Rechte Schwedendemokraten: Um „90 Prozent“ will die Partei die Zahl der Migranten senken

Rechte Schwedendemokraten
Der Wolf im Schafspelz

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Um „90 Prozent“ will die Partei die Zahl der Migranten senken

Jimmie Åkesson, 35-jähriger Parteivorsitzender der Schwedendemokraten, ähnelt eher einem Schwiegermutter-Traum, denn einem rechtsextremen Politiker. Seit er vor knapp zehn Jahren die Parteiführung übernahm, hat er erfolgreich das Image der Schwedendemokraten verändert: Heute präsentiert sich die Partei als eine national-gesinnte, EU-kritische Gruppierung, die sich ein Ende der ihrer Meinung nach zu liberalen Einwanderungspolitik auf die Fahnen geschrieben hat. „Wohlfahrt oder Masseneinwanderung“ lautete im Wahlkampf einer ihrer Slogans. Um „90 Prozent“ will die Partei die Zahl der Migranten senken, um eine zunehmende Segregation zu verhindern. Åkesson schürt in öffentlichen Debatten auch schon einmal die Angst vor einer Islamisierung Schwedens.

Zahlreiche Skandale – zuletzt wurde eine Schwedendemokratin, die für ein Stadtabgeordneten-Amt kandidierte, mit einer Hakenkreuz-Armbinde fotografiert – haben die Wähler nicht abgeschreckt. Als einen Tag vor den Wahlen herauskam, dass Jimmie Åkesson in einem Online-Kasino allein in diesem Jahr rund 55.000 Euro verspielt hat, schien das viele Wähler eher noch zur Stimmabgabe für die Schwedendemokraten zu motivieren. In sozialen Netzen brach ein Sturm der Entrüstung aus, dass „die Medien den Parteivorsitzenden fertig machen wollen“.

Åkesson selbst wird immer wieder an die braune Vergangenheit seiner Partei erinnert. Allein in diesem Jahr wurden mehrere Mitglieder nach rassistischen Aussagen ausgeschlossen. Verwundern sollte das niemanden, denn die Schwedendemokraten entstanden aus der neonazistischen Gruppe „Bevara Sverige svenskt”, (Bewahrt Schweden schwedisch). Diese Gruppierung sorgte mit offen rassistischen Parolen in den 80er für Aufsehen.

Heute geben sich die Schwedendemokraten seriös. Dass die beiden großen politischen Blöcke mit ihnen unter keinen Umständen zusammenarbeiten wollen, versucht Åkesson für seine Partei auszunutzen. „Man kann eine Partei, die von 13 Prozent der Wähler gewählt worden ist, nicht einfach ignorieren”, erklärte er am Dienstag. „Macht man das, darf man sich nicht über die Politikverdrossenheit wundern.“

Tomas Bodström, prominenter Sozialdemokrat und früherer Justizminister, sieht nur eine Möglichkeit, den Vormarsch der Schwedendemokraten zu stoppen: „Wir müssen blockübergreifend zusammenarbeiten“, sagt er. So wie es derzeit aussieht, wird daraus nichts. Profiteure könnten die Schwedendemokraten sein.

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Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Anna Buschmann,
    Sie sprechen es einfach richtig aus.
    Aber bei uns bestimmen mittlerweile Minderheiten wie wir, die Merhheit, zu leben haben
    Zu verdanken haben wir das den Grünen, für mich die schlimmste Partei nach 45.

    mit der ausländerfeindlichen Partei.....
    So wird nun über die Schwedendemokraten geurteilt. Wie hier über die AfD
    Was unseren etablierten Parten nicht gefälft, ist eben einfach rechts und ausländerfeindlich usw.
    Wenn die Politiker aber über Jahrzehnte mit ihrer falschen Zuwanderung so viel Mist machen und unsren Ländern Schaden zufügen, müssen sie sich nicht wundern, wenn wir Bürger eines Tages die Schnauze voll haben.
    In vielen europ. Ländern beginnt es und das ist auch gut so

  • Joachim Buch
    Bestens analysiert. Danke Volle Zutimmung

  • vielleicht sollte sich die Politik endlich wieder einmal dem "normalen" Durschnittsbürger zuwenden - und das in allen Ländern. Der geht ganz normal arbeiten - oder möchte das zumindest. Zahlt seine Lebenshaltung und Steuern, zeugt oder gebährt Kinder, macht weder bei bekloppten Dinners, Frauentausch oder Dschungelkamps mit, kocht sein Essen statt einen Fertigbrei zu futtern. Dieser Bürger kann christlich, jüdisch, moslemisch, gar nicht gläubig oder sonstwas sein. Dieser Bürger kann hetero oder homosexuell sein, er nimmt keine Drogen und lebt einfach sein Leben. Er hat nichts gegen Klssik-Konzerte, braucht dafür aber keine Elbphilharmonie, er fliegt auch in den Urlaub, dafür benötigt er aber nicht einen überteuerten BER. Dieser Bürger kann Migrant sein, oder Gastarbeiter in xter Generation oder EU-Bürger oder festverwurzelt in seiner Region.

    Ich zähle mich zu diesem "Normalo". Ich habe die Nase voll davon, dass jedes behinderte Kind nun seine eigene Hilfslehrerin bekommt, wärend in der 10 Klasse Mathestunden wegen Lehrermangel ausfallen
    Ich habe die Nase voll davon, das jemand ein Konzert gibt, nicht weil er gut singt, sondern weil er Frauenkleider trägt und damit "etwas" ausdrückt.
    Ich habe die Nase voll davon, dass Politiker nur noch die sehen die anders sind. Dass für diese "Anderen" jede Menge Geld ausgegeben wird, Geld das wir "Normalos" erwirtschaften. Anders sein heißt nicht schlechter sein! Aber eben auch nicht besser sein! Sondern einfach nur Anders.

    Ich bin Westfälin, lebe gerne in Franken, bin Deutsche und EU-Bürgerin. Ich möchte, dass meine Steuern in der Region in der ich sie erwirtschafte ausgegeben werden, von Politikern aus der Region und nicht in der Welt von Politikern aus der Welt. Und so denken nun einmal immer mehr Bürger in der EU - und deshalb wird immer mehr rechts gewählt und es gibt immer mehr "Separatisten"

    So einfach ist das :-)

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