspopulistischen Partei hat selbst Experten der rechten Szene in Schweden überrascht. „Der Vormarsch der Schwedendemokraten stellt eine der größten Veränderungen der politischen Landkarte Schwedens dar”, sagt der Göteborger Politologe Andreas Heinö. Er sieht vor allem die gescheiterte Integrationspolitik nicht nur der nun abgewählten Koalition, sondern auch der Vorgängerregierungen als Hauptursache für das starke Abschneiden der Rechtspopulisten.

Schweden nimmt gemessen an der Bevölkerungszahl mit 80.000 mehr Flüchtlinge als irgendein anderes EU-Land auf, doch gibt es große Defizite bei der Eingliederung in die schwedische Gesellschaft. Die Bilder von Krawallen in den Vororten wie sie im vergangenen Jahr rund um Stockholm vorkamen, von abgefackelten Autos und Schulen gingen um die Welt. Die Zusammenstöße zwischen zumeist Einwandererkindern und Ordnungskräften waren eine Folge der missglückten Integrationspolitik. In Malmö, Göteborg und Stockholm gibt es Vororte, in denen kaum noch ein Schwede wohnt.

In mehreren Umfragen vor den Wahlen erklärten viele Schweden, dass die etablierten Parteien das Thema Einwanderung nicht richtig ernst genommen haben. Und tatsächlich zeigen erste Wähler-Wanderungsanalysen, dass die Schwedendemokraten Zulauf von allen Parteien verzeichnen konnten.

Kommentare zu " Rechte Schwedendemokraten: Der Wolf im Schafspelz"

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  • Anna Buschmann,
    Sie sprechen es einfach richtig aus.
    Aber bei uns bestimmen mittlerweile Minderheiten wie wir, die Merhheit, zu leben haben
    Zu verdanken haben wir das den Grünen, für mich die schlimmste Partei nach 45.

    mit der ausländerfeindlichen Partei.....
    So wird nun über die Schwedendemokraten geurteilt. Wie hier über die AfD
    Was unseren etablierten Parten nicht gefälft, ist eben einfach rechts und ausländerfeindlich usw.
    Wenn die Politiker aber über Jahrzehnte mit ihrer falschen Zuwanderung so viel Mist machen und unsren Ländern Schaden zufügen, müssen sie sich nicht wundern, wenn wir Bürger eines Tages die Schnauze voll haben.
    In vielen europ. Ländern beginnt es und das ist auch gut so

  • Joachim Buch
    Bestens analysiert. Danke Volle Zutimmung

  • vielleicht sollte sich die Politik endlich wieder einmal dem "normalen" Durschnittsbürger zuwenden - und das in allen Ländern. Der geht ganz normal arbeiten - oder möchte das zumindest. Zahlt seine Lebenshaltung und Steuern, zeugt oder gebährt Kinder, macht weder bei bekloppten Dinners, Frauentausch oder Dschungelkamps mit, kocht sein Essen statt einen Fertigbrei zu futtern. Dieser Bürger kann christlich, jüdisch, moslemisch, gar nicht gläubig oder sonstwas sein. Dieser Bürger kann hetero oder homosexuell sein, er nimmt keine Drogen und lebt einfach sein Leben. Er hat nichts gegen Klssik-Konzerte, braucht dafür aber keine Elbphilharmonie, er fliegt auch in den Urlaub, dafür benötigt er aber nicht einen überteuerten BER. Dieser Bürger kann Migrant sein, oder Gastarbeiter in xter Generation oder EU-Bürger oder festverwurzelt in seiner Region.

    Ich zähle mich zu diesem "Normalo". Ich habe die Nase voll davon, dass jedes behinderte Kind nun seine eigene Hilfslehrerin bekommt, wärend in der 10 Klasse Mathestunden wegen Lehrermangel ausfallen
    Ich habe die Nase voll davon, das jemand ein Konzert gibt, nicht weil er gut singt, sondern weil er Frauenkleider trägt und damit "etwas" ausdrückt.
    Ich habe die Nase voll davon, dass Politiker nur noch die sehen die anders sind. Dass für diese "Anderen" jede Menge Geld ausgegeben wird, Geld das wir "Normalos" erwirtschaften. Anders sein heißt nicht schlechter sein! Aber eben auch nicht besser sein! Sondern einfach nur Anders.

    Ich bin Westfälin, lebe gerne in Franken, bin Deutsche und EU-Bürgerin. Ich möchte, dass meine Steuern in der Region in der ich sie erwirtschafte ausgegeben werden, von Politikern aus der Region und nicht in der Welt von Politikern aus der Welt. Und so denken nun einmal immer mehr Bürger in der EU - und deshalb wird immer mehr rechts gewählt und es gibt immer mehr "Separatisten"

    So einfach ist das :-)

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