Rechtsruck in Brasilien
Bischof wird Bürgermeister von Rio

Rechtsruck bei Kommunalwahlen in Brasilien: Das Stadtoberhaupt der Karneval-Hochburg Rio de Janeiro wird der Bischof einer Mega-Kirche. Der ultrakonservative Marcelo Crivella will hart gegen Kriminalität vorgehen.

Rio de JaneiroEin evangelikaler Ex-Pastor wird Bürgermeister von Brasiliens zweitgrößter Stadt Rio de Janeiro. Der Gospelsänger und Senator Marcelo Crivella setzte sich in einer Stichwahl klar gegen seinen sozialistischen Rivalen Marcelo Freixo durch, wie die Wahlbehörde mitteilte. Demnach entfielen auf Crivella 59 Prozent der Stimmen, auf Freixo 41 Prozent.

Rio de Janeiro war eine von insgesamt 57 Städten in Brasilien, in denen am Sonntag kommunale Stichwahlen stattfanden.

Crivella hatte sich schon bei früheren Rennen um Bürgermeister- und Gouverneursposten zur Wahl gestellt, war jedoch gescheitert. Zuletzt sahen Umfragen ihn jedoch als klaren Favoriten der Cariocas, wie die Einwohner von Rio genannt werden.

„Ich bete zu Gott, dass mein öffentliches Leben, so steinig es auch gewesen sein mag, allen Cariocas lehren kann, dass unsere Zeit immer dann kommt, wenn wir nicht aufgeben“, erklärte Crivella am Sonntag vor Anhängern.

Der 59-Jährige ist der Neffe von Edir Macedo, einem Unternehmer und Gründer der Freikirche Igreja Universal do Reino de Deus. Sie gilt als die größte Kirche innerhalb der Pfingstbewegung in Brasilien. Obwohl das Land noch immer den größten Anteil der Katholiken weltweit hat, bekommt die evangelikale Szene dort immer mehr Zulauf: Einer von fünf Einwohnern des 200-Millionen-Einwohnerlands gehört der Bewegung inzwischen an.

Der für religiöse Popsongs auf YouTube bekannte Crivella zog mit harschen Aussagen über Homosexuelle, Katholiken sowie Anhänger von animistischen Religionen aus Afrika allerdings viel Unmut auf sich. In einem Buch, das er nach einem Missionseinsatz in Afrika schrieb, heißt es etwa, Schwule seien Opfer eines „schrecklichen Übels“, die Römisch-Katholische Kirche „lehrt dämonische Doktrinen“ und der Hinduismus und afrikanische Religionen beherbergten „unreine Geister.“

Den Triumph Crivellas in der für freizügige Strandkultur und quirlige Karnevalsparaden bekannten Metropole am Zuckerhut werteten Beobachter als Ausdruck einer zunehmenden Hinwendung zum Konservatismus. Gegen die etablierten linksgerichteten Parteien richtet sich inmitten der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten hingegen ein weit verbreiteter Unmut. Nach der Amtsenthebung von Dilma Rousseff als Präsidentin Ende August hatte die sozialistische Arbeiterpartei nach 13 Jahren in der Verantwortung den Machtverlust hinnehmen müssen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
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