Rede im Weißen Haus
Obama-Attacke gegen S&P vergrätzt Anleger

Das harte Rating-Urteil gegen die USA ruft Präsident Obama auf den Plan. Mit harten Worten schmettert er S&P entgegen, wie wenig er von der Herabstufung hält. Die Märkte goutieren das – mit krassen Abschlägen.
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WashingtonUS-Präsident Barack Obama zeigt sich trotz der herabgestuften US-Kreditwürdigkeit und jüngster Börsenturbulenzen optimistisch für die Zukunft des Landes. Die Probleme der USA seien „lösbar“, sagte Obama am Montag in Washington. „Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein“, betonte er. Das Land brauche keine Ratingagentur, die ihm sage, dass sein politisches System Probleme habe, zu funktionieren.

Investoren reagieren enttäuscht auf Obamas Rede. Noch während der Präsident spricht, baut der Dow-Jones-Index seine Verluste aus und fällt auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober 2010. Der Dow fiel zeitweise bis auf 10.840 Punkte. Händler sagten, dass der neuerliche Kursrutsch durch die von der Ratingagentur S&P abgestufte Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten ausgelöst worden sei. Zudem wurden als Folge auch die langfristigen Kreditratings der mit Staatsgeldern geretteten Hypothekenfinanzierer Freddie Mac und Fannie Mae von S&P gesenkt.

"Wir brauchen einen Präsidenten der uns Halt gibt", sagte ein Händler in New York. Das vermisse er. Obama hatte in seiner mit Spannung erwarteten und mit insgesamt fast 45 Minuten Verspätung begonnenen Rede letztlich nur seinen Appell an die Politiker wiederholt, sich nun endlich auf echte Reformen zu einigen.

Mit Erleichterung reagierte indessen die Wall Street auf die Mitteilung von S&P, dass sich die Herabstufung der Bonität der USA nicht auf die Bonitätsbewertungen der US-Kreditinstitute auswirkt. "Die Herabstufung verändert nicht die den Bewertungen zu Grunde liegenden Annahmen über eine eventuelle Stützung der Banken durch die Regierung", teilte die Agentur mit.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte am Freitag den USA die Bestnote „AAA“ entzogen und die Bonität auf „AA+“ abgestuft. Die Agentur begründete dies mit dem jüngsten Schuldenabkommen.

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  • Gerade läuft auf CNBC ein Interview mit Deven Sharma - President von S&P. Da fragt ihn die Interviewerin doch allen Ernstes, warum die Amerikaner S&P denn jetzt bei ihren Rating in Sachen USA glauben sollen, nachdem was in der Vergangenheit bei denen passiert sei...!!! Gott, war die bräsig...

    Aber das schlägt dem Faß doch glatt den Boden aus. Als die europäischen Staaten abgewertet wurden war alles klar: Haben die schließlich verdient. Jetzt, wo's an den eigenen Kragen geht, bricht das ganze Unrecht über die USA herein. Aber so ist das nun einmal mit Murdochs Medien - auch nur halbwegs objektive Berichterstattung ist absolute Fehlanzeige.

  • Das ist sehr schade sowas zu lesen. Ich hätte von Herrn Obama eigentlich etwas mehr Selbstkritik erwartet, stattdessen sind wiedermal die andern an allem Schuld. Das zeigt leider einmal mehr, das die Amerikanischen Verantwortlichen einen doch sehr beschränkten Horizont besitzen!

    Ob Demokraten oder Republikaner, der Sachverstand und die Einsicht fehlt bei beiden Parteien. Anderen hier namentlich Europa, will man erklären wie man Wirtschaftspolitik macht, aber selber keinen Schimmer davon haben.

  • Erinnert mich an Mubaraks Rede als auf dem Tahrir Platz alle mit den Schuhen winkten...Die Börse ist zwar nicht der Tahrir Platz aber irgendwie hat es die selbe Tragik: Ein Präsident der nicht durchblickt und zu schwach ist...

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