Rechtslage in Europa uneinheitlich
Neue Debatte um Forschungsklonen

Der Erfolg südkoreanische Forscher, denen es erstmals gelang, menschliche Stammzellen aus einem Klon-Embryo zu gewinnen, hat die Debatte um den medizinischen Nutzen und die ethische Vertretbarkeit des so genannten therapeuthischen Klonens angeheizt. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Forschungserfolgs bekräftigte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), dass die Bundesregierung am deutschen Verbot jeglichen Klonens festhalten wolle.

pt BERLIN. Die beiden christlichen Kirchen warnten ebenso wie die Bundesärztekammer vor einem ethischen Dammbruch. Im gleichen Sinne äußerten sich auch Vertreter der Union und der Grünen. Lediglich die Freien Demokraten plädierten dafür, das therapeutische Klonen auch in Deutschland zu erlauben.

Beim therapeutischen Klonen oder „Forschungsklonen“ geht es darum, aus geklonten Embryonen Stammzellen zu gewinnen, mit deren Hilfe jede Form von Zellen und Gewebe zur Bekämpfung schwerer Krankheiten gewonnen werden kann. Dagegen soll beim reproduktiven Klonen die Kopie eines Menschen gezüchtet werden.

Während weltweit Einigkeit über die Ächtung des reproduktiven Klonens herrscht – ein entsprechender Beschluss der Uno scheiterte vergangenes Jahr nur knapp am Widerstand von Ländern wie Deutschland und Frankreich und USA –, ist die Rechtslage bezüglich des Forschungsklonens und der Forschung mit embryonalen Stammzellen in Europa uneinheitlich. In Großbritannien sind die Forschung an menschlichen Embryonen bis zum 14. Tag nach der Befruchtung, das Gewinnen von Stammzellen aus Embryonen und das Forschungsklonen erlaubt, ebenso in Belgien. In Frankreich und Spanien ist die Embryonenforschung dagegen grundsätzlich verboten. In Schweden und den Niederlanden ist die Gewinnung von Stammzellen aus bei künstlicher Befruchtung übrig bleibenden Embryonen ebenso wie das therapeutische Klonen erlaubt. Allerdings besteht in Holland ein Moratorium für therapeutisches Klonen.

In Dänemark und Finnland ist das therapeutische Klonen verboten. Doch dürfen überzählige Embryonen zur Gewinnung von Stammzellen verwendet werden. In Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Österreich und Luxemburg gibt es keine eindeutige Rechtslage.

In Deutschland darf mit vor einem bestimmten Stichtag gewonnenen embryonalen Stammzellen geforscht werden. Aktuell dürfte sich am faktischen Verbot jeglichen Klonens nichts ändern, obwohl Bundeskanzler Gerhard Schröder jüngst öffentlich für eine Lockerung des Verbots therapeutischen Klonens warb.

Bei den Vereinten Nationen steht das Thema Klonverbot im Herbst wieder auf der Tagesordnung. In der EU ist ein Moratorium zur Forschung mit embryonalen Stammzellen Ende 2003 ausgelaufen. Der zuständige EU-Kommissar ist fest entschlossen, noch dieses Jahr die Förderung dieser Forschung aufzunehmen, trotz des entschiedenen Widerstands von Ländern wie Deutschland, Portugal, Österreich, Spanien und Luxemburg. Dem Ministerrat war es zuvor nicht gelungen, sich auf Förderkriterien zu einigen.

Die Wissenschaft ist uneins, ob das therapeutische Klonen jemals zu erfolgreichen Therapien führt. Einig ist man sich aber, dass diese Erfolge, trotz des Durchbruchs in Südkorea, noch in weiter Ferne liegen.

Quelle: Handelsblatt

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